Nach Jahren der Debatten und gerichtlicher Auseinandersetzungen steht der Zeitplan fest: Ab März 2026 soll das ehemalige SEZ an der Landsberger Allee in Berlin zurückgebaut werden, um neuen Wohnraum zu schaffen. Vier ikonische Stahlstützen sollen als sichtbares Erinnerungszeichen auf dem künftigen Wohn- und Schulcampus erhalten bleiben.

Bebautes SEZ-Areal

Nach den Entwürfen des Büros Stefan Forster könnte sich das künftige SEZ-Areal so aus Richtung Volkspark Friedrichshain als neues Wohnquartier zeigen. Die Gebäude sollen in serieller und modularer Bauweise errichtet werden und rund 680 Wohnungen für etwa 1.500 Menschen bieten. Vier ikonische Stahstützen sollen auf dem Gelände installiert werden. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH

© Visualisierung Titelbild: Stefan Forster GmbH

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Nach jahrelangen politischen, juristischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen steht nun ein konkreter Zeitpunkt fest: Der Abriss des einstigen Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee in Berlin-Friedrichshain soll im März 2026 beginnen, wie Der Tagesspiegel berichtet.

Damit rückt das Ende einer der markantesten Freizeitarchitekturen der DDR-Zeit sichtbar näher; und zugleich der Startschuss für ein neues, groß angelegtes Wohnquartier am populären Volkspark Friedrichshain. Ein Teil des Gebäudes soll allerdings nicht abgerissen werden.

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SEZ in Friedrichshain: Abriss soll im März 2026 beginnen

Das SEZ war über Jahrzehnte ein zentraler Ort für Sport, Freizeit und Erholung in Ost-Berlin. Seit den frühen 2000er-Jahren jedoch stand das Gebäude zunehmend leer, verfiel baulich und wurde zum Gegenstand erbitterter Debatten.

Initiativen, Architektinnen und Stadtforscher forderten immer wieder den Erhalt und eine Umnutzung des Bestands. Das Land Berlin und der Bezirk hingegen hielten an Abriss und Neubebauung fest, auch mit Verweis auf den hohen Wohnraumbedarf in zentraler Lage.

SEZ-Areal: WBM will bis zu 680 neue Wohnungen und eine Schule errichten

Mit dem nun angekündigten Beginn der Rückbauarbeiten wird diese Entscheidung unumkehrbar. Parallel dazu liegen inzwischen konkrete Vorstellungen für die künftige Entwicklung des Areals vor. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM hatte im Dezember eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen, die deutlich größere Potenziale ausweist als ursprünglich angenommen.

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Demnach könnten auf dem Gelände künftig bis zu 680 Wohnungen entstehen, rund ein Viertel mehr als bislang geplant. Etwa die Hälfte davon soll als geförderter Wohnraum realisiert werden. Vorgesehen ist ein gemischt genutztes Quartier mit aktiven Erdgeschosszonen entlang der Landsberger Allee.

Die neuen Wohnungen am Volkspark Friedrichshain sollen in serieller Bauweise entstehen

Neben Wohnungen sollen hier Gewerbe-, Dienstleistungs- und Sportangebote Platz finden. Die Wohngebäude selbst sind überwiegend in serieller oder modularer Bauweise geplant, um Bauzeiten zu verkürzen und Kosten zu senken.

Im Inneren des Quartiers soll ein weitgehend autofreier, parkähnlicher Freiraum entstehen, ergänzt durch Sportflächen und einen Historien-Parcours, der an die Geschichte des SEZ erinnern soll. Einzelne prägende Bauteile des Bestands sollen dabei sichtbar integriert werden.

SEZ-Gebäude: Vier Stahlstützen sollen auf dem Gelände erhalten bleiben

Zur Erinnerung an das ikonische Bauwerk aus den 1980er Jahren sollen vier Stahlstützen zum Volkspark hin erhalten bleiben. Ergänzend zu den neuen Wohnungen ist auch der Bau einer Schule vorgesehen, deren Umsetzung ab Ende 2026 starten soll.

Sie soll frühzeitig soziale Infrastruktur in das neue Quartier bringen. Trotz anhaltender Kritik von Fachleuten, die auf den kulturellen und klimapolitischen Wert des Bestands verweisen, treibt das Land Berlin die Entwicklung nun konsequent voran.

