In Dahlem sind 106 neue Wohnungen fertiggestellt worden. Ursprünglich angekündigt als studentisches Wohnen mit einem Anteil geförderter Mietwohnungen, scheint das Projekt nun eine andere Wendung zu nehmen. Interessierte berichten von einem möglichen Eigentümerwechsel und Mieten von 22 Euro pro Quadratmeter. Bezirk und Senatsverwaltung wissen von einem Eigentümerwechsel nichts.

Neubau Wohnungen in der Königin-Luise-Straße

Neubau in der Königin-Luise-Straße: In Dahlem wurden 106 neue Wohnungen fertiggestellt, doch statt des ursprünglich angekündigten studentischen Wohnens mit geförderten Anteilen mehren sich Hinweise auf einen möglichen Eigentümerwechsel und deutlich höhere Mieten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Auf dem Gelände der ehemaligen Alten Anatomie der Freien Universität Berlin sind in den letzten zwei Jahren fünf neue Wohnhäuser entstanden. Die Anlage an der Königin-Luise-Straße umfasst insgesamt 106 Wohnungen und sollte studentischen Wohnraum sowie geförderte Mietwohnungen bereitstellen. Realisiert wurde das Projekt von der Aldi Wohnen GmbH, die das Gelände 2008 erworben hatte.

Bereits im Jahr 2021 war das marode Institutsgebäude abgerissen worden. Anschließend begann der Bau eines Wohnensembles, das sich bewusst in die kleinteilige Bebauung Dahlems einfügen sollte. Die Nähe zum Botanischen Garten und zum Campus der Freien Universität machte den Standort besonders attraktiv für Studierende.

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Ursprünglich waren 50 Studentenwohnungen und ein Drittel geförderter Wohnraum in der Königin-Luise-Straße geplant

Die ursprünglichen Pläne sahen 50 Studentenapartments im längsten Gebäude entlang der Straße vor. Sie sollten 25 bis 30 Quadratmeter groß sein und einen Beitrag zur angespannten Wohnsituation für Studierende leisten. Daneben waren 56 weitere Mietwohnungen mit unterschiedlichen Größen vorgesehen, rund ein Drittel davon als geförderte Einheiten.

Zudem wurde das Projekt architektonisch auf Barrierearmut ausgerichtet. Nach Angaben von Architekt Ingmar Faber sollten etwa 50 Prozent der Wohnungen barrierearm gestaltet werden, alle mit Balkon oder Terrasse. Eine Tiefgarage mit 35 Stellplätzen sowie sichere Fahrradstellplätze ergänzen das Konzept.

Unklare Zuständigkeiten: Vermarktung in Dahlem plötzlich über Müller Merkle statt Aldi Wohnen

Nun berichten mehrere Interessierte jedoch von einer überraschenden Veränderung. Ihnen zufolge wird das Projekt nicht mehr von Aldi Wohnen, sondern von der Müller Merkle Immobilien GmbH vermarktet. Unter dem Namen „Belle Luise“ sollen alle Wohnungen künftig freifinanziert und zu einer Anfangsmiete von 22 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, mit Indexmietvertrag.

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Eine Rentnerin schildert, sie habe sich seit 2021 um eine Wohnung bemüht und sei davon ausgegangen, dass Aldi als Eigentümer sozial verträgliche Mieten ansetze. Erst kürzlich habe sie per E-Mail erfahren, dass ein neuer Eigentümer „im Hintergrund“ übernehme. Laut ihrer Darstellung seien weder geförderte Wohnungen noch Studentenapartments im Angebot zu finden.

Keine Information durch Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf: Offene Fragen zu Eigentümerwechsel und Sozialwohnungen bleiben

Sowohl Aldi Wohnen als auch Müller Merkle haben auf die Presseanfragen von ENTWICKLUNGSSTADT bislang nicht reagiert. Auch beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ist auf Nachfrage keine Klarheit zu erhalten. Beide Behörden erklären, ihnen lägen keine Informationen zu einem möglichen Eigentümerwechsel vor und verweisen jeweils auf die andere Zuständigkeit.

Ob tatsächlich ein Eigentümerwechsel stattgefunden hat oder ob die Vermarktung lediglich durch einen externen Dienstleister erfolgt, bleibt damit ungewiss. Fest steht jedoch, dass die Kommunikation zum Projekt bislang wenig transparent ist und die Frage nach den ursprünglich zugesagten geförderten Wohnungen weiterhin offen bleibt.

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„Belle Luise“ präsentiert sich als hochpreisiges Wohnquartier in der Königin-Luise-Straße 15

Die Vermarktungsseite „Belle Luise“ stellt die Anlage als modern ausgestattetes Wohnquartier im gehobenen Segment vor: Vinylböden, Fußbodenheizung, hochwertige Bäder, großzügige Grünflächen und möblierte Studios. Hinweise auf geförderte Wohnungen oder Preisbindungen fehlen.

Auch die studentische Zielgruppe spielt in der aktuellen Vermarktung kaum eine Rolle. Zwar werden einige Einzimmerwohnungen möbliert angeboten, doch die Preise beginnen bei rund 30 Euro pro Quadratmeter und somit deutlich über einem studentischen Budget. Stattdessen richtet sich das Angebot eher an Berufseinsteigende, Pendler oder zahlungskräftige Haushalte, ein Bruch mit dem ursprünglichen Anspruch des Projekts.

Berlin-Dahlem: Bezahlbarer Wohnraum war geplant, wurde letztlich jedoch nicht umgesetzt

Bis heute ist unklar, wo die ursprünglich geplanten 50 Studentenwohnungen und die 30 Prozent geförderten Einheiten geblieben sind und wo diese angeboten und angefragt werden können. Die Hinweise auf eine vollständige Vermarktung zu Marktmieten widersprechen den Plänen, die bislang öffentlich kommuniziert wurden.

Für viele Interessierte, die auf bezahlbaren Wohnraum gehofft hatten, ist die aktuelle Situation enttäuschend. Wer ist tatsächlich Eigentümer? Was passiert mit den angekündigten preisgebundenen Wohnungen? Und wie konnte ein sozial ausgerichtetes Projekt scheinbar in ein hochpreisiges Marktangebot kippen?

Königin-Luise-Straße Neubau Wohnungen

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Neubau in Dahlem an der Königin-Luise-Straße

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Quellen: Aldi Wohnen GmbH, 030 Unternehmensgruppe, Belle Luise, Müller Merkle Immobilien, Freie Universität

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One Comment

  1. Winkler Sabine 14. Dezember 2025 at 11:44 - Reply

    Ja das stimmt alles ich habe auch so sehr gehofft dort eine kleine Wohnung an zumieten.Aber die Anforderungen dafür sind weder menschlich geschweige denn sozial eingestellt.Gerade in der heutigen Zeit wo Wohnungen in ein vernünftigen Umfeld so knapp sind.Sehr sehr traurig und unmenschlich.Sorry und dann auch noch alles per Internet wo soviel Betrugsachen damit gemacht werden.

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