Das alte Jahnstadion ist weitgehend verschwunden, große Teile der Wallanlage wurden bereits abgetragen. Während der Senat den nächsten Bauabschnitt vorbereitet, begleiten Proteste gegen den Stadionneubau und die Verkleinerung der Sportwiese das Projekt weiterhin.

Bausenator Christian Gaebler (SPD) stellte sich beim Presserundgang auch der Kritik der Projektgegner. Er verwies auf den langjährigen Beteiligungsprozess und verteidigte den Neubau als Voraussetzung für einen umfassend inklusiven Sportpark. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Umbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg bleibt eines der meistdiskutierten Sportprojekte Berlins. Wie unterschiedlich die Perspektiven auf das Vorhaben weiterhin sind, zeigte sich am Montag bei einem Presserundgang der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: Während Senat und organisierter Sport die entstehende inklusive Sportanlage ausdrücklich begrüßen, begleiteten Gegner des Projekts den Termin mit lautstarkem Protest.
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) musste sein Statement entsprechend gegen Buhrufe und Zwischenrufe halten. Demonstrierende der Bürgerinitiative Jahnsportpark und der NaturFreunde Berlin forderten unter anderem einen Verzicht auf den Stadionneubau und den vollständigen Erhalt der heutigen Sportwiese.
Jahnsportpark: Rückbau des alten Stadions weit fortgeschritten
Auf der Baustelle selbst sind die Dimensionen des Umbaus inzwischen deutlich sichtbar. Das frühere Tribünengebäude ist verschwunden, große Teile der alten Wallanlage wurden bereits abgetragen. Von insgesamt rund 80.000 Kubikmetern Material seien bislang etwa 55.000 Kubikmeter ausgebaut worden, so Gaebler.
Da sich in den Wällen Kriegsschutt befindet, erfolgen die Arbeiten unter Kampfmittelbegleitung. Das Material wird gesiebt, gefundene Munition dem Landeskriminalamt übergeben. Zwei alte Flutlichtmasten bleiben hingegen erhalten und werden in die Planung des neuen Stadions integriert, im Februar 2026 waren zwei der ursprünglich vier Flutlichtmasten gesprengt worden.
Nach dem Abschluss der Abrissarbeiten soll im kommenden Jahr der Neubau des Stadions beginnen, das künftig Platz für mehr als 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer bieten soll. Ergänzt werden soll der Sportpark später durch eine Multifunktionssporthalle, weitere ungedeckte Sportflächen und ein inklusives Begegnungszentrum.

Die Visualisierung zeigt den Innenraum des neuen Stadions im Jahnsportpark mit Tribünen, Laufbahn und Zuschauern während einer Sportveranstaltung. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH
Prenzlauer Berg: Inklusives Stadion soll neue Standards setzen
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Planung liegt auf der Inklusion. Menschen mit Behinderungen sollen das Stadion künftig barrierefrei nutzen und Sportveranstaltungen auch unmittelbar am Spielfeldrand verfolgen können. Darüber hinaus soll die Anlage besondere Voraussetzungen für Sportlerinnen und Sportler mit Behinderungen schaffen.
Gerade diese Konzeption wird vom organisierten Sport ausdrücklich unterstützt. Landessportbund, Bezirkssportbund und Vereine seien nach Angaben der Projektverantwortlichen frühzeitig in die Planung eingebunden worden.
Landessportbund Berlin: Dringend benötigte Kapazitäten für Schul- und Vereinssport werden geschaffen
Aus Sicht des Landessportbundes entstehen im Jahnsportpark dringend benötigte zusätzliche Kapazitäten für den Schul-, Vereins- und Freizeitsport sowie deutlich bessere Bedingungen für den inklusiven Sport.
Der Bedarf sei insbesondere in Prenzlauer Berg hoch. Vereine müssten Anfragen von Kindern und Jugendlichen teilweise ablehnen, weil Trainingsflächen fehlten. Davon betroffen seien unter anderem die Hockeyabteilung von Rotation Prenzlauer Berg und die Fußballabteilungen von Empor Berlin.
„Der Jahn-Sportpark wird jetzt endlich zum ersten wirklich vollinklusiven Sportstadion in Berlin. Mit langjähriger Verspätung, dennoch wird dies ein Leuchtturm in unserer Stadt. Aber wir bräuchten eine solche Sportstätte in jedem Bezirk.“
Thomas Härtel, Präsident Landessportbund Berlin

