Berlin hat im Zweiten Weltkrieg große Teile seiner historischen Bausubstanz verloren. Doch auch nach Kriegsende verschwanden zahlreiche weitere Gebäude – aus unterschiedlichsten Gründen. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt 20 markante Gebäude, die heute aus dem Stadtbild verschwunden sind. Jetzt lesen mit ENTWICKLUNGSSTADT PLUS.

Der Anhalter Bahnhof war bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der wichtigsten Fernbahnhöfe Berlins. Bis 1943 blieb der Betrieb auf dem Anhalter Bahnhof von alliierten Luftangriffen weitgehend unbeeinträchtigt, wurde in den späten Kriegsjahren aber stark beschädigt. Abgetragen wurde das Gebäude aber erst 1959. / © Foto: Wikimedia Commons
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons / Gerd Danigel
Viele der Berliner Gebäude, die den Bombenhagel der Alliierten Streitkräfte halbwegs überstanden hatten, erlitten noch großen Schaden, während sich die Wehrmacht und die Rote Armee in den letzten Kriegstagen unerbittliche Kämpfe in den Straßen Berlins lieferten.
Wenn man sich die oft schwarzweißen Bilder der letzten Kriegstage und des zerstörten Berlin in den Monaten nach der Kapitulation der deutschen Streitkräfte anschaut, sieht man ein nahezu vollständig zerstörtes Berlin, vor allem in den Innenstadtbezirken. Aus heutiger Sicht gleicht es nahezu einem Wunder, wie viele historische Gebäude tatsächlich in die heutige Gegenwart gerettet werden konnten, auf sehr unterschiedliche Art und Weise.
Berlin nach dem Krieg: Ein Wiederaufbau erschien als nahezu unmögliche Aufgabe
Viele dieser Gebäude waren so stark zerstört, dass ein Wiederaufbau häufig unmöglich schien – und dennoch gelang es in einigen Fällen. Andere Gebäude hingegen, die den Krieg mehr oder weniger gut überstanden hatten, aber noch viele Jahre oder gar Jahrzehnte fester Bestandteil des Ost- oder West-Berliner Stadtbildes waren, sind heute aus dem Stadtbild verschwunden.
Häufig, weil sie im Zuge der Neuplanungen der beiden Stadthälften abgerissen wurden, um neuen Bauwerken, Verkehrsführungen oder Wohnquartieren Platz zu machen. Manchmal aber auch, weil sie nicht mehr in den architektonischen Zeitgeist zu passen schienen.
Andere Bauwerke, wie der Palast der Republik, das Palasthotel oder das einstige Außenministerium der DDR in Berlin-Mitte, haben nur wenige Jahrzehnte Bestand gehabt, bevor sie wieder abgerissen wurden. Wir haben 20 dieser Gebäude und ihre wechselhafte Geschichte für Euch zusammengetragen.
Die Petrikirche am Petriplatz
Die Petrikirche, die während der Kriegsjahre der 1940er Jahre am Petriplatz stand, war bereits der vierte Kirchenbau, der am ältesten Platz Berlins Bestand hatte. Fertiggestellt worden war sie 1853, knapp 100 Jahre vor den schweren Zerstörungen, die sie während der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg erfuhr. Dennoch überstand sie den Krieg, wenn auch schwer beschädigt.
Im Jahr 1951 begann man, die Mauerschäden zu beseitigen und plante das Aufsetzen eines neuen Dachstuhles zum Schutz des Kircheninneren, da die restlichen Gewölbe durch die Witterung zunehmend beschädigt wurden.
Da die Regierung der DDR jedoch kein Interesse daran zeigte, einen Wiederaufbau der Kirche zu finanzieren und das Bauwerk den Straßenplanungen im Zuge der Neutrassierung der Gertraudenstraße in Richtung Mühlendamm im Wege stand, sah sich der Gemeindekirchenrat nach mehrjährigen Verhandlungen im Jahr 1960 gezwungen, dem Abriss zuzustimmen. Die Kirche wurde bis heute nicht wieder aufgebaut. Auf dem Petriplatz werden heute andere, verschiedenartige Projekte geplant.
Die Berliner Deutschlandhalle
Die im Jahr 1935 für die Olympischen Spiele 1936 errichtete und nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Deutschlandhalle war einer der beliebtesten und meistgenutzten Veranstaltungsorte Berlins. Die Halle befand sich im Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, direkt am S-Bahnhof Messe Süd gelegen.
