Der AIV-Schinkel-Wettbewerb zählt zu den traditionsreichsten Nachwuchspreisen im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr stand Luckenwalde im Fokus, eine Stadt im strukturellen Wandel. 140 junge Planerinnen und Planer entwickelten Visionen für ein innerstädtisches Modellquartier.

Der Entwurf „Logic of Luckenwalde“, ausgezeichnet mit dem Schinkel-Preis Architektur, entwickelt sein Konzept aus einem tiefen Verständnis des Ortes heraus. Die Verfasser identifizieren sechs historisch gewachsene „Logiken“ aus Industrie, Gemeinschaft, Landschaft und Partizipation und verknüpfen sie zu einem resilienten Gesamtsystem, das Luckenwalde als Stadt voller Potenziale begreift und diese durch gezielte architektonische Eingriffe reaktiviert. / © Visualisierung: AIV
© Visualisierung Titelbild: AIV
Seit 1852 richtet der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) den Schinkel-Wettbewerb aus. Der Förder- und Ideenwettbewerb richtet sich an junge Planerinnen und Planer und gilt als einer der renommiertesten Nachwuchspreise Deutschlands. Ziel ist es, Kreativität zu fördern und zugleich einen Dialog zwischen Fachwelt, Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit anzustoßen.
In diesem Jahr lautete das Thema „Luckenwalde – Stadt im Wandel neu denken“. Im Mittelpunkt stand das innerstädtische „Karree“, ein Areal zwischen Bahnhof, ehemaliger Burg und Innenstadt. Leerstände, stillgelegte Industrieflächen, Wohnlagen und der Nuthepark treffen hier aufeinander. Gesucht wurde ein Leitbild für ein Modellquartier, das Impulse für Wirtschaft, Wohnen, Klima und Mobilität setzt.
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2026: 140 Arbeiten in sechs Fachsparten eingereicht
Insgesamt gingen 140 Arbeiten ein. Zwölf davon wurden prämiert, darunter zwei mit dem Schinkelpreis ausgezeichnet. Bearbeitet wurden die Fachsparten Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur, Konstruktiver Ingenieurbau, Mobilität und Verkehrsplanung sowie Freie Kunst. Zusätzlich wurden Sonderpreise verschiedener Stiftungen und Institutionen vergeben.
Martin Schmitz vom AIV-Schinkel-Ausschuss erklärte, man freue sich besonders über die hohe Zahl interdisziplinärer Arbeiten. Teilweise hätten die Teams über die klassischen Disziplinen hinaus mit Fachgebieten wie Holzingenieurwesen, Pflegewissenschaften oder klimagerechtem Bauen kooperiert. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 28.000 Euro vergeben.
Schinkelpreis Architektur 2026: „Logic of Luckenwalde“ überzeugt die Jury
In der Fachsparte Architektur ging der Schinkelpreis an den Entwurf „Logic of Luckenwalde“ von Adrian Krieg, Emily Idelberger und Benjamin Hostermann (FH Potsdam). Die Jury würdigte die analytische Tiefe und die konsequente Ableitung eines städtebaulichen Systems aus den „inneren Logiken“ der Stadt. Statt externe Konzepte aufzusetzen, entwickelten die Verfasser ihre Strategie aus historischen und sozialen Strukturen heraus.
Am Beispiel des ehemaligen Beschlägewerks zeige der Entwurf, wie industrielle Standorte in gemeinschaftliche urbane Knoten transformiert werden könnten. Öffentliche Erdgeschosse, gemeinschaftliche Nutzungen und verschiedene Wohnformen würden kombiniert. Besonders hervorgehoben wurde der nachhaltige Umgang mit Materialkreisläufen, etwa durch Wiederverwendung von Ziegeln oder Pflastersteinen aus dem Bestand.
„DAZWISCHENstadt“: Städtebauliches Leitbild für Luckenwaldes Transformation
Der Städtebaupreis ging an das Team Till Pulst, Emil Kuenzer, Jorik Niclas Flohr und Jesse Punhan-Schulz von der Bauhaus-Universität Weimar. Ihr Entwurf „DAZWISCHENstadt“ entwickle eine klare Vision für das Karreequartier, so die Jury. Bestehende Strukturen würden respektvoll weitergedacht und mit produktiven, zirkulären Strategien ergänzt.
Bahnhof und Bahntrasse werden als Mobilitätszentrum gestärkt, der Nuthegrünzug als zentraler Freiraum erweitert. Innenhöfe sollen gemeinschaftlich aktiviert, Leerstände neu programmiert werden. Ein Campus mit Hallen für Produktion und Veranstaltungen bildet einen markanten neuen Schwerpunkt. Die Jury bescheinigte der Arbeit ein fundiertes Verständnis für Identität und Transformationspotenzial der Stadt.
Schinkel-Wettbewerb 2026: Ausstellung und Schinkel-Fest in Luckenwalde
Die prämierten Arbeiten werden vom 13. März bis 2. April in der Hochschulpräsenzstelle Gewerbehof in Luckenwalde ausgestellt. Am 13. März, dem Geburtstag Karl Friedrich Schinkels, findet zudem das traditionelle Schinkel-Fest im Stadttheater Luckenwalde statt. Dort werden die Preisträgerinnen und Preisträger offiziell gewürdigt.
Der Wettbewerb zeigt, wie junge Planerinnen und Planer aktuelle Fragen von Klimaanpassung, Mobilität, Kreislaufwirtschaft und sozialer Mischung auf konkrete Orte übertragen. Luckenwalde wird damit für einige Wochen zum Schaufenster neuer Ideen und zugleich zum Diskussionsraum für die Zukunft kleinerer Städte im Wandel.

Der Städtebau-Entwurf „DAZWISCHENstadt“ formuliert für das Luckenwalder Karree eine Vision der produktiven und zirkulären Stadt, die Bestand, neue Nutzungen und Grünräume strategisch verbindet. Geplant sind unter anderem ein gestärktes Mobilitätszentrum, ein erweiterter Nuthegrünzug sowie neue urbane Impulse durch gemeinschaftliche und produktive Nutzungen. / © Visualisierung: AIV
Quellen: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV)
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Jungs und Mädels , ich bin unglaublich stolz auf euch . Ihr habt das richtig stark gemacht und eine tolle Leistung gezeigt. Man sieht, wie viel Einsatz und Können ihr eingebracht habt – darauf könnt ihr wirklich stolz sein! Genauso sieht starke Teamarbeit aus.
Respekt.