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Der geplante Ausbau der A100 steht vor ungewisser Zukunft: Der 17. Bauabschnitt der A100 wird in diesem Jahrzehnt nicht mehr gebaut, denn der Bund hat das Projekt herunterpriorisiert. Ein Baustart wird, wenn überhaupt, erst nach 2030 erfolgen. Damit wird die Frage drängender, wie Berlin den Verkehr künftig steuern will, nicht nur am Treptower Park.

So hatte sich die Berliner CDU im Jahr 2023 die Weiterführung der A100 als „Klimaautobahn“ vorgestellt, doch der Bund lässt die Realisierung des 17. Bauabschnitts in weite Ferne rücken. / © Visualisierung: CDU Berlin

© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung: CDU Berlin

 

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Seit Jahren polarisiert kaum ein Verkehrsprojekt in Berlin so stark wie die Verlängerung der Stadtautobahn A100. Nun ist klar: Der 17. Bauabschnitt, der vom Treptower Park über Friedrichshain bis zur Storkower Straße führen sollte, wird in absehbarer Zeit nicht realisiert.

Denn der Bund hat das Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben und es in der Priorität deutlich herabgestuft, wie Tagesspiegel und RBB übereinstimmend berichten. Damit steht die Zukunft des Vorhabens mehr denn je grundsätzlich in Frage.

Vom Schlüsselprojekt zum „weiteren wichtigen Vorhaben“: Bund stuft A100-Weiterbau herab

Bislang war die Verlängerung der A100 im Finanzierungs- und Realisierungsplan des Bundes (FRP) unter den Projekten geführt, deren Bau noch in diesem Jahrzehnt beginnen könnte. Diese Einstufung ist nun hinfällig. Im aktuellen Plan 2025 bis 2029 taucht der 17. Bauabschnitt lediglich in einer Kategorie auf, die zwar als „wichtig“ gilt, jedoch ohne jeden verbindlichen Zeitplan bleibt.

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Die Neubewertung ist nicht nur ein formaler Akt, sondern Ausdruck massiver finanzieller Engpässe im Bundesfernstraßenbau. Allein bis 2029 klafft im Haushalt eine Finanzierungslücke von fast 15 Milliarden Euro. Mehr als 70 Autobahnprojekte in ganz Deutschland können deshalb nicht umgesetzt werden. Sie alle stehen zudem auf der Prioritätenliste noch vor dem Berliner Ausbau. Die Chance, dass die A100-Verlängerung in den kommenden Jahren überhaupt angegangen wird, ist damit erheblich gesunken.

17. Bauabschnitt der A100: Finanzierungsprobleme treffen auf politische Kontroversen

Die Verschiebung des Projekts fällt in eine Zeit, in der die Diskussion um die Mobilität der Zukunft in Berlin besonders intensiv geführt wird. Erst Ende August wurde der 16. Bauabschnitt der A100 zwischen Neukölln und Treptower Park eröffnet. Die neue Trasse sorgte zumindest in Richtung Treptow nicht für die erhoffte Entlastung, sondern für zusätzliche Verkehrsprobleme rund um die Anschlussstellen in Treptow.

Befürworter hatten argumentiert, dass erst mit dem Bau des 17. Abschnitts eine funktionierende Verkehrsführung entstehe. Kritiker hingegen verweisen darauf, dass jede Erweiterung neue Engpässe und Verdrängungseffekte erzeugt. Mit der nun erfolgten Zurückstufung durch den Bund verschiebt sich die Debatte: Statt kurzfristiger Bauvorbereitungen rücken grundlegende Fragen zur langfristigen Verkehrspolitik in den Vordergrund.

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Bund-Herabstufung der A100: Reaktionen aus Politik und Verwaltung

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte den Weiterbau zuletzt als dringend notwendig bezeichnet, um die angespannte Verkehrslage in den östlichen Bezirken zu entschärfen. Auch Vertreter der Wirtschaft betonten wiederholt die Bedeutung der Autobahnverlängerung für Logistik und Pendlerverkehr.

Ganz anders bewerten Vertreterinnen und Vertreter der Opposition die aktuelle Entwicklung. Die Grünen etwa begrüßen die Entscheidung des Bundes ausdrücklich. Aus ihrer Sicht sei es ein „überfälliger Schritt“, ein Vorhaben zu stoppen, das auf einer veralteten Vorstellung von städtischer Mobilität beruhe. Statt Milliarden in Beton zu investieren, solle der Fokus auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der Radwege und einer klimaangepassten Stadtplanung liegen.

Verkehrssenatorin Ute Bonde sieht Finanzierungsprobleme beim Bund und reagiert zurückhaltend

Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) reagierte zurückhaltender. Sie machte deutlich, dass Berlin weiterhin auf eine Umsetzung dränge, die Verantwortung jedoch beim Bund liege. Das Land könne lediglich die Folgen der aktuellen Situation abfedern – etwa durch gezielte Maßnahmen rund um die bestehenden Anschlussstellen.

Die Debatte um den Weiterbau der A100 ist längst mehr als eine Frage der Verkehrslenkung. Sie berührt zentrale Konfliktlinien der Berliner Stadtentwicklung. Einerseits stehen Forderungen nach Entlastung des innerstädtischen Verkehrs und der Stärkung von Wirtschaftsstandorten. Andererseits geht es um die Frage, ob eine moderne Metropole weiterhin auf den massiven Ausbau von Autobahnen setzen sollte, oder ob Investitionen in klimafreundliche, stadtverträgliche Verkehrsmittel nicht vorrangig behandelt werden müssten.

Widersprüche der Mobilitätswende: Braucht Berlin einen Weiterbau der A100?

Der 17. Bauabschnitt der A100 wird so zu einem Symbol für die Widersprüche der Mobilitätswende. Während Befürworter den Ausbau als technische Notwendigkeit betrachten, sehen Gegner darin einen Anachronismus, der Milliarden bindet und zugleich urbane Lebensräume zerstört.

Mit der Herabstufung im Bundesverkehrsplan ist erst einmal klar: In diesem Jahrzehnt wird die Verlängerung nicht begonnen. Ob der 17. Abschnitt überhaupt realisiert wird, hängt von mehreren Faktoren ab – der finanziellen Lage des Bundes, den Prioritäten künftiger Regierungen und nicht zuletzt von der öffentlichen Akzeptanz.

Berlin steht damit vor einer offenen Situation. Einerseits bleibt der Verkehrsknoten am Treptower Park ungelöst, andererseits eröffnet die Verschiebung die Möglichkeit, die Verkehrspolitik neu zu denken. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das Projekt noch einmal Fahrt aufnimmt, oder ob es endgültig zu den Akten gelegt wird.

Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, VIZ – Verkehrs­informations­zentrale, BVG, rbb24, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, S-Bahn Berlin, CDU Berlin, Autobahn GmbH des Bundes

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One Comment

  1. mehringdamm1 21. September 2025 at 15:25 - Reply

    Ebtlasrungslüge so oft widerlegt und anhand langfristiger Zahlen belegt und trotzdem immer wieder von neuem erlogen

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