Im Jahr 1995 wurde das Gebäude, das zu diesem Zeitpunkt seit 60 Jahren in Betrieb war, unter Denkmalschutz gestellt. Am 1. Januar 1998 wurde die Deutschlandhalle jedoch geschlossen und der Berliner Senat plante trotz des bestehenden Denkmalschutzes auf Drängen der Messe Berlin den Abriss.
Bis zum April 2009 wurde die Halle dann mehrfach noch zur Durchführung von Eishockeyspielen genutzt, bis sie schließlich vollends geschlossen wurde. Nachdem der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zwischenzeitlich versucht hatte, den Abriss zu verhindern, zog der Berliner Senat das Verfahren an sich und genehmigte im November 2010 den Abriss. Bis 2014 wurde an selber Stelle die neue Messe- und Kongresshalle „City Cube“ errichtet.
Der Palast der Repbublik

Der Palast der Republik im Jahr 2003, rund drei Jahre vor Beginn der Abrissarbeiten. / © Foto: Wikimedia Commons
Der Palast der Republik wurde zwischen 1973 und 1976 nach Plänen von Heinz Graffunder und anderen auf einem rund 15.000 Quadratmeter großen Teil des Geländes des ehemaligen Berliner Stadtschlosses gegenüber dem Außenministerium der DDR in Nachbarschaft zum Berliner Dom und zum Staatsratsgebäude errichtet.
Der Palast der Republik stand zwischen der Karl-Liebknecht- und der Rathausstraße neben dem Neuen Marstall, gegenüber dem Lustgarten und dem Berliner Dom, direkt am Spreeufer und galt für viele Jahre als politisches und kulturelles Zentrum der DDR.
Im Jahr 1990 wurde der Palast wegen Asbestverseuchung geschlossen. Zwischen 1998 und 2003 entsorgten Spezialfirmen den im Baukörper vorhandenen Asbest. Dennoch war das Gebäude dem Untergang geweiht, denn die Gruppen und Initiatoren, die auf dem Platz den Wiederaufbau des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses realisieren wollten, setzten sich letztlich durch. Zwischen 2006 und 2008 wurde das einstige Prestigeprojekt der DDR schließlich abgerissen. Heute steht auf seinem Grund das Kulturzentrum namens Humboldt Forum.
Das Stadion am Gesundbrunnen (Die „Plumpe“)

Das Stadion am Gesundbrunnen auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1930. Das Stadion wurde 1974 abgerissen, um einem Wohnungsbau Platz zu machen. / © Foto: Wikimedia Commons
Bevor Hertha BSC ab Mitte der 1960er Jahre ins Berliner Olympiastadion im Westend umzog, spielte der heutige Fußball-Bundesligist im Stadion am Gesundbrunnen, im Volksmund als „Plumpe“ bezeichnet.
Das Stadion, erbaut zwischen 1923 und 1924, befand sich im Zentrum vom Gesundbrunnen direkt an der Swinemünder Brücke im Ostteil des damaligen Bezirks Wedding. Es wurde im Norden durch die Behmstraße, im Westen durch die Bellermannstraße sowie im Osten und Süden durch die Bahngleise des nahe gelegenen Bahnhofs Gesundbrunnen begrenzt. Die Sportstätte bot zunächst 35.239 Zuschauern Platz, nach dem Zweiten Weltkrieg nach Beschädigungen noch gut 20.000 Zuschauern.
Nach dem Bundesliga-Skandal von 1971 drohte dem Verein Hertha BSC, deren Spieler am Skandal beteiligt waren, das finanzielle Aus. Der Verein musste die „Plumpe“ verkaufen, und die Spielstätte wurde 1974 abgerissen, um 440 neuen Wohnungen Platz zu machen. Heute erinnern noch vier bronzene Skulpturen, die Fußballspieler zeigen, an das ehemalige Stadion.
