Soll der Große Bunker der ehemaligen Neuen Reichskanzlei einem Neubau weichen oder als historischer Erinnerungsort erhalten bleiben? Der Berliner Unterwelten e.V. präsentiert nun erstmals ein Konzept, das Denkmalschutz und Stadtentwicklung miteinander verbinden soll.

Für die Voßstraße in Berlin-Mitte sind neue Wohn- und Bürogebäude vorgesehen, die einen historischen NS-Bunker auf dem Areal der ehemaligen Neuen Reichskanzlei verdrängen könnten, was auf Kritik von Denkmalpflegern stößt. / © Foto: Wikimedia Commons, Dirk Ingo Franke, CC BY 3.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 183-E04492, CC-BY-SA 3.0
Der geplante Abriss des sogenannten Großen Bunkers der ehemaligen Neuen Reichskanzlei sorgt in Berlin weiterhin für kontroverse Diskussionen. Während auf dem Grundstück an der Voßstraße unweit des Holocaust-Mahnmals ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit hochpreisigen Wohnungen entstehen soll, fordert der Verein Berliner Unterwelten den Erhalt der historischen Anlage – und präsentiert nun ein eigenes Konzept für deren zukünftige Nutzung.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Voßstraße
- Mögliche zukünftige Nutzung: 66 Wohnungen und ein Bürogebäude
- Projektstatus: geplant
Im Mittelpunkt steht die Idee, den verbliebenen Bunker nicht als Relikt vergangener Zeiten zu beseitigen, sondern ihn dauerhaft als Informations-, Lern- und Dokumentationsstätte über das Ende des NS-Regimes und die letzten Kriegstage in Berlin zu erhalten. Dieses Konzept möchte der Verein am 11. August erstmals öffentlich vorstellen.
Großer Bunker der Neuen Reichskanzlei: Berliner Unterwelten schlagen Dokumentationsstätte vor
Nach Angaben des Vereins ist von der Neuen Reichskanzlei heute kaum noch historische Substanz vorhanden. Vom Großen Bunker existiere jedoch noch etwa die Hälfte der ursprünglichen Anlage. Der Verein verweist zudem auf ein Gutachten aus dem Jahr 2007, wonach sich die unterirdische Anlage trotz Grundwassereinfluss in einem guten baulichen Zustand befinde.
Aus Sicht der Berliner Unterwelten wäre der Erhalt des Bauwerks mit der geplanten Neubebauung vereinbar. Aufgrund der rund 1,70 Meter starken Decken und Wände könne der Bunker überbaut werden. Erforderlich wäre nach Auffassung des Vereins lediglich eine Anpassung des bestehenden Bebauungsplans aus dem Jahr 2006.
„Wer authentische Erinnerungsorte beseitigt, weil sie missbraucht werden könnten, überlässt Extremisten die Deutungshoheit über die Geschichte. Nicht die Existenz eines historischen Ortes ist entscheidend, sondern seine historische Einordnung und Vermittlung.“
ANZEIGEVerein Berliner Unterwelten
Historischer Erinnerungsort statt Abriss: Verein widerspricht Kritik am Erhalt
Ein häufig genanntes Argument gegen den Erhalt lautet, der Bunker könne sich zu einem Anziehungspunkt für Rechtsextremisten entwickeln. Der Berliner Unterwelten e.V. widerspricht dieser Einschätzung deutlich. Bereits vor Jahrzehnten seien ähnliche Befürchtungen geäußert worden, ohne dass sie sich bestätigt hätten.
Statt historische Orte zu beseitigen, müsse ihre Geschichte kritisch eingeordnet und vermittelt werden, so der Verein. Authentische Erinnerungsorte könnten einen wichtigen Beitrag zur historischen Bildung leisten und dürften nicht allein aus Sorge vor möglichem Missbrauch verschwinden.
Informationsveranstaltung am 11. August in den Ausstellungsräumen der Berliner Unterwelten
Seine Überlegungen stellt der Berliner Unterwelten e.V. am Dienstag, 11. August 2026, um 10:30 Uhr in den unterirdischen Ausstellungsräumen am Zeughaus 1–2 in Berlin-Mitte vor. Vereinsvorsitzender Dietmar Arnold wird dabei die historische Entwicklung des Areals erläutern und das Ideenkonzept für eine künftige Informations- und Dokumentationsstätte präsentieren.
Im Anschluss sind Fragen, Interviews sowie Foto- und Filmaufnahmen möglich. Der Verein bittet aufgrund der begrenzten Platzkapazität um eine vorherige Anmeldung. Mit der Veranstaltung möchte er eine öffentliche Debatte darüber anstoßen, ob der historische Bunker erhalten und zugleich in die künftige Entwicklung des Areals an der Voßstraße integriert werden kann.
„Wenn überhaupt ein bedeutendes Zeugnis der NS-Geschichte verschwinden soll, muss der gesellschaftliche Gewinn eines solchen Eingriffs entsprechend groß sein. Nach den bislang bekannten Planungen sollen auf dem Grundstück in exponierter innerstädtischer Lage 66 Wohn- und mehrere Gewerbeeinheiten im hochpreisigen Segment entstehen. Bezahlbarer Wohnraum ist nach bisherigem Kenntnisstand nicht vorgesehen.“
Verein Berliner Unterwelten
Wie der Konflikt um den Großen Bunker der ehemaligen Neuen Reichskanzlei ausgehen wird, ist derzeit völlig offen. Die Debatte berührt grundlegende Fragen des Umgangs mit belastetem historischen Erbe, des Denkmalschutzes und der dringend benötigten Stadtentwicklung in der Berliner Innenstadt.
Zwischen dem Wunsch nach neuer Bebauung und dem Erhalt eines authentischen Erinnerungsortes stehen Politik, Eigentümer und Fachgremien nun vor einer schwierigen Abwägung. Die Veranstaltung der Berliner Unterwelten dürfte dieser Diskussion in den kommenden Wochen zusätzliche Aufmerksamkeit verleihen.

In Berlin-Mitte wird diskutiert, ob ein NS-Bunker unter dem Gelände der ehemaligen Neuen Reichskanzlei für ein Bauprojekt mit Wohnungen und Büros in der Voßstraße weichen muss. / © Foto: Wikimedia Commons, I, Zvucini, CC BY-SA 3.0
ehem. NS-Bunker in der Voßstraße
Quellen: Berliner Unterwelten e.V., Merkur, Tagesspiegel, B.Z., Berliner Zeitung
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Der Umgang Berlins mit den Resten der Bunkeranlagen erinnert an den hastigen Abriss der Berliner Mauer.
Die Berliner Mauer kreuzte an der hier diskutierten Stelle den Grundriss der Neuen Reichskanzlei.
Die so genannte „Hinterlandmauer“ verlief an der Stelle, an der sich Hitlers Schreibtisch befand.
Auf diesen Luftbildern (1939/1945) ist das zu sehen:
https://www.berlinwall.de/karten-1685—2014.html
Wohnungen o.k.aber noch mehr Büros sind in dieser Wohnlage,nahe dem Tiergarten m.E KRIMINELL