Berlin will seine Kleingärten schützen und zugleich neue Wohnungen bauen. Der ENTWICKLUNGSSTADT-Überblick zeigt, wo Abriss, Wohnungsbau und Grünflächenschutz bereits kollidieren oder neue Konflikte drohen.
Hiltrudstraße in Biesdorf
„Am Stadtpark I“ in Wilmersdorf
Klüsserather Weg in Marzahn
„Gartenbau Nordend“ in Niederschönhausen
Wilhelmsruher Damm in Reinickendorf
© Titelbild: Wikimedia Commons, Sciencia58, CC BY-SA 4.0
Zwischen Lauben, Obstbäumen und schmalen Gartenwegen entscheidet Berlin über einige seiner schwierigsten Bauflächen. Manche Kleingärten sind bereits verschwunden. An anderen Standorten ringen Bezirke, landeseigene Unternehmen, private Eigentümer und Pächter noch um Schutz, Abriss und neue Wohnungen.
Berlin besitzt eine Kleingartenlandschaft, die in dieser Größe für eine europäische Metropole ungewöhnlich ist. Die Senatsverwaltung zählt rund 71.000 Kleingärten. Sie dienen nicht nur der privaten Erholung, sondern gehören zum Freiraumverbund, wirken als Grünräume in dicht bebauten Quartieren und prägen zahlreiche Stadtteile. Der Kleingartenentwicklungsplan Berlin 2030 soll die Anlagen nach Eigentum, Schutzstatus und möglicher künftiger Nutzung ordnen.
Kleingärten in Berlin sollen besser geschützt werden
Seit Februar 2026 gilt zudem ein neues Kleingartenflächensicherungsgesetz. Es betrifft gut 56.000 Kleingärten auf landeseigenen Flächen. Eine Umwidmung ist dort nur unter engen Bedingungen möglich. In der Regel muss das Abgeordnetenhaus zustimmen, und für aufgegebene Anlagen sollen vergleichbare Ersatzflächen angeboten werden.
ENTWICKLUNGSSTADT zeigt fünf Projekte, bei denen Wohnungsbau und Kleingartenanlagen miteinander kollidieren.
1. Hiltrudstraße in Biesdorf: Aus Kleingärten sollen 270 Wohnungen werden
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Adresse: Hiltrudstraße nahe Blumberger Damm und Cecilienstraße
- Wohnungen: Rund 270
- Stand: Kleingartenanlage bereits aufgegeben
An der Hiltrudstraße zeigt sich, wie grundlegend sich Planungsziele ändern können. Als das Bebauungsplanverfahren 2016 begann, wollte der Bezirk die damalige Kleingartenanlage zunächst sichern. Später rückte der Wohnungsbau in den Mittelpunkt. Das Bezirksamt änderte die Ziele im Oktober 2023 und strebt seitdem ein mehrgeschossiges Quartier mit rund 270 Wohnungen an. Die frühere Kleingartenanlage existiert nicht mehr.
Noch Anfang 2022 lag ein positiver Bauvorbescheid für lediglich fünf Einfamilienhäuser vor. Nach einem Eigentümerwechsel Ende 2023 entwickelte sich daraus die deutlich dichtere Planung. Vorgesehen sind überwiegend drei Vollgeschosse sowie vier Vollgeschosse im südlichen Bereich. Staffelgeschosse sollen hinzukommen. Entlang des Blumberger Damms soll eine geschlossene Bebauung zugleich den Verkehrslärm abschirmen.
2. „Am Stadtpark I“ in Wilmersdorf: Berlinovo plant 282 Apartments
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Kleingartenanlage Am Stadtpark I nahe der Hochschule für Wirtschaft und Recht
- Wohnungen: 282
- Stand: Bauantrag eingereicht
In Wilmersdorf will die landeseigene Berlinovo ein achtgeschossiges Gebäude errichten. Geplant sind 282 Apartments für Studierende sowie 20 Wohnungen für Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler. Zusätzlich soll eine Kita mit rund 50 Plätzen entstehen. Die Nähe zur Hochschule für Wirtschaft und Recht gehört zu den zentralen Argumenten für den Standort.
Für das Vorhaben sollen Teile der Kleingartenanlage Am Stadtpark I bebaut werden. Die 13 betroffenen Kleingarten-Parzellen wurden bereits 2023 geräumt. Danach nutzte der Verein Haus der Nachbarschafft die Fläche zwei Jahre lang als „Klimainsel Wilmersdorf“. Dort fanden Bildungsangebote, Feste und Workshops statt. Der Zwischennutzungsvertrag endete am 30. September 2025.
Berlinovo hat inzwischen einen Bauantrag eingereicht. Das Grundstück gilt seit längerer Zeit als Bauland. Deshalb sieht der Bezirk kaum Spielraum für eine dauerhafte Sicherung als Grünfläche. Naturschutzverbände verweisen dagegen auf den alten Obstbaum- und Heckenbestand sowie auf die Kühlwirkung der Fläche. Einen bestätigten Termin für den Abriss der verbliebenen Strukturen oder den Baustart gibt es bisher nicht.