Der Anhalter Bahnhof am Askanischen Platz

Der Anhalter Bahnhof auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1881. In den 1960er Jahren wurde das schwer beschädigte Gebäude abgerissen. / © Foto: Wikimedia Commons
Der Anhalter Bahnhof war bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der wichtigsten Fernbahnhöfe Berlins. Bis 1943 blieb der Betrieb auf dem Anhalter Bahnhof von alliierten Luftangriffen weitgehend unbeeinträchtigt. Ab 1942 nahm die Anzahl der ein- und auslaufenden Züge deutlich ab. Das Bild bestimmten in diesen Jahren vor allem Fronturlauber und Lazarettzüge.
Ab Juni 1942 erfolgten Judendeportationen auch vom Anhalter Personenbahnhof. Es handelte sich hierbei um sogenannte „Alterstransporte“, mit denen Berliner Juden in das KZ Theresienstadt gebracht wurden. Beschädigt wurde der Bahnhof vor allem in den letzten Kriegsmonaten, durch alliierte Luftangriffe und während der Kampfhandlungen zwischen der russischen Roten Armee und der Deutschen Wehrmacht.
In der Nachkriegszeit befand sich der Anhalter Bahnhof durch die nun erfolgte Sektorenbildung im Westteil Berlins. Zugverkehr fand in den Jahren nach dem Krieg nur noch in reduziertem Ausmaß statt. Trotz starken Widerstandes der Fachwelt und der Architekten- und Baukammern sollte das seit den 1930er Jahren unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude auf Betreiben des damaligen Bausenators Rolf Schwedler zum Abbruch freigegeben werden. Bis 1959 wurde das Gebäude fast vollständig abgetragen. Auf einem Teil des ehemaligen Bahnhofs soll in den kommenden Jahren der Neubau des Exilmuseums entstehen.
Die Bauakademie am Schinkelplatz

Wiederaufbau nach historischem Vorbild? So wünscht es sich nach einer Forsa-Umfrage die Mehrheit der Befragten. / © Förderverein Bauakademie
Die nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaute Bauakademie galt nach seiner Fertigstellung in seiner Konstruktionsweise als revolutionär für das 19. Jahrhundert. Es handelte sich dabei laut Hermann Parzinger, heutiger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, „um das erste maßgebliche profane Rohziegelgebäude in Preußen“.
Das Stützenraster des Gebäudes hatte in jeder Richtung acht Achsen mit 5,55 Metern Abstand und gab so eine mathematisch exakte Gliederung vor. Die Vormauerung aus roten, unverputzten Ziegelsteinen beinhaltete aufwendig gestaltete Schmuckterrakotten. Schinkel selbst bewohnte in dem Gebäude eine 600 Quadratmeter große Dienstwohnung.
Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sollte das Gebäude in der DDR wiederaufgebaut werden. Der Architekt Richard Paulick hatte einen Restaurierungs- und Wiederaufbauplan ausgearbeitet, sogar ein Richtfest wurde 1953 gefeiert. In den Folgejahren jedoch stockte das Projekt, die SED-Regierung wollte keine finanziellen Mittel mehr für das Projekt freigeben.
Aufgrund des 1958 ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs der DDR zur „Sozialistischen Umgestaltung des Stadtzentrums“ wurde gemäß Beschluss des Leitungskollektivs zum Aufbau des Stadtzentrums am 13. März 1962 die Bauakademie abgerissen, um Platz zu schaffen für die Errichtung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR im Jahr 1966. Derzeit wird der Wiederaufbau der Bauakademie geplant – allerdings ist noch nicht klar, ob in moderner Form oder als historische Rekonstruktion.
Das Palasthotel am Marx-Engels-Forum
Das Palasthotel wurde 1979 in Berlin-Mitte an der Spree eröffnet und bis 1992 von der Interhotel-Kette betrieben. Mit der Planung für das Hotel wurde Mitte der 1970er Jahre begonnen. Auf dem Gelände befanden sich vor dem Zweiten Weltkrieg Wohnhäuser, die zum Teil schwer beschädigt und um 1950 abgerissen worden waren.
Nach einem Entwurf von Ferenc Kiss begannen die Bauarbeiten unter der Leitung von Erhardt Gißke. Der dreiflüglige Bau, der sich um einen Innenhof spannte, war vertikal in drei Bereiche untergliedert. Die unteren zwei, teilweise drei Stockwerke waren ein horizontal ausgerichteter Flachbau, in dem sich Restaurants, Bars und ein Café – mit insgesamt 2.000 Sitzplätzen – befanden. Verbunden über ein technisches Zwischengeschoss thronte darüber ein Bau mit 600 Hotelzimmern und 40 Suiten mit rund 1.000 Hotelbetten.
