An der Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain könnte in den kommenden Jahren noch ein weiteres Hochhaus entstehen. Der Uber-Arena-Betreiber Anschutz Entertainment Group prüft einen Neubau mit Büroflächen gegenüber dem bestehenden Hochhaus EDGE East Side. Das geplante Gebäude soll rund 120 Meter hoch werden, doch Bezirk und Baukollegium sind skeptisch.

Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain: Wird neben dem 140 Meter hohen „EDGE East Side“ noch ein weiteres Büro-Hochhaus realisiert? Die Anschutz Entertainment Group hat entsprechende Pläne noch einmal öffentlich bekräftigt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT (exemplarische Darstellung, KI-generiert)
An der Warschauer Brücke verdichten sich weitere Hochhaus-Pläne. Neben dem geplanten 167-Meter-Wohnhochhaus an der Rudolfstraße forciert die Anschutz Entertainment Group (AEG) einen weiteren Neubau, gegen Widerstände aus Bezirk und Baukollegium. Auf einer früheren Buswendeschleife könnte das geplante Bürogebäude entstehen.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Ort: Umfeld Warschauer Brücke
- Geplanter Standort: gegenüber dem Hochhaus EDGE East Side
- Fläche: ehemalige Buswendeschleife
- Nutzung: Büroflächen
Nach Angaben der Berliner Morgenpost plant das US-Unternehmen Anschutz für die Zukunft einen Hochhaus-Neubau, der schon im Spätsommer 2025 erstmals öffentlich diskutiert worden war. Der Standort liegt jenseits der Warschauer Brücke, gegenüber dem bestehenden, 140 Meter hohen EDE East Side, das größtenteils vom Unternehmen amazon genutzt wird.
Anschutz habe dem Land Berlin ein Angebot für den Bau eines weiteren Hochhauses gemacht, wie Geschäftsführer Jan Kienappel im Interview offiziell bestätigte.
Hochhaus an der Warschauer Brücke: Anschutz Group prüft 120-Meter-Büro-Neubau „The Hub“
Laut Tagesspiegel trägt das Projekt den Namen „The Hub“ und soll nach Investorenplänen rund 120 Meter hoch werden. Der Fußgängerübergang zwischen U- und S-Bahnhof Warschauer Straße soll in das Gebäude integriert werden. Die Gespräche mit der Stadt liefen demnach noch.
Nach den bisher bekannten Informationen soll der Neubau als Bürogebäude dienen. AEG denkt auch an subventionierte Firmenflächen. Damit würde das Projekt auf die wirtschaftliche Entwicklung im Umfeld von Mediaspree, Uber Arena, East Side Mall und Warschauer Straße zielen.
Das Unternehmen verweist auf die Lage: Der Standort ist mit S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus stark angebunden. Dazu kommt die Nähe zu Gastronomie, Kultur und Ausgehorten rund um die Warschauer Brücke.
Warschauer Brücke: Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lehnt das Hochhaus-Projekt ab
Aus Sicht des Bezirks unterläuft das Hochhausprojekt die bisherigen Planungsgrundlagen, die bezirksseitig erarbeitet wurden. Die Verantwortlichen in Friedrichshain-Kreuzberg betonten bereits Ende 2025, dass für das Gebiet ein städtebauliches Konzept erarbeitet wurde, das gemeinsam mit Senatsverwaltungen, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer entstanden ist.
Ziel sei es gewesen, wohnortnahes produzierendes Gewerbe zu sichern. Auf dieser Grundlage sei ein Entwicklungskonzept für das sogenannte „Rudolfband“ erstellt worden, an dem auch die Öffentlichkeit beteiligt war.
Zudem handele es sich um ein Areal mit hoher denkmalpflegerischer Bedeutung, das ein historisches Ensemble darstellt. Das nun diskutierte Bauvorhaben würde die letzten größeren Gewerbeflächen im Kiez gefährden, die für die Produktion geeignet sind und den Stadtteil seit dem frühen 20. Jahrhundert geprägt haben.
Baukollegium ist mehrheitlich gegen ein weiteres Hochhaus in Friedrichshain
Auch das Berliner Baukollegium reagierte zuletzt im September 2025 zurückhaltend auf das Projekt. Aus seiner Sicht lässt sich die besondere Komplexität des Ortes nicht durch ein einzelnes Hochhaus lösen.
Vielmehr brauche es ein Gesamtkonzept, das die enormen Fußgängerströme und die enge Verzahnung von öffentlichem und privatem Raum berücksichtigt. Für den Standort seien daher flachere Strukturen denkbar, die stärker in den Kiez eingebunden sind.

