Hamburg testet ein neues Zugsicherungssystem für die U-Bahn. Ziel ist es, auf der vielbefahrenen Ost-West-Achse der Linien U2 und U4 künftig alle 100 Sekunden einen Zug fahren zu lassen. Nun fand erstmals eine öffentliche Testfahrt mit der neuen Technik statt.

Die Hamburger HOCHBAHN will mit dem Projekt „U-Bahn100“ erreichen, dass auf der stark befahrenen Strecke von U2 und U4 alle 100 Sekunden ein Zug fährt. Ein neues digitales Signalsystem soll dies ermöglichen. / © Foto: HOCHBAHN
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Die Hamburger HOCHBAHN arbeitet an einem grundlegenden Wandel im Betrieb ihrer U-Bahnen. Mit dem Projekt „U-Bahn100“ soll auf der stark genutzten Achse der Linien U2 und U4 künftig alle 100 Sekunden ein Zug verkehren. Damit ließe sich die Beförderungskapazität auf dem Abschnitt zwischen Horner Rennbahn und Jungfernstieg um bis zu 50 Prozent erhöhen. Aktuell liegt der kürzest mögliche Takt bei zweieinhalb Minuten.
Ein zentraler Bestandteil des Vorhabens ist das neue Zugsicherungssystem „Communication-Based Train Control“ (CBTC), das die klassische Blocktechnik ablöst. Erstmals wurde die Technik nun öffentlich auf dem Versuchsgleis zwischen Farmsen und Berne getestet.
Kommunikation statt fester Blöcke: Neues System kann wie geplant mehr Züge ermöglichen
Im Unterschied zur herkömmlichen Technik, bei der sich immer nur ein Zug pro festgelegtem Streckenabschnitt bewegen darf, ermöglicht CBTC ein Fahren im sogenannten „Moving Block“. Die U-Bahnen kommunizieren dabei fortlaufend ihre Position und Geschwindigkeit an eine zentrale Leitstelle. So kann der Abstand zwischen zwei Fahrzeugen flexibel angepasst werden, ohne den Sicherheitsstandard zu senken.
Das Fahrpersonal bleibt weiterhin an Bord und übernimmt insbesondere die Verantwortung für den Fahrgastwechsel an den Haltestellen. Zwischen den Stationen laufen die Züge jedoch automatisch. Der Technik-Vorstand der HOCHBAHN betonte, die erste öffentliche Fahrt habe gezeigt, dass das System stabil arbeite und die angestrebte Leistungssteigerung erreichbar sei.
Neue Ortungsgeräte, Kabel und Technik: Hamburgs Streckentechnik wird umfassend erneuert
Damit das System wie geplant bis Ende 2027 auf dem Kernabschnitt umgesetzt werden kann, sind umfangreiche technische Vorbereitungen notwendig. Auf der U4 zwischen Elbbrücken und Horner Geest sowie auf der U2 bis zur Christuskirche werden seit September 2024 sechs Stellwerke für den automatisierten Betrieb ertüchtigt.
Insgesamt 21 Haltestellen und 25 Kilometer Strecke müssen mit neuer Technik ausgestattet werden. Dazu gehören unter anderem 400 sogenannte Balisen, die im Gleisbett montiert werden und zur exakten Ortung der Fahrzeuge dienen. Ergänzend werden 250 Access Points entlang der Strecke installiert und über ein 160 Kilometer langes Kabelnetz miteinander verbunden.
Hamburger HOCHBAHN: Neue Fahrzeugtechnik für das automatisierte Netz wird intensiv getestet
Auch die Fahrzeuge müssen für den neuen Betriebsmodus vorbereitet werden. Die 163 Fahrzeuge der Baureihe DT5 werden schrittweise am Alstom-Standort in Salzgitter umgerüstet. Ältere DT4-Züge kommen auf den automatisierten Strecken künftig nicht mehr zum Einsatz. Sie werden durch die neue Baureihe DT6 ersetzt, die bereits ab Werk mit dem CBTC-System ausgestattet ist.
Projektleiter Jan Bremen unterstrich, dass die Umsetzung des „Moving Block“ nur bei einem dauerhaft hohen Sicherheitsniveau sinnvoll sei. Die Technik werde deshalb intensiv getestet. Erfahrungen aus London und Kopenhagen zeigten, dass CBTC auch die Störanfälligkeit im Betrieb deutlich senken könne.
Hamburger Verkehrsprojekt „U-Bahn100“: Abschluss bis 2029 geplant
Die vollständige Umsetzung des Projekts „U-Bahn100“ ist bis zum Jahr 2029 vorgesehen. Für die insgesamt rund 200 Millionen Euro Investitionskosten strebt die HOCHBAHN eine Förderung durch den Bund im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) an.
Quelle: HOCHBAHN
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