Die Radisson SAS-Kette übernahm 1992 das Haus, 1995 wurde es noch einmal für 60 Millionen DM umfassend renoviert. Dennoch wurde das Haus im Dezember 2000 geschlossen und im Jahr darauf schließlich abgerissen. Anschließend wurde auf dem Baugrund das Quartier „Dom Aquarée“ errichtet.
Die Versöhnungskirche an der Bernauer Straße

Die historische Versöhnungskirche von der Bernauer Straße aus gesehen, im Januar 1978. / © Foto: Wikimedia Commons
Die Berliner Versöhnungskirche war eine evangelische Kirche, die sich in der Bernauer Straße im Berliner Bezirk Mitte befand. Sie wurde bis 1892 errichtet. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, doch obwohl sie ab 1945 genau an der Grenze zwischen dem sowjetischen und dem französischen Sektor lag, wurde sie 1950 wiederhergestellt und bis 1961 für Gottesdienste genutzt.
Durch den Mauerbau am 13. August 1961 verschärfte sich die Grenzsituation der Versöhnungsgemeinde drastisch, denn bereits am 21. August wurde das Hauptportal der Kirchenmauer drei Meter hoch zugemauert. Den West-Berliner Gemeindegliedern war es von nun an nicht mehr möglich, die Kirche zu besuchen, da sich die Kirche im Ostteil Berlins befand. Ab dem 23. Oktober 1961 durfte die Kirche auch von Ost-Berliner Kirchgängern nicht mehr besucht werden.
Der Sakralbau befand sich im Todesstreifen und wurde zunächst geschlossen, später wurde der Kirchturm dann von DDR-Grenztruppen als Wachturm mit MG-Geschützstand genutzt. Vier Jahre vor der Wiedervereinigung wurden Kirche und Turm im Januar 1985 gesprengt. Heute befindet sich auf dem Areal die Gedenkstätte an der Bernauer Straße.
Der Berliner Sportpalast in Schöneberg

Der in vereinfachter Form wiederaufgebaute Sportpalast im Februar 1973, kurz vor seinem Abriss. An seiner Stelle wurde ein Wohngebäude errichtet. / © Foto: Wikimedia Commons
Der Berliner Sportpalast war eine vielseitig nutzbare Veranstaltungshalle für mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher in der Potsdamer Straße im Berliner Ortsteil Schöneberg. Die Halle wurde bis 1910 erbaut. Seit 1911 fand dort als eines der ersten Großereignisse das jährliche Sechstagerennen statt, das bis heute eine Berliner Tradition geblieben ist. Auch Box-, Eishockey- und Hallenreitturniere fanden in den ersten Jahrzehnten in der Halle statt.
Mit Beginn der Weimarer Republik wurde der Sportpalast zunehmend von den großen Parteien für ihre Parteitage angemietet, später hielt NSDAP-Propagandaminister Joseph Goebbels 1943 seine berühmte „Sportpalastrede“ im Gebäude. Im Januar 1944 wurde das Gebäude bei Bombenangriffen schnell zerstört, in den Folgejahren dann in stark vereinfachter Form wieder aufgebaut.
Anfang der 1970er Jahr war der Betrieb der Halle wirtschaftlich jedoch nicht mehr tragbar, so dass der Bau 1973 abgerissen wurde, um Platz für ein Wohnquartier zu machen. Der auf diesem Areal errichtete Wohnblock wird heute, in Erinnerung an das Vorgänger-Gebäude, häufig als „Sozialpalast“ betitelt.
Das Stadion der Weltjugend in Berlin-Mitte

Das Stadion der Weltjugend während einer Sportveranstaltung im Jahr 1951. / © Foto: Wikimedia Commons
Die 1950 im Ostteil der Stadt als Walter-Ulbricht-Stadion eröffnete Sportstätte wurde als Austragungsort für diverse Leichtathletik-Wettkämpfe, politische Großveranstaltungen oder Fußballspiele genutzt.