© Visualisierung: Stefan Forster GmbH

Bebautes SEZ Areal an der Landsberger Allee

© Visualisierung: Stefan Forster GmbH

 

Quellen: WBM, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stefan Forster GmbH, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Wikipedia, Berliner Morgenpost, Taz, Architektenkammer Berlin

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12 Kommentare

  1. Böhme 8. Februar 2026 at 15:16 - Reply

    Endlich! Das Theater um das SEZ ist symptomatisch für die „Stillstandsrepublik“ Deutschland.

    • Schulz 8. Februar 2026 at 20:59 - Reply

      Das SEZ scheitert nicht an Bürokratie oder Reformunwillen, sondern an politischer (fragwürdiger) Prioritätensetzung und Investorenlogik. Komplexe urbane Interessenkonflikte als „Stillstand“ abzutun, ist intellektuell bequem, aber falsch. Schneller Abriss ist kein Qualitätsmerkmal guter Politik, insbesondere wenn solide Nutzungskonzepte und Sanierungsoptionen vorliegen.

      • Matze Icke 9. Februar 2026 at 22:35 - Reply

        Wieder eine gesichts- und identitätslose Wohnanlage mehr. Da wird die Stadt wieder ein Stück anonymer, seelenloser bis irgendwann keiner hier mehr wohnen will.

    • Schulz 8. Februar 2026 at 21:58 - Reply

      Das SEZ scheitert nicht an Bürokratie oder Reformunwillen, sondern an politischer Prioritätensetzung und Investorenlogik. Komplexe urbane Interessenkonflikte als „Stillstand“ abzutun, ist intellektuell bequem, aber falsch. Schneller Abriss ist kein Qualitätsmerkmal guter Politik, vor allem wenn solide Nutzungskonzepte und Sanierungsoptionen vorliegen.

    • Liliane Trautmann 10. Februar 2026 at 21:09 - Reply

      Das Freibad in Lichtenberg gibt es nicht mehr und jetzt wird das SEZ – Sport-und Spielstätte auch plattgemacht. Warum sollen Kinder und Jugendliche im Sommer schwimmen gehen und im Winter Schlittschuh laufen ? Die haben doch ihr Handy !

  2. Schulz 8. Februar 2026 at 21:37 - Reply

    Das SEZ scheitert nicht an Bürokratie oder Reformunwillen, sondern an politischer Prioritätensetzung und Investorenlogik. Komplexe urbane Interessenkonflikte als „Stillstand“ abzutun, ist intellektuell bequem, aber falsch. Schneller Abriss ist kein Qualitätsmerkmal guter Politik, vor alle
    wenn solide Nutzungskonzepte und Sanierungsoptionen vorliegen.

    • Rohannes 9. Februar 2026 at 22:23 - Reply

      Wo sind die „soliden Nutzungskonzepte“? Was bisher bekannt ist sind nur Wunschträume der Initiativen die aus dem Bauch heraus behaupten, Sanierung und Weiterbetrieb seien problemlos möglich. Keine Machbarkeitsstudie, kein Architektenentwurf mit Kostenschätzung, gar nichts. Wenn Geld kein Problem ist, ist irgendwie alles möglich.

      Geld ist aber ein Problem. Das SEZ ist deshalb schon vor 20 Jahren gescheitert. Seitdem gabs nur Yoga, Badminton, Tischtennis und einen Klub im Keller. Als Konsequenz wurde vor acht Jahren ein Bebauungsplan mit Schwerpunkt auf Wohnungen demokratisch von der damaligen linken Bausenatorin verabschiedet. Alles andere als ein „schneller Abriss“.

      Die „komplexen Interessenkonflikte“ sind daher gar nicht so komplex. Der Konflikt besteht zwischen den Ansässigen, die keine Veränderung wollen und denjenigen die Wohnungen brauchen. Im Mantel der öko-sozialen Gerechtigkeit werden immer halbwegs plausible Gründe gegen konkrete Wohnprojekte gefunden. Hier müssen der Sport, die Schwimmbadnot, und Ost-Befindlichkeiten herhalten. Diese Dinge werden wie eine Monstranz vor sich hergetragen damit sich die Leute nicht ehrlich machen müssen. Denn eigentlich wollen diese Leute die Wohnungsnot nicht lösen. Bestenfalls meinen sie nur „bitte woanders“, was überall gesagt wird. Schlimmstenfalls meinen sie „Ich hab meins. Alle anderen sollen sich verziehen!“

  3. Xenia Brühl 9. Februar 2026 at 20:32 - Reply

    Ich finde das skandalös! Berlin lernt nicht aus eigenen en Masse bereits gemachten Fehlern!

