Ein geschichtsträchtiges Gebäude am Bockenheimer Campus steht erneut an einem Wendepunkt: Nach dem Aus für das Wohnprojekt von AdAptiv rückt die Frage in den Fokus, wie die ehemalige Akademie der Arbeit künftig gemeinwohlorientiert genutzt werden kann.

Dem etwa 70 Jahre alten, ehemaligen Gebäude der Akademie der Arbeit am Campus Bockenheim steht ein Wandel bevor. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss jedoch am 11. Dezember dass der Ort weiterhin einem gemeinnützigen Zweck dienen soll. Aktuell befindet sich hier eine Kantine. / © Foto: ada_kantine, Marc Behrens
© Titelbild und Foto: ada_kantine, Marc Behrens
Das Gebäude der ehemaligen Akademie der Arbeit (AdA) in Bockenheim soll auch künftig für gemeinwohlorientierte Zwecke genutzt werden, das entschied die Stadtverordnetenversammlung vergangenen Donnerstag. Dabei soll es langfristig dem Gemeinwohl dienen und vor allem weiterhin Wohnraum sowie soziale Angebote bereitstellen. Die Stadtverordneten betonen, dass das Gebäude für Menschen in verschiedenen Lebenssituationen offen bleiben soll.
Das Grundstück liegt auf dem Campusgelände in Bockenheim, nur wenige Gehminuten von der U-Bahn-Haltestelle Bockenheimer Warte entfernt, und wäre Teil des geplanten Kulturcampus. Bereits 2020 wurde das Areal an das Konzept einer Wohngruppe vergeben. Das frühere Gebäude der Akademie der Arbeit sollte hier schon damals innovativ und sozial ausgerichtetes gemeinschaftliches Wohnen ermöglichen und Teil des aufstrebenden Quartiers rund um den künftigen Kulturcampus werden.
Ehemalige Akademie für Arbeit: Areal wurde bereits 2020 an Wohngruppenkonzept vergeben
Im Rahmen des Konzeptverfahrens von 2020 wurde die Liegenschaft an der Mertonstraße erstmals für gemeinwohlorientierte Wohnformen ausgeschrieben. Die Wohngruppe AdAptiv BauGeno erhielt zu diesem Zeitpunkt die Anhandgabe, nachdem sie mit einem innovativen und sozial ausgerichteten Konzept überzeugt hatte. Ziel war es, die Immobilie als Ort für gemeinschaftliches Wohnen zu etablieren und gleichzeitig einen Beitrag zum sozialen Miteinander im Quartier zu leisten.
Die AdAptiv BauGeno plante auf rund 3.200 Quadratmetern Fläche ein barrierearmes, nachhaltiges Gebäude mit Platz für rund 90 Menschen sowie gemeinschaftlich nutzbare Quartiersräume. Trotz intensiver Planung und enger Abstimmung mit den städtischen Fachämtern konnten die stark gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten das Projekt wirtschaftlich nicht tragen. Statt ursprünglich angenommenen 19 Millionen Euro Investitionssumme wurden die Baukosten für das Vorhaben zuletzt auf 25 Millionen geschätzt. Nach weiteren Prüfungen entschieden AdAptiv und die Stadt gemeinsam, die Anhandgabe nicht fortzusetzen.
Vorerst Zwischennutzung vorgesehen: Stadt Frankfurt sichert sich Rechte bis 2030
Die Stadt Frankfurt sichert sich nun die Zwischennutzungsrechte der ehemaligen Akademie der Arbeit, zunächst bis zum Jahr 2030. Während dieser Zeit soll eine neue Ausschreibung vorbereitet werden, die den Standort erneut für gemeinschaftliches Wohnen öffnen soll. Dabei soll das Konzept den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht werden und die Grundlage für ein tragfähiges Wohnprojekt schaffen.
Die baulichen Voruntersuchungen der AdAptiv BauGeno stehen dem städtischen Liegenschaftsfonds für die weitere Planung zur Verfügung. So werden wichtige Grundlagen für ein zukünftiges gemeinschaftliches Wohnprojekt am Kulturcampus gelegt. Zwischenzeitlich wird das Erdgeschoss des 1960er-Jahre-Baus weiterhin als „ada_kantine“ genutzt. In dieser Kantine werden Mahlzeiten auf Spendenbasis angeboten, zudem gibt es im Gebäude aktuell Kreativräume und Wohnflächen für Auszubildende.
Historisches Gebäude, neue Perspektiven: Großes Bedauern über das Beenden der AdAptiv-Anhandgabe
Die 1921 gegründete Akademie der Arbeit stand für ein fortschrittliches Bildungsverständnis, das gewerkschaftliche Qualifizierung mit einem offenen Bildungsanspruch verband. Das heutige Gebäude in Campusnähe entstand im Jahr 1957. Vor sechs Jahren verlegte die Akademie ihren Standort in das neu gebaute House of Labour auf dem Campus Westend. Seit diesem Zeitpunkt ist die teilstädtische Konversions-Entwicklungs-Gesellschaft KEG Eigentümerin der Immobilie.
Nun bekommt das fast 70 Jahre alte Gebäude frischen Wind, dennoch wird auch in der Politik das Ende der Zusammenarbeit mit AdAptiv bedauert. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn, denn das Gebäude gilt weiterhin als Ort mit großem Potenzial für gemeinnützige Projekte. Wie es nach 2030 weitergeht, soll dann die neue Ausschreibung genauer definieren. Entscheidend bleibt jedoch, dass die Stadt den Standort dauerhaft für gemeinwohlorientierte Nutzungen sichert.

Die Akademie der Arbeit zog bereits 2019 aus dem Gebäude am Campus Westend. Nun befinden sich die Räumlichkeiten im sogenannten „House of Labour“ am Campus im Frankfurter Westend. / © Foto: Wikimedia Commons, Hegel82
Quellen: Stadt Frankfurt, FAZ, Kulturcampus Frankfurt, AdA Kantine
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