Alba Berlin plant nicht weniger als einen eigenen Sportcampus im Berliner Südosten, inklusive einer eigenen Arena für bis zu 20.000 Fans. Der Weg dorthin war jedoch lang und von zahlreichen Standortdebatten geprägt. Ein Blick zurück zeigt, wie aus einer Idee im Jahnsportpark ein Großprojekt in Adlershof wurde. Der Blick nach vorn zeigt aber auch, dass das ambitionierte Projekt kein Selbstläufer wird.

Alba Berlin, Halle, Zuschauer

Alba Berlin will raus aus der Abhängigkeit von der Uber Arena – und setzt auf ein eigenes Großprojekt in Adlershof. Was als Idee im Jahnsportpark begann, hat sich zu einem der ambitioniertesten Sportvorhaben der Stadt entwickelt. / © Foto: Jan Buchholz/ALBA BERLIN

© Titelbild: ALBA BERLIN

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Berlins Basketball-Bundesligist Alba Berlin treibt die Planungen für eine neue, eigene Spielstätte weiter voran. Im Raum steht inzwischen nicht mehr nur der Bau einer klassischen Arena, sondern die Vision eines umfassenden Sportcampus im Berliner Südosten.

Überlegungen von Alba zum Bau einer neuen, eigenen Basketball-Halle gibt es aber nicht erst seit kurzem. Der Verein kämpft bereits seit mehreren Jahren um eine Alternative zur Uber Arena in Friedrichshain.

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Erste Überlegungen: Alba Berlin prüfte bereits eine eigene Arena in Prenzlauer Berg

Einen ersten konkreteren Ausdruck fand Albas Suche nach einer neuen Spielstätte bereits im Frühjahr 2024, als erstmals öffentlich wurde, dass der Verein einen Neubau im Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark in Prenzlauer Berg prüft. Auch ein Umbau der Radsporthalle Velodrom an der Landsberger Allee stand für einige Zeit im Raum.

Ausgangspunkt dieser Überlegungen war die strukturelle Situation des Clubs: Alba nutzte seit Jahren die (damalige) Mercedes-Benz Arena am Ostbahnhof als Heimspielstätte, verfügte jedoch über keine eigene Halle.

Spielstätte für Alba: Sömmering-Sporhalle und Max-Schmeling-Halle waren keine realistische Option

Die vorherigen Alba-Spielstätten – Sömmering-Sporthalle in Charlottenburg und Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg – waren entweder zu klein oder bereits ausgebucht. Damit war der Verein in zentralen Fragen, etwa bei Terminplanung, Vermarktung oder langfristiger Entwicklung, abhängig von externen Betreibern.

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Die Idee eines eigenen Standorts zielte daher nicht nur auf sportliche Aspekte, sondern auch auf wirtschaftliche Unabhängigkeit und strategische Entwicklungsmöglichkeiten. Der Jahnsportpark erschien zunächst als möglicher Ort für einen vereinseigenen Neubau, da dort ohnehin umfassende Umbau- und Neubaupläne verfolgt werden.

Kurzzeitig war auch der Umbau des Velodroms an der Landsberger Allee diskutiert worden, doch die Kapazität des Velodroms erwies sich als zu klein. / © Foto: Velomax / Wikimedia Commons

Albas Standortsuche in Berlin: Herausforderungen und neue Optionen

Die Überlegungen für den Jahnsportpark machten zugleich deutlich, wie schwierig die Standortsuche für eine große Arena in Berlin ist. Flächenverfügbarkeit, planungsrechtliche Rahmenbedingungen, Lärmschutz, Verkehrsanbindung und politische Abstimmungsprozesse stellten (und stellen) hohe Hürden dar.

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Parallel zu den Diskussionen im Prenzlauer Berg wurden daher auch alternative Standorte geprüft. Dabei rückte zunehmend der Berliner Südosten in den Fokus, insbesondere der Wissenschafts- und Technologiestandort Adlershof.

Vom Hallenprojekt zum Sportcampus: Alba erweitert seine Vision

Mit der weiteren Konkretisierung der Planungen veränderte sich auch die Dimension des Projekts. Aus der Idee einer einzelnen Arena entwickelte sich zunehmend die Vision eines umfassenden Sport- und Vereinscampus.

Neben der großen Spielhalle rücken nun zusätzliche Nutzungen in den Fokus: Trainingsflächen, Nachwuchsleistungszentren, Büroflächen sowie Angebote für den Breitensport. Ziel ist laut Alba-Manager Marco Baldi, die verschiedenen Bereiche des Vereins an einem Ort zu bündeln und gleichzeitig neue Impulse für den Standort zu setzen.

Internationale Vorbilder für Alba: Eigener Campus mit verschiedenen Nutzungen

Diese Entwicklung entspricht einem internationalen Trend im Profisport, bei dem Clubs verstärkt auf integrierte Campuslösungen setzen, um sportliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktionen miteinander zu verknüpfen.

Einen weiteren Schritt stellte die Präsentation der Pläne im Berliner Abgeordnetenhaus dar. Dabei wurde deutlich, dass die Dimensionen des Projekts im Vergleich zu den Planungen aus dem Frühjahr 2024 noch einmal deutlich gewachsen sind.

Adlershof: Mittlerweile soll eine Arena mit bis zu 20.000 Plätzen realisiert werden

Inzwischen wird eine Arena mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauern geprüft. Damit würde die neue Halle nicht nur zu einer der größten Basketballarenen Deutschlands werden, sondern auch in Konkurrenz zur bestehenden Uber Arena am Ostbahnhof (bis zu 17.ooo Plätze) treten.