    Inzwischen wird der Abriss des Palasts der Republik hinterfragt – und man ist sich sicher, dass man heute hinsichtlich seinem Erhalt eine andere Entscheidung als einen Komplettabriss getroffen hätte.

    Beim SEZ wird aber genau dieser Komplettabriss jetzt trotzdem vollzogen. Der wenige „Quatsch“, der vom SEZ auf der Grünfläche hinter den Wohnhäusern erhalten bleiben soll, ist ein Witz – und wird irgendwann mit Sicherheit dann auch noch verschwinden.

    Ganz nebenbei kann dieser „Quatsch“ nicht einmal ansatzweise jene Energie erzeugen, die das Gesamtbauwerk SEZ für sich immer hatte.

    In 20 Jahren wird es auch beim SEZ mit Sicherheit Gedanken geben, dass man dieses Gebäude nicht hätte abreißen dürfen. Aber dann ist es hinsichtlich dem SEZ genauso zu spät wie wenn heute sich noch immer insbesondere Ostdeutsche nicht mit dem Humboldt-Forum anfreunden oder identifizieren können.

    A propos: Möchte nicht Berlin jetzt auch auf Olympia machen? Warum wird dann das SEZ nicht zu einer Olympia-Kaderschmiede oder für Olympia nutzbare Räumlichkeiten ausgebaut? Da wird schlichtweg null nachgedacht – und, einfach abgerissen.

    Note sechs!

    • Rohannes 9. Februar 2026 at 22:33 - Reply

      Bei aller Liebe: das Spaß- und Sportbad SEZ hatte nie die Bedeutung des Palastes der Republik.
      Hat man wirklich nicht besseres zu tun als die beschränkten Mittel an der Ruine zu verbrennen? Nostalgie alleine ist kein Grund. Vor allem wenn die Wohnungskrise immer schlimmer wird.
      Und Olympia wird zum Glück auch nicht nach Berlin kommen. Dafür werden die Wähler bei der Abstimmung sorgen.

  4. Jörg Manthey 9. Februar 2026 at 22:55 - Reply

    Ist als nächstes der Fernsehturm zum Abriss dran ? DDR – Geschichte soll begraben werden , warum wird eigentlich mehr Abgerissen , als gebaut und warum dauern Baupläne länger wie Abrisspläne ? – Deutschland war – und ist Komisch , Berlin ist aber schon ein Witz , sollte Witzenhausen heißen und die Eingeborenen Schildbürger!

  5. Sven Apitzsch 10. Februar 2026 at 08:31 - Reply

    Oh wow, das SEZ hatte nie die Bedeutung des Palastes? Ich bin mit dem SEZ aufgewachsen, WARUM der Senat knallhart und GNADENLOS an dem Abriss festgehalten hat, ist für mich nix ht nachzuvollziehen!! Ich kriege einen Klos im Hals, wenn ich dieses Modell sehe!! Und, dann noch eine Schule?? Wieviele neue Schulen sollen denn noch gebaut werden, zum Geier noch eins!!??? Warum wurde nicht ein Konzept erarbeitet für eine totale Sanierung?? Ich verstehe es einfach nicht!! Kann es auch sein, daß es was damit zu tun hat, das es auch ein Stück ehemalige DDR ist?? Der Abriss des Palastes war auch ein Politikum, aber, sowas von!! Der musste weg weil es ein DDR Bau war!!
    Wenn ich daran denke, wie oft ich im SEZ war in meiner Jugend, dann könnte ich heulen, das das abgerissen wird!!

  6. PBergMatze 10. Februar 2026 at 08:50 - Reply

    2003 hat sich das Land Berlin entschieden, dass SEZ für einen symbolischen Euro zu verkaufen, weil kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für den Betrieb vorlag. Warum hat sich die letzten über 20 Jahre die Berliner Bevölkerung für dieses Gebäude und die mögliche Wiederbelebung weder interessiert noch engagiert? Die Chance für ein lebendiges SEZ war lange greifbar nah.

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