In der Nähe der Warschauer Brücke soll dieses Hochhaus in der Rudolfstraße gebaut werden. Bis zu 1.000 Wohnungen sollen in dem Ensemble realisiert werden. / © Visualisierung: Henning Larsen Architekten
Weitere Hochhaus-Pläne an der Rudolfstraße und auf dem RAW-Gelände
Unabhängig davon läuft in direkter Nähe ein weiteres Hochhaus-Projekt an, das den Segen des Baukollegiums hat. An der Rudolfstraße 18 plant die Atrium Development Group ein neues Quartier mit rund 104.200 Quadratmetern Gesamtgeschossfläche. Davon sollen etwa 88.750 Quadratmeter auf Wohnen entfallen. Im Zentrum steht ein rund 167 Meter hohes Wohnhochhaus mit etwa 52 Etagen. Ergänzend sind weitere Bauteile, ein Sockelbau und ein Stadtplatz vorgesehen.
Auf dem RAW-Gelände plante die Kurth Immobilien GmbH ein weiteres Hochhaus mit rund 100 Metern Höhe. Das Areal zwischen Revaler Straße und Bahntrasse umfasst rund 50.000 Quadratmeter. Geplant waren Büros, Gewerbe sowie soziokulturelle und gemeinwohlorientierte Nutzungen. Das Bebauungsplanverfahren ruht laut Bezirksamt seit Juni 2024, weil der Vorhabenträger seine Bereitschaft zur gemeinsamen Erarbeitung zurückgezogen habe. Ob und wann das Hochhaus entsteht, ist offen.
140-Meter-Hochhaus EDGE East Side ist seit 2023 fertig
Das EDGE East Side, auch „Amazon-Tower“ genannt, ist bereits fertig. Der Bau begann 2019, 2023 wurde das Gebäude fertiggestellt, im März 2025 zogen erste Mieter ein. Das Hochhaus ist gut 140 Meter hoch, hat 36 Stockwerke und rund 65.000 Quadratmeter Nutzfläche, fast vollständig für Büros.
Mit dem EDGE East Side, dem geplanten Wohnhochhaus an der Rudolfstraße und den neuen AEG-Plänen rückt die Warschauer Brücke weiter in den Fokus der Berliner Hochhaus-Debatte. Noch steht der mögliche AEG-Neubau am Anfang und hat offenbar noch Gegenwind aus dem Bezirk sowie dem Berliner Baukollegium.
Das Unternehmen hat mit den nun bekräftigten Hochhaus-Planungen aber verdeutlich, dass das Projekt keineswegs vom Tisch ist. An der Warschauer Straße könnten in den kommenden Jahren also weitere großformatige Hochhausprojekte in die Umsetzung gehen.
Quellen: Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Anschutz Entertainment Group
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4 Kommentare
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Fände es gut wenn an Plätzen wie der Warschauer Brücke hoch gebaut wird, anstatt überall. Daher stimme ich für all diese Projekte.
Vom Alex bis zur Rummelsburger Bucht kann gern alles bis in den Himmel ragen, aber gerade an Flecken wie dem RAW-Gelände sollte solange es geht Kunst, Party und Pöbel haussieren. Wenn die letzten solcher für Berlin einst typischen Orte durch Bürobauten und Hochhauswohnungen (Tacheles in Mitte) verschwinden, wird unsere Stadt deutlich an Attraktivität verlieren. Den 90er Hype mit Clubs, Bars und Brachflächen überall werden wir wohl (ohne Krieg und Zerstörung) eher kein 2. Mal erleben. Die Zeit der günstigen WG-Zimmer für die jungen Menschen ist wahrscheinlich ebenfalls endgültig vorbei.
Spannend auch die Frage, wie und ob in Hochhäusern sozialer Wohnungsbau realisiert werden soll/kann. Sind denn bspw. 25€ Kaltmiete sozial, nur weil der Rest 35€ je Quadratmeter kostet? Wie sich Kieze dann verändern, sieht man ja bestens am Potsdamer Platz.
Hochhäuser passen zu Berlin, aber bitte nicht verstreut als Einzelobjekte (und schon gar nicht in der historischen Mitte), sondern eher im Cluster, um jetzt Mediaspree und Alexanderplatz, so hat man ein optisch und ästhetisch passendes Areal, wie in Downtown Los Angeles (es gibt nur Hochhäuser dort) und La Defense in Paris.
Ist das Projekt nicht schon einmal sang und klanglos beim Baukollegium gescheitert? Vielleicht klappt es ja besser beim zweiten Versuch, was sehr zu wünschen wäre. Ich fände es gut, wenn dieses Projekt hier auch noch realisiert werden könnte, aber Herr Schmidt und der rot, rot grüne Pöbel wird das ab September diesen Jahres schon zu verhindern wissen. Die ganze Gegend kann durchaus eine Aufwertung durch weitere Hochhäuser gebrauchen, ob dadurch das RAW-Gelände beeinträchtigt wird? Na ja, diesen Mob dort braucht eigentlich auch niemand, Clubs und Partyräume für die Jüngeren werden auch an anderer Stelle wieder entstehen.