3. Klüsserather Weg in Marzahn: Parzellen weg, Genehmigungen fehlen

Kleingartenanlage am Klüsserather Weg: Die Bauanträge für 144 Wohnungen werden noch geprüft. / © Foto: Wikimedia Commons, Angela M. Arnold (=44penguins), CC BY-SA 3.0
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Adresse: Klüsserather Weg
- Wohnungen: 144
- Stand: Bauanträge für drei Baufelder werden geprüft
Am Klüsserather Weg in Marzahn ist der Abriss der Kleingärten bereits erfolgt. Auf dem Gelände sollen 144 Wohnungen in insgesamt 28 Gebäuden entstehen. Der private Eigentümer teilt das Vorhaben in drei Baufelder. Das erste umfasst sechs Gebäude und 32 Wohnungen, darunter spezielle Wohnformen für Studierende. Im zweiten Abschnitt sind 16 Gebäude mit 62 Wohnungen geplant. Sechs weitere Gebäude mit 50 Wohnungen bilden den dritten Abschnitt.
Für alle drei Baufelder liegen seit dem 13. Juni 2025 Bauanträge vor. Die Verfahren laufen noch. Die Fläche war früher Eigentum der Deutschen Bahn und ging anschließend an einen privaten Investor. Da der Flächennutzungsplan dort bereits Wohnbauflächen und gemischte Bauflächen ausweist, ist keine Änderung des Plans erforderlich.
Für die früheren Kleingärten entstehen weder Ersatzparzellen noch eine neue Anlage. Auch deshalb gehört das Projekt zu den besonders kontroversen Fällen. Ein verbindlicher Baustart ist nicht veröffentlicht.
4. „Gartenbau Nordend“ in Niederschönhausen: Bezirk um Rettung bemüht
- Bezirk: Pankow
- Adresse: Östlich der Dietzgenstraße in Niederschönhausen
- Wohnungen: nicht öffentlich
- Stand: Mögliche Bebauung; Bezirk prüft planungsrechtliche Sicherung
Die Kleingartenanlage „Gartenbau Nordend“ steht nach der Kündigung des Pachtvertrags vor einer unklaren Zukunft. Sie umfasst rund 2,6 Hektar mit 50 Parzellen und gehört einer privaten Immobiliengesellschaft. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als Bauland dargestellt. Eine Bebauung wäre daher grundsätzlich möglich. Konkrete Baupläne wurden jedoch nicht veröffentlicht.
Die Bezirksverordnetenversammlung fordert, die Anlage als Dauerkleingartenanlage zu sichern. Dafür müsste Pankow einen Bebauungsplan aufstellen. Zusätzlich könnte eine Veränderungssperre kurzfristig verhindern, dass während des Verfahrens Baurecht geschaffen oder genutzt wird. Der Ausgang bleibt dennoch offen, weil Planverfahren mehrere Jahre dauern können.
5. Wilhelmsruher Damm: 18 Kleingärten sollen 190 Wohnungen weichen

Im Märkischen Viertel sollen 18 Kleingärten sechs Wohnhäusern mit rund 190 Wohnungen Platz machen. / © Foto: depositphotos.com
- Bezirk: Reinickendorf
- Adresse: Wilhelmsruher Damm 82 im Märkischen Viertel
- Wohnungen: Rund 190
- Stand: Vorbereitung der Baufläche
Im Märkischen Viertel plant die landeseigene GESOBAU rund 190 Wohnungen auf einem Teil einer bestehenden Kleingartenanlage. Für sechs Wohngebäude sollen 18 Parzellen weichen. Der größere Teil der Anlage mit etwa 72 Gärten soll erhalten bleiben. Allerdings muss die Erschließung neu geordnet werden, weil auch der bisherige Parkplatz und die zentrale Zufahrt betroffen sind. Die Pächterinnen und Pächter der betroffenen Parzellen sollten die Flächen bis zum Frühjahr 2026 räumen. Als Baustart nennt die Planung 2027.
Anders als in Nordend handelt es sich hier um landeseigenes Umfeld und ein Vorhaben eines kommunalen Wohnungsunternehmens. Die Planung entstand jedoch bereits vor dem Inkrafttreten des neuen Kleingartengesetzes. Der Fall zeigt, dass auch landeseigene Anlagen nicht absolut geschützt sind, wenn Berlin den Wohnungsbau als überwiegendes öffentliches Interesse einstuft und nur einen Teil der Anlage beansprucht.
Warum der Streit um Kleingärten in Berlin weitergeht
Die fünf Standorte unterscheiden sich deutlich. Und haben doch eins gemeinsam: Das Kleingartenflächensicherungsgesetz verschiebt in Berlin die Regeln, beendet die Konflikte aber nicht. Es stärkt landeseigene Anlagen, lässt jedoch Ausnahmen für öffentliche Aufgaben zu.
Private Flächen schützt es nicht. Deshalb wird Berlin auch künftig nicht nur über die Zahl neuer Wohnungen streiten, sondern darüber, welche Flächen die Stadt dafür einsetzen darf.
