„Sanieren statt Abreißen“ gilt als wichtiger Trend für Ressourcenschonung, Klimaschutz und den Erhalt städtischer Identität. Die Initiative Stadtbild Deutschland e. V. kritisiert jedoch, dass in Frankfurt historische Altbauten oft übersehen werden, während der Schutz von Nachkriegsbauten im Fokus stehe.

Juridicum Frankfurt

Das Juridicum in Frankfurt steht vor einem Wendepunkt: Erhalt mit neuer Nutzung oder Abriss zugunsten eines modernen Neubaus? Architekten, Stadtverwaltung und Bürgerinitiative diskutieren kontrovers über die ökologisch, ökonomisch und städtebaulich beste Lösung. / © Foto: Wikimedia Commons, 25asd, CC0

© Titelbild: Stadtbild Deutschland e. V.

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„Sanieren statt Abreißen“ hat sich in der Baubranche in den letzten Jahren zu einem deutlichen Trend entwickelt, weil es über den bloßen Erhalt von Gebäuden hinausgeht und zugleich einen aktiven Beitrag zu Ressourcenschonung und den Klimazielen im Bausektor leistet. Jeder Abriss erzeugt nicht nur erheblichen Materialaufwand und zusätzliche CO₂-Emissionen, sondern führt auch zu einem Verlust an städtischer Identität, da historische Gebäude wesentliche Träger des kulturellen Gedächtnisses darstellen.

Vor diesem Hintergrund rückt die Pflege und Sanierung bestehender Bausubstanz verstärkt in den Fokus, da sie eine Verbindung zwischen nachhaltiger Stadtentwicklung, Klimaschutz und dem Schutz kultureller Werte herstellt und langfristig sowohl ökologische als auch gesellschaftliche Vorteile sichert.

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Sanieren ja, aber nur Nachkriegsbauten? Bürgerinitiative warnt vor einseitiger Rettungspolitik in Frankfurts Architektur

Der Verein Stadtbild Deutschland e. V., der sich für den Schutz städtischer Architektur und historischer Bauwerke engagiert, kritisiert, dass sich die öffentliche Debatte um „Sanieren oder Abreißen“ in Frankfurt häufig zu stark auf die Architektur der Nachkriegsmoderne verengt. Während Denkmalschützende und Architektinnen und Architekten sich intensiv um den Erhalt teils maroder Betonbauten kümmern würden, gerieten historische Altbauten oftmals unbemerkt unter die Abrissbirne, ohne dass Proteste oder öffentliche Diskussionen die Vorgänge begleiten.

Die Rettung von Nachkriegsbauten wie dem ehemaligen Bundesrechnungshof, dem Haupthaus der Bundesbank, Teilen des ehemaligen Deutsche-Bank-Gebäudes, dem Lorey-Gebäude oder dem Juridicum der Goethe-Universität zeige, dass erhebliche Mittel und kreativer Einsatz investiert werden, um moderne Bauwerke vor dem Abbruch zu bewahren.

Abriss statt Erhalt: Stadtbild Deutschland e.V. fordert konsequente Berücksichtigung aller historischen Gebäude

Gleichzeitig verdeutliche die Praxis, dass ältere, historisch wertvolle Gebäude häufig keine vergleichbare Lobby besitzen und in der öffentlichen Wahrnehmung unterrepräsentiert bleiben. Laut Stadtbild Deutschland werde die Problematik beim historischen Bestand besonders deutlich am Abriss denkmalgeschützter Gebäude wie dem Gebäude in der Allerheiligenstraße 22, dessen klassizistische Fassade unwiederbringlich verloren gegangen ist.

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Der Projektentwickler René Reif hat ebenfalls bedauert, dass es nicht gelungen sei, das Gebäude von 1860 wie geplant zu retten, und erklärt, man habe mit dem Denkmalamt alles versucht, doch am Ende sei es aus statischen Gründen nicht möglich gewesen.

Glaubwürdigkeitsproblem? Kritik an ungleicher Aufmerksamkeit beim Erhalt historischer Gebäude

Auch bei geplanten Abrissen des Bethmannhofs, der Matthäuskirche oder des Gründerzeitbaus in der Kaiserstraße gab es zwar Stimmen gegen den Abriss, doch ein lauter Protest von Architekturverbänden und Denkmalschutzvertretenden blieb laut Stadtbild Deutschland aus.

Daraus ergebe sich ein Glaubwürdigkeitsproblem, da der Anspruch einer klimaschonenden und nachhaltigen Baukultur nur dann Bestand habe, wenn er auf alle städtischen Bauten angewendet wird und nicht ausschließlich moderne Strukturen schützt.

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Abrisswelle oder Stadterhalt: Wie Frankfurt mehr historische Bausubstanz sichern könnte

Der Verein Stadtbild Deutschland weist darauf hin, dass die Abrisswelle Kultur- und Identitätswerte der Stadt gefährdet und die Verwaltung in der Pflicht sei, den Erhalt historischer Gebäude bei Investoren konsequent einzufordern. Nur wenn die öffentliche Hand klare Vorgaben macht und die historische Bausubstanz anerkennt, lasse sich Neubau, Klimaschutz und Stadterhalt in Einklang bringen.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit Frankfurt die Forderungen umsetzt und die Sanierung historischer Bauten überzeugend mit moderner Stadtentwicklung und Klimaschutz verbindet.

Juridicum

Quellen: Stadtbild Deutschland e.V., Deutsche Umwelthilfe e.V., Das Baudenkmal, Frankfurter Rundschau, Top Magazin Frankfurt

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2 Kommentare

  1. Grizzwel 11. März 2026 at 11:05 - Reply

    Es wäre wichtig und richtig, die Bausubstanz von den Altbauten aus der Zeit um die Jahrhundertwende bzw. generell Bauten die vor dem 2. Weltkrieg errichtet wurden konsequent zu schützen und zu sanieren. Die ganzen hässlichen Nachkriegsbauten kann man gut und gerne abreißen, diese Gebäude tun nichts für das Stadtbild. Kein Normalbürger versteht warum da so viel Gewäsch um den Erhalt dieser maroden Zweckbauten gemacht wird. Abreißen und was neues hin. Leider ist die aktuelle Architektur, aber auch oft von reiner Renditeoptimierung getrieben, da sollte es mehr vorgaben geben, damit das Stadtbild postiv geprägt werden kann.

  2. Philipp 11. März 2026 at 11:37 - Reply

    Echte Altbauten aus der Gründerzeit: GERNE
    Die Schrottarchitektur aus der Nachkriegszeit? Soll das ein Witz sein? Abreißen!

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