Das Stadion befand sich im westlichen Teil des damaligen Stadtbezirks Mitte auf dem früheren Gelände des Polizeistadions. Es grenzte im Osten an die Chausseestraße, im Süden an die Habersaathstraße sowie im Norden und Westen an Wohngebiete entlang der Scharnhorststraße bzw. Boyenstraße.
Von Juli bis September 1992 erfolgte der Abriss des Stadions und die Einebnung des Geländes. Ein deutsch-schwedisches Konsortium (DG Immobilien/SIAB/Pan) sollte auf diesem Areal eine neue Arena errichten, für den Fall, dass Berlin die Olympischen Spiele 2000 zugesprochen bekommen hätte. Selbst im Falle einer Niederlage beim Wettstreit um die Ausrichtung von Olympia sollte der Hallenbau erfolgen, wurde letztlich aber nie realisiert. Heute befindet sich auf dem Gelände der Hauptsitz des Bundesnachrichtendienstes.
Der Gasometer in Prenzlauer Berg
Eineinhalb Meter starke Klinkerwände, eine riesige Kuppel aus Glas und Stahl, so sahen die historischen Gasometer im heutigen Ernst-Thälmann-Park aus. Von 1873 bis 1981 versorgte das Gaswerk an der Greifswalder Straße die Berliner Straßenlaternen mit Leuchtgas.
Über ein Jahrhundert speicherten die Gasometer das Gas dieses Gaswerks. Nach dessen Stilllegung im Jahr 1981 kamen dann viele Ideen zur kulturellen Weiternutzung der Anlage auf. Unter anderem wurde eine Verwendung der nun leerstehenden Gasometer als Planetarium oder Ausstellungsräume in Betracht gezogen. Zu Letzterem lagen gab es sogar konkrete Pläne der Kunsthochschule Weißensee.
Die DDR-Regierung aber hatte andere Pläne. Die drei verbliebenen der ursprünglich einmal sechs Speicherbehälter sollten gesprengt werden, was in Prenzlauer Berg eine Protestbewegung auslöste. Denn die Menschen wollen die Gebäude erhalten.
Die Proteste blieben jedoch erfolglos, da die Gasometer trotz des starken Widerstands auf Anordnung der Partei- und Staatsführung der DDR am 28. Juli 1984 gesprengt wurden. Heute befindet sich an der Stelle, wo die Gasspeicher für über hundert Jahre gestanden hatten, eine in Plattenbauweise errichtete Wohnanlage, im oben erwähnten Ernst-Thälmann-Park.
Das Schimmelpfeng-haus am Breitscheidplatz
Das neungeschossige Geschäftshaus in der Berliner City West mit einem Querriegel über der Kantstraße an der Westkante des Breitscheidplatzes wurde in den Jahren 1957 bis 1960 von Gustav Sobotka und Franz Heinrich Müller gebaut.
Die Rasterfassade des Gebäudes war mit Muschelkalkplatten verblendet. Benannt wurde der Gebäudekomplex nach einem Inkasso-Unternehmen, das 1872 in Frankfurt am Main gegründet wurde, bald nach Berlin umzog und schließlich am Breitscheidplatz residierte. Der Brückenbau war ein Beispiel für das Bauen nach dem Leitbild der autogerechten Stadt.
Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz stand, wurden im Jahr 2004 erstmals Abrisspläne publik. Das markante Bauwerk sollte weichen, um Platz für einen Neubau zu machen, der an gleicher Stelle entstehen sollte. Im Mai 2008 setzte sich der von der Wall AG gegründete Verein “Denk mal an Berlin” für den Erhalt des Hauses ein, jedoch ohne Erfolg.
Im Mai 2009 begann der Abriss des Bauwerks. Anschließend wurde der Hochhauskomplex „Upper West“ errichtet, der gemeinsam mit dem benachbarten Hochhaus „Zoofenster“ (Waldorf Astoria) die heutige Skyline der Berliner City West dominiert.
Das Außenministerium der DDR
Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, wie es offiziell hieß, war das Außenministerium der DDR. Als erstes Dienstgebäude des Ministeriums wurde seit Ende 1949 die einstige Tierarzneischule in der Luisenstraße 54–56 genutzt, allerdings nur Übergangsweise. Einen repräsentativen Neubau plante die DDR-Führung auf der Fläche der Berliner Bauakademie.
