Die Berliner Wohnungskrise spitzt sich trotz neuer gesetzlicher Erleichterungen weiter zu. Während der Senat seine Neubauziele für das Jahr 2025 deutlich verfehlte, rücken strukturelle Fragen der Flächenverteilung immer stärker in den Fokus der öffentlichen Debatte.

Mehrere Bauabschnitte des „Cecilien-Carré“ in Hellersdorf werden parallel umgesetzt. Auf der Baustelle lagert Material.

„Cecilien-Carré“ in Hellersdorf: Während in einigen Berliner Bezirken nur wenige neue Wohnungen entstehen, konzentriert sich die Bautätigkeit besonders auf die östlichen Stadtteile. Der AIV fordert eine gleichmäßigere Beteiligung aller Bezirke. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Berlin kämpft seit Jahren mit einer angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt. Gleichzeitig verfehlt die Stadt ihre selbst gesetzten Neubauziele deutlich. Statt der angestrebten 20.000 Wohnungen pro Jahr wurden zuletzt lediglich rund 11.000 neue Wohnungen fertiggestellt. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen, Materialengpässe und der Fachkräftemangel bremsen viele Projekte aus.

Für den Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) reicht der Blick auf die Neubauzahlen allein jedoch nicht aus. Der Verein argumentiert, dass die Hauptstadt nicht nur unter einem Mangel an Wohnungen leide. Vielmehr handle es sich zunehmend um ein Struktur- und Verteilungsproblem, das durch demografische Entwicklungen und politische Entscheidungen verschärft werde.

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Wohnflächenverteilung in Berlin: Gestiegener Platzverbrauch pro Person

Altbauten in der Winterfeldstraße in Berlin-Schöneberg.

Der Wohnflächenbedarf in Berlin verteilt sich zunehmend ungleich. Während viele Haushalte nach größerem Wohnraum suchen, verbleiben zahlreiche Bestandsmieter über Jahre hinweg in ehemals familiengerechten Wohnungen. / © Foto Wikimedia Commons, Thomaswiki, CC BY-SA 3.0

Im Mittelpunkt der Analyse des AIV steht der stetig steigende Wohnflächenverbrauch. Während viele Familien Schwierigkeiten haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden, nimmt die durchschnittliche Wohnfläche pro Person seit Jahren zu. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei älteren Menschen, die nach dem Auszug ihrer Kinder – aus nachvollziehbaren Gründen – häufig in großen Wohnungen verbleiben.

Der Verein betrachtet diese Entwicklung als Frage der Generationengerechtigkeit. Wohnraum werde dadurch dem Markt entzogen und sei oftmals nicht den aktuellen Bedürfnissen entsprechend. Der AIV fordert deshalb eine offene Debatte darüber, wie vorhandene Flächen besser genutzt werden können, ohne dabei Eigentumsrechte oder persönliche Lebensentscheidungen infrage zu stellen.

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Nachverdichtung in bestehenden Quartieren: Nutzung vorhandener Infrastruktur

Als zentrale Antwort auf die Wohnungskrise schlägt der Verein eine stärkere Nachverdichtung bestehender Quartiere vor. Ziel sei es, zusätzlichen Wohnraum dort zu schaffen, wo Straßen, Schulen, Nahverkehr und technische Infrastruktur bereits vorhanden sind. Gleichzeitig fordert der AIV eine höhere bauliche Dichte und eine verbindlichere Beteiligung aller Bezirke am Wohnungsbau.

Die Forderung knüpft an frühere Berliner Debatten über kompakte Stadtstrukturen an. Befürworter verweisen darauf, dass neue Wohngebiete innerhalb des bestehenden Stadtgefüges deutlich geringere Folgekosten verursachen als großflächige Stadterweiterungen. Kritiker warnen hingegen vor einer zunehmenden Verdichtung zulasten von Grünflächen und Aufenthaltsqualität.

Freiflächen in Berlin: Zielkonflikte zwischen Wohnen und Klima

Ebenfalls spricht sich der Verein dafür aus, auch bislang „tabuisierte Standorte in die Diskussion einzubeziehen. Dazu zählen unter anderem landeseigene Grundstücke wie Randbereiche von Kleingartenanlagen.

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Genau an diesem Punkt zeigt sich ein zentraler Konflikt der Berliner Stadtentwicklung. Während Wohnungsbauverbände zusätzliche Bauflächen fordern, verfolgt das Land Berlin mit dem Kleingartenflächensicherungsgesetz gleichzeitig den langfristigen Schutz vieler Kleingartenanlagen. Die Frage, wie Wohnungsbau und Freiraumschutz miteinander vereinbart werden können, bleibt daher umstritten.

Pendler aus dem Berliner Umland: Folgen des Wohnungsmangels in der Stadt

Derzeit gibt es in der Berliner Innenstadt viel privaten Autoverkehr.

Staus gehören auf vielen Berliner Hauptverkehrsachsen zum Alltag. Die Wohnungsnot in der Hauptstadt könnte den Pendlerverkehr aus dem Umland weiter verstärken und die bestehende Verkehrsbelastung zusätzlich erhöhen. / © Foto: depositphotos.com

Die Auswirkungen der angespannten Lage reichen längst über die Stadtgrenzen hinaus. Jedes Jahr ziehen zahlreiche Menschen aus Berlin in das Umland Brandenburgs. Gründe sind häufig steigende Mieten und fehlende Wohnungsangebote innerhalb der Hauptstadt.

Dadurch wächst zugleich die Zahl der Pendler. Bereits heute sind laut ADAC über 300.000 Menschen täglich zwischen Berlin und Brandenburg unterwegs. Der AIV sieht darin eine Folge unzureichender Bautätigkeit innerhalb der Stadt. Aus Sicht des Vereins entstehen dadurch zusätzliche Belastungen für Verkehrsinfrastruktur und Umwelt.

Lösungsansätze gegen den Wohnungsmangel: Neubau allein wird nicht genügen

Einigkeit besteht darüber, dass Berlin mehr Wohnungen benötigt. Umstritten bleibt jedoch die Frage, welche Maßnahmen den größten Effekt erzielen können. Während der AIV auf Nachverdichtung, höhere Dichten und eine aktivere Flächenpolitik setzt, verweisen Stadtforscher und Mieterverbände auf die Bedeutung von Mieterschutz, sozialer Wohnraumförderung und einer stärkeren Regulierung des Bestandsmarktes.

Die Debatte zeigt, dass die Berliner Wohnungskrise weit über die reine Neubaufrage hinausgeht. Sie berührt Themen wie Generationengerechtigkeit, Flächenverbrauch, Klimaschutz und soziale Teilhabe. Der Beitrag des AIV liegt vor allem darin, diese Zielkonflikte offen anzusprechen und die Diskussion über die Verteilung des vorhandenen Wohnraums stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Der Verein plant zu dem Thema eine Veranstaltungsreihe im Herbst. Ob daraus konkrete politische Konsequenzen entstehen, dürfte eine der entscheidenden Fragen der kommenden Jahre sein.

 

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Umweltbundesamt, Berliner Mieterverein e.V., ADAC, Umweltatlas Berlin,

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One Comment

  1. Max 12. Juni 2026 at 12:11 - Reply

    °Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei älteren Menschen, die nach dem Auszug ihrer Kinder häufig in großen Wohnungen
    °verbleiben.

    Was für eine Anmaßung, das verbleiben in der Wohnung vorzuwerfen. Dann kauft sie doch raus, weil zum selben Preis finden sie nur wesentlich kleinere Wohnungen, geschweige denn wenn es ihr Eigentum ist.

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