In der Burgsdorfstraße 1 in Berlin-Wedding verschwindet derzeit eines der bekanntesten Problemhäuser des Bezirks. Nach Jahren des Leerstands, verpasster Sanierungen und massiver Sicherheitsbedenken schreitet der vollständige Abriss nun sichtbar voran. Neue Aufnahmen zeigen, wie die einsturzgefährdete Ruine fast vollständig verschwunden ist.


Aus dem einsturzgefährdeten Haus in der Burgsdorfstraße 1 wuchs über Jahre ein Baum, während sich Fledermäuse, Mauersegler und Spatzen in der verfallenen Struktur ansiedelten. Inzwischen ist das Gebäude vollständig abgerissen. Nun bleibt abzuwarten, wie das Grundstück künftig genutzt wird. / Foto links: ENTWICKLUNGSSTADT / Foto rechts: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Abriss der Wohnruine in der Burgsdorfstraße 1 im Berliner Ortsteil Wedding hat einen entscheidenden Punkt erreicht. Aktuelle Fotos zeigen, wie die oberen Geschosse bereits vollständig entfernt wurden und nur noch Teile des Erdgeschosses stehen. Eine Abrissfirma trägt das Gebäude seit Wochen kontrolliert ab; ein Bagger zerlegt die letzten Bauteile Stück für Stück.
Bis zum Jahresende soll das Haus vollständig verschwunden sein. Die Burgsdorfstraße bleibt bis dahin gesperrt, da herabfallende Gebäudeteile über lange Zeit eine Gefahr für Passanten darstellten. Lediglich der gegenüberliegende Gehweg ist weiterhin nutzbar.
Jahrelanger Leerstand in Wedding: Eigentümerin reagiert nicht auf behördliche Auflagen

So sah das einsturzgefährdete Gebäude an der Burgsdorfstraße noch im August aus, jahrelang war es nur durch ein Gerüst gesichert. Die ursprünglich für den Sommer geplanten Abrissarbeiten verzögerten sich und konnten erst im Herbst dieses Jahres beginnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Über viele Jahre hinweg blieb das Gebäude unbewohnbar. Die Eigentümerin hatte trotz mehrfacher Hinweise weder gesichert noch saniert, ein klarer Verstoß gegen das Berliner Verbot von Wohnungsleerstand. Nach Angaben des Bezirks sah man sich deshalb gezwungen, den Abriss im Wege der Ersatzvornahme zu veranlassen. Die Kosten will der Bezirk bei der Eigentümerin einfordern.
Das Wohnhaus war bereits 2017 als einsturzgefährdet eingestuft worden. Der seitliche Gebäudeflügel musste schon 2004 gesperrt werden, später wuchsen Pflanzen aus Dach und Fassaden. Die Ruine wurde zum Sinnbild jahrelanger Auseinandersetzungen zwischen Eigentumsrechten, öffentlichem Interesse und Sicherheit.
Artenschutz stoppt Abriss: Brutende Sperlinge und Fledermäuse verzögern Rückbau an der Burgsdorfstraße

Im Oktober haben die Abrissarbeiten begonnen, nachdem die Brutzeit von Vögeln vorüber war. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Rückbau begann im Sommer 2025, musste jedoch schnell erneut gestoppt werden. In der Ruine hatten sich Haussperlinge, Fledermäuse und Mauersegler angesiedelt. Da die Brutzeit unter gesetzlichem Schutz steht, ordnete die Umweltverwaltung eine Unterbrechung der Arbeiten an. Erst Ende September konnten die Abrissarbeiten unter Auflagen fortgesetzt werden.
Um weitere Störungen zu vermeiden, begleitet eine Drohne den Prozess und überprüft das Gebäude regelmäßig auf tierische Bewohner. Der sensible Standort zwischen zwei bewohnten Häusern macht zusätzliche Sicherungsmaßnahmen nötig, eine große Schutzplane verhindert Schäden an den Nachbargebäuden.
Wedding: Kiez hofft nach jahrelanger Sperrung auf Entlastung und freie Burgsdorfstraße
Für den Kiez bedeutet der Abriss eine spürbare Entlastung. Über Jahre war die Burgsdorfstraße vollständig gesperrt, Gewerbetreibende berichteten von Einbußen, Anwohnende von Rattenbefall und eingeschränkter Mobilität. Nun rückt das Ende der Baustelle näher, und der Bezirk kündigt an, die Straße nach Abschluss der Arbeiten wieder freizugeben.
Bezirksstadtrat Ephraim Gothe betonte, der Schritt sei notwendig gewesen, um Sicherheit herzustellen und neues Potenzial für die Fläche zu schaffen. Der Bezirk übernahm die Abrisskosten zunächst selbst, nachdem die Eigentümerin ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen war.
Zukunft des Grundstücks am Leopoldplatz bleibt offen: Chancen für sozialen Wohnungsbau

Die Kosten für den Rückbau müssen von der Eigentümerin getragen werden. Nach dem Abriss ist die Straße auch wieder für Anwohnerinnen und Anwohner der Burgsdorfstraße frei. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Noch offen bleibt, wie das Grundstück künftig genutzt wird. Konkrete Planungen liegen bislang nicht vor, doch angesichts der zentralen Lage am Leopoldplatz gilt das Areal als geeignet für sozialen Wohnungsbau oder eine gemischte Nutzung. Für viele im Kiez verbindet sich damit die Hoffnung auf einen sichtbaren Neuanfang nach fast zwei Jahrzehnten Stillstand.
Mit dem fast abgeschlossenen Abriss endet ein Kapitel, das Wedding lange beschäftigt hat. Die Burgsdorfstraße 1 stand sinnbildlich für ein Zusammenspiel aus fehlender Verantwortung, verwaltungsrechtlichen Hürden und städtebaulichen Herausforderungen und markiert nun den Beginn eines neuen, bislang offenen Entwicklungsprozesses.
Quellen: Bezirksamt Mitte, Weddingweiser, Tagesschau, Berliner Morgenpost, Wem gehört Berlin
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