Auf der ehemaligen Fläche der Berliner Bauakademie (die zunächst bis zum Rohbau wieder errichtet worden war) und des Schinkelplatzes entstand von 1964 bis 1967 ein weißes, 145 Meter langes und zehn Etagen umfassendes Gebäude. Die Pläne für den dreiteiligen Baukörper stammten von den Architekten Josef Kaiser, Heinz Aust, Gerhard Lehmann und Lothar Kwasnitza.
Die Lebensdauer des wie ein Fremdkörper wirkenden Gebäudes war nicht lang. Nach der Wiedervereinigung 1990 war schnell klar, dass die Bundesrepublik keinen Nutzen mehr für den weißen Riegelbau hatte. Zwischen 1995 und 1996 wurde das Gebäude daher aus städtebaulichen Gründen abgerissen, um Platz für die Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses unter Neuanlage des Schinkelplatzes und auch einem möglichen Wiederaufbau des Gebäudes der Bauakademie zu schaffen. Ein Projekt, welches bis heute intensiv diskutiert wird.
Großgaststätte „Ahornblatt“ an der Leipziger Straße
Unweit der Fischerinsel in Berlin-Mitte, an der Gertraudenstraße, stand eines der wenigen, architektonisch gelungenen Gebäude, die im Bereich zwischen Petriplatz, Fischerinsel und Leipziger Straße während der DDR-Zeit errichtet wurden: die Großgaststätte „Ahornblatt“.
Das Gebäude galt als gesellschaftliches Zentrum für das Wohngebiet Fischerinsel, welches nach einem nahezu vollständigen Abriss der Vorkriegsbausubstanz mit sechs 21-geschossigen Punkthochhäusern von 1970 bis 1973 neu gestaltet worden war und den Charakter der ursprünglichen, kleinteiligen Bebauung vollkommen vergessen ließ.
Im „Ahornblatt“ befanden sich eine Selbstbedienungsgaststätte mit 880 Plätzen sowie eine Ladenpassage. Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1969 und 1973. Das Dachtragwerk war eine Schalenkonstruktion aus fünf hyperbolischen Paraboloidschalen, die wie ein Fächer angeordnet wurden, in ihrem Aussehen an ein Ahornblatt erinnerten und so maßgeblich zur Namensgebung des Gebäudes beitrugen.
1997 wurde das mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude an einen privaten Investor veräußert, der auf dem Grundstück einen Neubau realisieren wollte – was zu großen Protesten führte, da dem Unternehmen eine Abrissgenehmigung für das „Ahornblatt“ eingeräumt wurde. Trotz einer breiten, öffentlichen Debatte über den Umgang mit bedeutender DDR-Architektur erfolgte im Juli 2000 der Abriss des Gebäudes, um Platz für einen Hotelneubau sowie ein Wohn- und Geschäftshaus zu schaffen.
Der „Gloria Palast“ am Kurfürstendamm
Der Denkmalschutz konnte das einstige Kino mit dem klangvollen Namen „Gloria Palast“ nicht vor dem Abriss retten. An seiner Stelle sind in den vergangenen Jahren neue Gebäude entstanden, die Flächen für Einzelhandel und Büros enthalten – aber kein Kino mehr.
Bezirk und Anwohner hatten darauf gedrängt, zumindest die historische Fassade des „Gloria Palastes“ zu erhalten und in das Neubauprojekt zu integrieren. Letztlich mussten sich Bezirk und Anwohner aber mehreren Gutachten beugen, welche die Fassade als „unsanierbar“ einschätzten.
Der erste, neobarocke Kinosaal mit 1.200 Sitzen wurde zwischen 1924 und 1925 von Ernst Lessing und Max Bremer im ersten bis dritten Stockwerk des Romanischen Hauses errichtet, das zwischen 1894 und 1896 von Franz Schwechten erbaut worden war. Im Krieg wurde das Gebäude zerstört und später abgetragen.
Nach dem Krieg entstand das zerstörte Kino 1953 auf einem Teilstück des ehemaligen Baugrunds neu: Am Kurfürstendamm 12 errichteten die Architekten Siegfried Fehr und Gerhard Jäckel einen fünfgeschossigen Stahlbetonskelettbau mit Rasterfassade. Für einige Jahre war das Kino sogar einer der Austragungsorte der Internationalen Filmfestspiele. Ende der 1990er Jahre wurde das Kino geschlossen und nicht mehr geöffnet.