Die größere Kapazität eröffnet neue Perspektiven: Neben nationalen und internationalen Basketballspielen könnten auch Großveranstaltungen, Konzerte und potenziell neue Formate wie eine mögliche „NBA Europe“ in Berlin stattfinden.

Alba: Ab der Saison 2031/32 soll in der neuen Arena im Berliner Südosten gespielt werden

Alba plant laut Baldi, ab der Saison 2031/32 in der neuen Arena in Adlershof zu spielen, wobei dieser Zeitplan vom Verein als ambitioniert, aber grundsätzlich realistisch eingeschätzt wird. Aktuell befindet sich das Projekt aber noch in einer frühen Phase, erste Gespräche mit Bezirk, Senat und Standortpartnern laufen bereits.

Die konkrete Planung und Umsetzung werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen, da zentrale Fragen zu Finanzierung, Baurecht und Abstimmung noch offen sind. Damit ist eine Realisierung erst Anfang der 2030er-Jahre denkbar, sofern die nächsten Planungsschritte erfolgreich verlaufen.

Der Vorteil des Standorts ist: das betreffende Grundstück befindet sich in Besitz des Landes Berlin, und der Berliner Senat begrüßt die Ansiedlung eines solchen Campusprojekts zwischen den S-Bahnhöfen Johannisthal und Adlershof.

Wachsender Bedarf an Veranstaltungsflächen in Treptow-Köpenick

In der geplanten Arena könnten künftig laut einem Bericht der Berliner Morgenpost rund 200 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden, darunter etwa 100 Kongresse und Business-Events, für die am wachsenden Standort im Berliner Südosten ein steigender Bedarf gesehen wird.

Ergänzend zur Arena ist ein umfassender „Alba-Zukunfts-Campus“ geplant, der unter anderem ein Trainingszentrum mit zwei Hallen für die Profi-Teams der Männer und Frauen umfasst. Auch die Geschäftsstelle des Vereins soll perspektivisch vom Jahnsportpark nach Adlershof verlegt werden.

Marco Baldi: Berlin muss dynamische Entwicklung des europäischen Basketballs aufnehmen

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi betonte die dynamische Entwicklung des internationalen Basketballs und unterstrich damit die strategische Bedeutung des Projekts. Der Club strebt eine Teilnahme an der geplanten Liga „NBA Europe“ an und muss dafür bis Ende März seine Bewerbung einreichen.

Im Erfolgsfall würde Alba in einer Liga mit europäischen Topclubs wie Real Madrid oder dem FC Barcelona antreten, ergänzt um Standorte in Metropolen wie London, Manchester, Rom und Mailand. Für die Sportstadt Berlin sieht Baldi durch das neue Format eine Riesenchance.

Konkurrenz zur Euroleague: „NBA Europe“ soll neue Märkte erschließen

Die neue Liga, ein Gemeinschaftsprojekt von NBA und FIBA, soll perspektivisch die bestehende Euroleague herausfordern, die derzeit von süd- und südosteuropäischen Clubs dominiert wird. Hintergrund sind unter anderem erhebliche wirtschaftliche Verluste im europäischen Basketball, die Reformdruck erzeugen. Befürworter sehen in der „NBA Europe“ die Chance, neue Märkte zu erschließen und die fragmentierte Struktur des Sports in Europa zu bündeln.

Die Liga könnte bereits in der Saison 2027/28 starten, weshalb Alba für die Übergangszeit weiterhin auf die bestehende Arena am Ostbahnhof angewiesen wäre. Die neue Halle in Adlershof wird in den Bewerbungsunterlagen aber selbstverständlich als zentrale Zukunftsperspektive genannt. Politisch stößt das Projekt bislang auf breite Zustimmung, auch wenn zentrale Fragen etwa zur konkreten Verkehrsplanung noch in Bearbeitung sind.

 

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Bis zu 20.000 Plätze, dazu Trainingsflächen, Internat und Bildungsangebote: Alba Berlin treibt seine Arena-Pläne voran. In Adlershof könnte ein neuer sportlicher und urbaner Anziehungspunkt entstehen. / © Foto: IMAGO / Günter Schneider

Neue Heimat für Alba Berlin: Vom Standortproblem zur strategischen Zukunftsentscheidung

Die Suche nach einer eigenen Arena hat sich für Alba Berlin von einer reinen Standortfrage zu einer umfassenden strategischen Entscheidung entwickelt. Vom ersten Gedanken eines Neubaus im Jahnsportpark über die Standortverlagerung nach Adlershof bis hin zur Vision eines großen Sportcampus lässt sich eine klare Entwicklungslinie erkennen.

Mit den aktuellen Planungen könnte im Berliner Südosten ein neues Zentrum für Sport, Veranstaltungen und urbane Entwicklung entstehen. Ob und in welcher Form das Projekt umgesetzt wird, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob es gelingt, Politik, Verwaltung und private Akteure auf eine gemeinsame Linie zu bringen.

Das hat in Berlin in der Vergangenheit mal besser, mal schlechter geklappt. Davon können unter anderem die Fußball-Bundesligisten Union Berlin und Hertha BSC ein Liedchen singen.

Standort neue Alba-Halle

Quellen: RBB, Alba Berlin, Berliner Morgenpost 

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