Quellen: Kleingartenentwicklungsplan Berlin 2030, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Kleingartenflächensicherungsgesetz des Landes Berlin, GESOBAU, Berlinovo
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12 Kommentare
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Ganz einfach, man macht Kleingärten platt, baut Wohnungen, wundert sich aber bei Hitze, dass kein Lüftchen weht. Dann macht man Platzplätze platt und erschafft grüne Oasen, direkt neben einem Park, wer braucht sie nicht?
Ein 150m breiter Kleingartenstreifen einmal um ganz Berlin rum. Das sind dann drei Spangen mit Gärten und zwei Zufahrtswegen. Im Gegenzug gehen die Kleingärten raus aus der Stadt, bis auf die, die sowieso schon so liegen, dass sie nie Druck bekommen werden.
Das ist ja eine geniale Idee. Warum ist da noch keiner drauf gekommen
Ach so, wir sprechen hier über Brandenburg, bereits bebaute Flächen, Privateigentum , Zustimmung und bla bla bla
Was fixiert Ihr Euch alle mit hausgemachten Problemen auf diese nicht mehr zu erkennende Stadt?
Kommt in die Lausitz
Hier findet Ihr viel Raum, „Sein“ betonte Lebensqualität für wenig Geld
Würde man die Kleingartenanlagen zu Wohnbauland umwidmen und den Kleingärtner erlauben ihre Lauben zu Wohnzwecken umzubauen, wäre dies die ideale Lösung. Die Kleingartenanlage behält seine ökologische Funktion, niemand wird vertrieben und Wohnungen werden auch frei, da deren Bewohner in ihr neues Zuhause mit Garten umziehen.
So war dies bei uns in der Anlage, notwendig war ein Versetzen der Zäune in Eigenleistung, damit die Wege breiter werden und wir haben gemeinsam den Anschluss an das Abwassernetz gestemmt, Kosten insgesamt für jede Parzelle 3.000,- Euro, durchaus finanzierbar.
Super Idee.
Gruss aus KGS Wilhemstrand
Für dieses gesellschaftspolitische Modell gibt es ja bereits Mustersiedlungen
Am Rande von Caracas, Sao Paulo und Rio de. Janeiro
Der Erhalt von Gärten und Grünflächen, ist wichtiger denn je. Die Versiegelung der Böden bringt Gefahr für Natur und Umwelt.
Es ist an der Zeit, hier sinnlosen Wohnungbau zu stoppen um ein Stadtklima mit Freiraum und Erholgung zu schaffen. Keine weiteren Wohnungen auf ehemalige Grünflächen. Nehmt dafür ungenutzte Gewerbeflächen.
Zumindest zu den Gärten am Wilhelmsruher Damm weiß ich, dass an der nahen Quickborner Straße Ersatz geschaffen wird, wo früher die Sporthalle stand. Die Inhaber der zu räuemden Gärten haben alle Ersatz angeboten bekommen! Sinn des ganzen Umzugs hier war, das die alte Fläche schon beim Bau des Märkischen Viertels ein Kanalisationsanschluss usw bekommen hat, damit später Wohnhäuser darauf genau werden können, was am neuen Platz fehlt und teuer und aufwändig nachgebaut werden müsste.
Zu allererst sollte das Tempelhofer Feld am Rand bebaut werden. Das ergibt jede Menge Wohnungen.
Zweitens, gebt den Laubenpiepern Wohnrecht auf ihren Parzellen und schafft die unsäglichen 24qm ab.
Gerne würde man dann auch eine Pachterhöhung in Kauf nehmen und es werden Bestandswohnungen frei
Lieber öffentliche Parks als Kleingärten. Was hat die Allgemeinheit davon, dass ein paar ausgewählte einen subventionierten Kleingarten haben, alle anderen aber auf Wartelisten für Wohnungen oder Kleingartenanlagen verhungern.
Bitte die Kleingärten erhalten und lasst den Menschen die Gärten als Wohnraum nutzen. Bezahlbare Wohnraum ist in Berlin unerschwinglich geworden.
Berlin braucht keine neuen Wohnungen solange nicht erstmal an der Infrastruktur gearbeitet wird . Die Stadt platzt aus allen Nähten es wird alles bebaut was bebaut werden kann . Anstatt neue Schulen, Kitas und an der Infrastruktur zu arbeiten wird weiter gebaut . Auch politisch läuft es nicht richtig denn es werden meist nur Sozialbau und Eigentum erschaffen. Es werden kaum Wohnungen für die Mittelklasse der Gesellschaft geschaffen die sich hier den Arsch für dieses Land aufreissen. Ganz einfach gelöst Sozialsystem ändern den Geldhahn abdrehen für Menschen die unser Sozialsystem missbrauchen und schon gibt es genug Wohnraum für alle . Industriell geht es bergab so das Firmen pleite gehen oder in andere Länder ziehen um zu überleben. Das heißt im Klartext wir brauchen keine Sozialbauwohnungen punkt . Die Kolonien sollten geschützt werden damit noch etwas grün erhalten bleibt .