So soll das neue Jahnstadion künftig aussehen: Der Neubau für mehr als 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer soll insbesondere auf die Anforderungen des inklusiven Sports zugeschnitten werden. Bausenator Christian Gaebler präsentierte beim Pressetermin den aktuellen Planungsstand. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Sportwiese soll kleiner werden und teilweise Kunstrasen erhalten
Genau an diesem Punkt entzündet sich allerdings ein wesentlicher Teil der Kritik. Im Zuge der weiteren Umgestaltung soll die bestehende Sportwiese verkleinert und ein Teil der Fläche zu einem Kunstrasenplatz umgebaut werden. Nach Darstellung des Senats ist dieser Schritt notwendig, um zusätzliche wettkampftaugliche Sportflächen zu schaffen. Gerade Feldhockey benötige einen entsprechenden Untergrund.
Die am Rand stehenden Platanen sollen erhalten bleiben. Zudem betont die Senatsverwaltung, dass es sich beim geplanten Kunstrasen nicht um eine vollständig versiegelte Betonfläche handele und Regenwasser weiterhin versickern könne.
Jahnsportpark: Gegner fordern Erhalt der heutigen Sportwiese
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark und die NaturFreunde Berlin lehnen die Planung dennoch ab. Sie verweisen unter anderem darauf, dass das Umwelt- und Naturschutzamt Pankow den geplanten Kunstrasenplatz nach ihrer Darstellung artenschutzrechtlich als „grundsätzlich unzulässig“ bewertet habe.
Die Initiative fordert einen Vergabestopp vor der Abgeordnetenhauswahl, den vollständigen Erhalt der Wiese in ihrer heutigen Größe, den Verzicht auf weitere Baumfällungen sowie eine erneute Prüfung von Alternativen zum Stadionneubau. Zudem kritisiert sie die mittlerweile auf rund 300 Millionen Euro bezifferten Kosten des Gesamtprojekts.

Bausenator Christian Gaebler (SPD) stellte sich beim Presserundgang auch der Kritik der Projektgegner. Er verwies auf den langjährigen Beteiligungsprozess und verteidigte den Neubau als Voraussetzung für einen umfassend inklusiven Sportpark. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Bausenator Christian Gaebler hält am inklusiven Konzept des Jahnsportparks fest
Dass mit der Neukonzeption der Sportwiese erstmals auch eine Sportfläche für eingeschränkte Menschen entstehen soll, als Modellprojekt des inklusiven Sports in Berlin, ließen die Gegner des Projekts hingegen nicht als Argument für die Umsetzung des Vorhabens gelten. Gleichzeitig befindet sich direkt neben dem Jahnsportpark der 15 Hektar große Mauerpark, mit großflächigen, erst vor kurzem erneuerten Grünflächen.
Das war bei der Presseveranstaltung für die Projektgegner allerdings kein schlüssiges Argument, da die Sportwiese an eben dieser Stelle bestehen bleiben soll. Gaebler verwies dagegen auf den langjährigen Planungs- und Beteiligungsprozess.
Das Jahnsportpark-Prjojekt hat fast ein Jahrzehnt Bürgerbeteiligung hinter sich
Über mindestens acht Jahre seien unterschiedliche Interessen diskutiert worden, so der Bausenator; letztlich habe das Berliner Abgeordnetenhaus den Neubau beschlossen. Ein Umbau des alten Stadions hätte nach Darstellung des Senats zudem nicht die angestrebten Anforderungen an ein umfassend inklusives Stadion erfüllen können.
Der Presserundgang zeigte damit nicht nur den weit fortgeschrittenen Rückbau des alten Jahnstadions. Er machte zugleich deutlich, dass die grundsätzliche Debatte über die Zukunft des Sportparks trotz laufender Bauarbeiten keineswegs beendet ist.
Während Senat, Landessportbund und beteiligte Vereine zusätzliche Sportflächen und die inklusive Ausrichtung als großen Gewinn betrachten, kämpfen die Gegner weiterhin für weniger bauliche Eingriffe und den Erhalt der bestehenden Sportwiese.

Vom früheren Jahnstadion sind nur noch wenige Überreste vorhanden. Große Mengen Beton und weiteres Abbruchmaterial werden derzeit aufbereitet, während der Rückbau der alten Stadionanlage seinem Abschluss entgegengeht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Jahnsportpark – Stadion-Neubau
Quellen: Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/26503 und 19 / 26 737, Presse- und Informationsamt des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Landessportbund Berlin, BI Jahnsportpark, NaturFreunde Berlin, O+M Architekten GmbH
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Schön, dass es endlich vorab geht. Sollte es nach den Kritikern gehen, würde in dieser Stadt gar nichts mehr umgesetzt werden. Die Verzögerung hat bei einem Volumen von (ehemals) 200 Mio € und Blaupreissteigerungen von 3,X % bereits mindestens 6 Mio € gekostet. Danke für nichts.