In der Görresstraße 21/23 in Friedenau plant die BAUWERT AG neue Wohnungen. Der geplante Abriss von Teilen eines denkmalgeschützten Ensembles bleibt jedoch nicht unumstritten.
© Titelbild: Wikimedia Commons, dodowp, CC BY-SA 4.0
In der Görresstraße 21/23 in Friedenau soll ein Teil eines denkmalgeschützten Ensembles abgerissen werden. Der Berliner Senat begründet die Entscheidung der Schaffung neuen Wohnraums. Bezirk, Denkmalbehörden und Anwohner sehen den geplanten Eingriff kritisch.
- Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
- Adresse: Görresstraße 21/23, 12161 Berlin
- Denkmal: Anwesen Pählchen (Denkmalschutz seit 2019)
- Geplant: Teilabriss, Sanierung, Neubau von Wohnungen
Das Grundstück umfasst das denkmalgeschützte „Anwesen Pählchen“ mit Landhaus, Ateliergebäude, ehemaligem Fuhrhof und Gartenflächen.
Die Gebäude stammen aus der Zeit zwischen 1892 und 1901. Der Denkmalwert liegt vor allem in der selten erhaltenen Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Atelier und offener Bebauung. Laut Senat erfüllt das Ensemble geschichtliche, wissenschaftliche und städtebauliche Kriterien.

Der ehemalige Fuhrhof Pählchen in der Görresstraße 23 in Berlin-Friedenau ist nach Übernahme durch die BAUWERT AG im Jahr 2019 leerstehend. / © Foto: Wikimedia Commons, dodowp, CC BY-SA 4.0
Denkmalschutz und Wohnungsbau in der Görresstraße
Der Konflikt dreht sich aber nun um die Frage, wie viel Veränderung ein Denkmal verträgt. Die BAUWERT AG plant, Wohnungen auf einer Fläche von 3.683 Quadratmetern zu bauen. Teile des denkmalgeschützten Ensembles sollen dafür abgerissen werden.
Die Untere Denkmalschutzbehörde und das Landesdenkmalamt hatten das Vorhaben zunächst als nicht genehmigungsfähig bewertet. Die Obere Denkmalschutzbehörde traf später einen Dissensentscheid zugunsten eines Teilabrisses.
Der Senat erklärt dies mit der Schaffung von Wohnraum als stadtentwicklungspolitischem Belang. Zugleich betont er, die fachliche Expertise der Denkmalbehörden bleibe Grundlage der Entscheidung.
17 neue Wohneinheiten könnten in der Görresstraße entstehen
Nach Angaben des Senats sollen etwa 12 Wohnungen an der Straßenseite und etwa 5 Wohnungen im Gartenhaus entstehen. Informationen zu mietpreis- oder belegungsgebundenen Wohnungen liegen derzeit nicht vor. Der Senat verweist in der Antwort auf eine Schriftliche Anfrage zur Görresstraße (Drucksache 19/25757) jedoch allgemein darauf, dass zusätzlicher Wohnraum den Berliner Wohnungsmarkt grundsätzlich entlaste.
Ferner solle dass Landhaus und Ateliergebäude in wesentlichen Teilen erhalten und saniert werden.
Die Görresstraße im Kontext der Friedenauer Bauentwicklung

In Friedenau realisiert die BAUWERT AG das Wohnprojekt „Rheingau“. / © Visualisierung: BAUWERT AG EVE
Der Fall steht nicht allein. In Berlin-Friedenau realisiert die BAUWERT AG mit dem Projekt „Das Rheingau“ derzeit ein Vorhaben, das wegen des Abrisses eines Bestandsgebäudes von 1904 ebenfalls zunächst auf Kritik gestoßen war. Gleichzeitig wird das Projekt architektonisch vielfach als gelungen bewertet: Die Gestaltung greift typische Elemente der Umgebung auf und entwickelt sie zeitgemäß weiter, sodass sich der Neubau vergleichsweise harmonisch in das gewachsene Stadtbild einfügt.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Blick auch auf die Görresstraße differenzieren: Der Konflikt zwischen Erhalt und Neubau bleibt bestehen, doch das Beispiel „Das Rheingau“ zeigt, dass eine sensible Einbindung neuer Architektur grundsätzlich möglich ist. Für das Projekt in der Görresstraße 21/23 könnte dies für Anwohnende zumindest Hoffnung machen, dass trotz der Eingriffe ein städtebaulich verträgliches Ergebnis entstehen kann.
denkmalgeschütztes Ensemble „Anwesen Pählchen“ (Friedenau)
Quellen: Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Schriftliche Anfrage, Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 25 757
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