Das historische „Hotel Adlon“ am Pariser Platz
Noch bis Anfang Mai 1945 stand das einstmalige, legendäre „Hotel Adlon“ fast unbeschädigt am Pariser Platz im ausgebombten Berlin, während rundherum alle anderen Gebäude vollkommen zerstört waren. Den Zweiten Weltkrieg sollte das Gebäude dennoch nicht unbeschadet überstehen.
In den letzten Kriegsmonaten wurde das Hotel noch als Lazarett benutzt, bis Berlin am 2. Mai 1945 vor der Übermacht der Roten Armee kapitulierte. Doch bereits wenige Tage danach brannte das Gebäude, besetzt von feiernden Rotarmisten, aus bis heute ungeklärten Gründen aus. Nur ein Seitenflügel blieb erhalten. Die Mauern blieben vorerst stehen, wurden sieben Jahre später, im Jahr 1952, aber abgetragen.
Viele Jahrzehnte später, nachdem die Berliner Mauer im November 1989 gefallen und die deutsche Nation ein knappes Jahr später wiedervereinigt worden war, bot sich an vielen Stellen der jungen, neuen Hauptstadt die Chance, einen Wiederaufbau der zerstörten Stadtstrukturen anzugehen, so auch am Pariser Platz, der in seinen historischen Strukturen wiederaufgebaut werden sollte – dazu gehörte auch das „Hotel Adlon“.
Vom ursprünglichen Bau jedoch war nichts mehr übrig geblieben, sodass eine Rekonstruktion des ursprünglichen Gebäudes nicht infrage kam. Das neue „Hotel Adlon“ musste als reiner Neubau entstehen. Mit dem Bau des Gebäudes wurde das Architekturbüro Patzschke beauftragt, welches mit dem „Hotel Adlon“ sein bis heute berühmtestes Projekt realisieren sollte.
Der Lehrter Stadtbahnhof
Der heutige Berliner Hauptbahnhof liegt im geografischen Zentrum der Hauptstadt und gilt als Paradebeispiel moderner Architektur. Mit seiner Eröffnung im Jahr 2006 bot sich erstmals in der Geschichte Berlins eine Verbindung für alle Fernzüge der Ost-West- und Nord-Süd-Achse Europas.
Entstanden ist der Berliner Hauptbahnhof auf dem Gelände des einstigen „Lehrter Bahnhofs“. Dieser gehörte zu den acht sogenannten „Kopfbahnhöfen“ von Berlin und wurde als Ausgangspunkt der „Berlin-Lehrter Eisenbahn“ bereits 1871 eröffnet. Aufgrund seiner prunkvollen Architektur wurde er als „Schloss unter den Kopfbahnhöfen“ bezeichnet.
Der Zweite Weltkrieg brachte für den glanzvollen Kopfbahnhof schwere Schäden mit sich, sodass im Jahr 1951 der letzte Zug den Bahnhof verließ. Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz stand, wurde 1957 mit dem Abriss der Ruine begonnen. Den dabei gewonnenen Ziegelsplitt nutzte man praktischerweise für den voranschreitenden Wiederaufbau Berlins.
Erhalten blieb immerhin bis 2002 der S-Bahnhof „Lehrter Stadtbahnhof“ auf dem Stadtbahnviadukt. Dieser musste schließlich aber ebenfalls dem Neubau des Berliner Hauptbahnhofs weichen, obwohl auch dieser Bahnhof unter Denkmalschutz stand.
Die Krolloper
Die Krolloper war ein Gebäudekomplex unweit des Brandenburger Tores. Im Laufe seiner wechselvollen Geschichte diente die Anlage zwischen 1844 und 1951 als Vergnügungsetablissement, Komödienbühne, Textillager, Opernhaus und während der Zeit des Nationalsozialismus auch als Ersatzstandort des Parlaments.
Das Gebäudeensemble im Berliner Tiergarten wurde während seiner über hundertjährigen Geschichte mehrfach umgebaut, zuletzt vom jüdischen Architekten Oskar Kaufmann. An diesem Projekt arbeitete Kaufmann fast ein gesamtes Jahrzehnt.
Im November 1943 wurde die Krolloper bei Angriffen der Royal Air Force stark beschädigt. Die Schlacht um Berlin und die Erstürmung des Reichstagsgebäudes durch die Rote Armee am 30. April 1945 verursachten weitere Zerstörungen. Aber schon am 23. Mai 1945, nur 15 Tage nach Kriegsende, begannen Aufräumarbeiten, um das Gartenlokal wieder nutzbar zu machen. In den Sommermonaten fanden im Kroll-Garten Konzert- und Tanzveranstaltungen statt.
Und so wurde das Gebäude bis Mitte der 1950er Jahre weiter genutzt, der Betrieb war jedoch wenig lukrativ. Schon 1951 waren Teile der Hauptgebäude gesprengt und abgetragen worden. Am 4. Mai 1957 beantragte das Grundstücksamt Berlin-Tiergarten die öffentliche Abräumung der Gebäudereste. Im Herbst 1957 wurden die letzten Spuren der Krolloper letztlich beseitigt.
Das Ensemble „Kudamm Karree“
Am Kurfürstendamm entsteht derzeit nach Plänen des Architekturbüros Kleihues + Kleihues das raumgreifende Projekt FÜRST. Es wird auf der Fläche des einstigen Kudamm-Karrees entwickelt und soll das architektonische Erbe der 1970er Jahre an dieser Stelle durch ein modernes Ensemble ersetzen.
Das Kerngebäude des einstigen Kudamm-Karrees mit 33 Etagen wurde in den Jahren 1969–1974 erbaut und steht im Zentrum des Baublocks, der durch die Straßen Kurfürstendamm, Uhlandstraße, Lietzenburger Straße und Knesebeckstraße begrenzt wird. Geplant hatte das 102 Meter hohe Gebäude die Architektin Sigrid Kressmann-Zschach. Das Gebäude wird derzeit umfassend modernisiert und umgebaut.
Der Rest des Komplexes ist mittlerweile vollständig abgetragen worden. Das alte Kudamm-Karree umfasste ein Einkaufszentrum, die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm sowie Büroräumlichkeiten. Zudem befand sich unter dem Komplex ein Luftschutzbunker für mehrere tausend Menschen.
In den 2000er Jahren gab es mehrere Eigentümer-Wechsel, während das Ensemble selbst zunehmend an Attraktivität und Zugkraft verlor. Diese soll nun durch die Neubebauung des Areals wieder hergestellt werden.
Der alte Friedrichstadtpalast
Der heutige Friedrichstadtpalast gilt als größtes Revuetheater der Welt und ist eine der meistbesuchten Theaterbühnen Europas. Eröffnet wurde das Gebäude in seiner heutigen Form mit den knapp 2.000 Sitzplätzen im Jahr 1984. Seit wenigen Jahren steht das Gebäude sogar unter Denkmalschutz.
Zuvor war der Friedrichstadtpalast jedoch in einem ganz anderen Gebäude untergebracht. Die Geschichte des Revuetheaters reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert, als die Aufführungen noch in einem zirkusähnlichen Gebäude stattfanden. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts begann der mehrfache Umbau des Ensembles in einen festen Gebäudekomplex.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, konnte jedoch repariert und weiter betrieben werden. Seit Ende der 1950er Jahre befand sich im Friedrichstadtpalast die Tanzgaststätte „Große Melodie“ für bis zu 340 Gäste. Dort haben zahlreiche Jazz-Ensembles ihr Können dargeboten, die später im Haus der jungen Talente in der Klosterstraße und im Jazz-Club in der Fredersdorfer Straße auftraten und zur Entstehung der DDR-Pop-Kultur beitrugen.
Am 29. Februar 1980 wurde das Gebäude unmittelbar nach der Besichtigung durch Bauexperten wegen starker Setzungen der verfaulten Fundamentpfeiler im Boden geschlossen. In der Folge wurde die Errichtung eines Neubaus beschlossen, der in unmittelbarer Nähe des Bestandsbaus errichtet wurde. Der „alte“ Friedrichstadtpalast wurde 1985 abgerissen.
Quellen: Stadtmuseum Berlin, Bundesstiftung Aufarbeitung, Wikipedia, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, berlin.de, tip Berlin, Berliner Morgenpost, Deutsches Architektur Forum, Architektur Urbanistik Berlin, Bauwelt, Bundesstiftung Bauakademie
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
















