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Am 27. August soll die Eröffnung des 16. Bauabschnitts der Autobahn A100 erfolgen. Für 225.000 Euro pro Meter wird die Berliner Stadtautobahn damit auch Treptow erschließen, die neue Anschlussstelle befindet sich am Treptower Park. Kritiker warnen jedoch vor einem städtischen Verkehrschaos. Die Elsenbrücke, noch bis 2028 im Bau, könnte zur Staufalle werden.

Teuer, tief und umstritten: Die A100 wird erweitert – doch ohne funktionierende Elsenbrücke droht ein neuer Engpass. Der Stresstest für den Verkehr rund um den Treptower Park steht unmittelbar bevor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Am 27. August 2025 wird der 16. Abschnitt der Berliner Stadtautobahn A 100 planmäßig freigegeben, wie der RBB berichtet. Der Sender beruft sich dabei auf die Autobahn GmbH des Bundes. Das 3,2 Kilometer lange Teilstück verbindet das Autobahndreieck Neukölln mit dem Treptower Park. Damit endet die A 100 künftig am Treptower Park und erschließt eine weitere zentrale Achse im Berliner Verkehrsnetz.

Ursprünglich sollte dieser Abschnitt bereits Mitte des Jahres eröffnet werden, doch Lieferengpässe bei den elektronischen Verkehrszeichenbrücken verzögerten den Bau. Bemerkenswert ist vor allem der finanzielle Umfang: Mit rund 720 Millionen Euro Gesamtkosten gilt der Bau als teuerster Autobahnabschnitt Deutschlands – umgerechnet etwa 225.000 Euro pro Meter.

Treptow: 16. Bauabschnitt der A100 soll am 27. August eröffnet werden

Der neue Bauabschnitt verläuft überwiegend in einem tief liegenden Trog von bis zu sieben Metern Tiefe. Hinzu kommen knapp 400 Meter Tunnelanteil. Die aufwendige Bauform stellte Ingenieure wie Bauunternehmen vor besondere Herausforderungen und trieb die Kosten erheblich in die Höhe.

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Schon zu Beginn des Projekts im Jahr 2013 war klar, dass die Umsetzung teuer werden würde. Ursprünglich mit rund 430 Millionen Euro veranschlagt, hat sich das Budget inzwischen auf 720 Millionen Euro erhöht. Damit ist der Abschnitt nicht nur ein technisches, sondern auch ein finanzielles Großprojekt der jüngeren deutschen und Berliner Infrastrukturgeschichte.

Anwohner und Umweltinitiativen: Kritische Stimmen zum Verkehrsprojekt A100

Begleitet wurde das Vorhaben von Beginn an von Protesten und Widerstand. Für den Ausbau mussten Wohnhäuser abgerissen werden, zudem griff das Projekt stark in städtische Strukturen und bestehende Naturflächen ein. Kritiker monieren bis heute, dass mit diesem Abschnitt ein verkehrspolitisches Signal gesetzt wird, das nicht mehr in die Zeit passe.

Hinzu kommt, dass die Strecke bereits freigegeben wird, obwohl die dazugehörige Elsenbrücke erst 2028 fertiggestellt sein wird. Damit fehlen zentrale Entlastungseffekte für den Verkehr, die eigentlich als Begründung für den Ausbau angeführt wurden.

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Verkehrsbelastung wächst: Experten rechnen mit Staupotenzial am Treptower Park

Für die Anschlussstelle Treptower Park rechnet man mit bis zu 55.000 Fahrzeugen pro Tag. Zeitgleich werden täglich nahezu 70.000 Fahrzeuge die Elsenbrücke passieren. Das Problem: Die derzeitige Behelfsbrücke bietet lediglich zwei Spuren stadtauswärts und eine Spur stadteinwärts – mit einer maximalen Kapazität von rund 25.000 Fahrzeugen.

Die Folge könnte ein erhebliches Staurisiko rund um die neue Anschlussstelle sein. Anwohner, Pendler und Logistikunternehmen blicken deshalb mit gemischten Erwartungen auf die Inbetriebnahme.

Die neue Elsenbrücke wird nach derzeitigem Planungsstand erst im Jahr 2028 fertig

Erst mit dem Neubau der Elsenbrücke könnten sich die erhofften Entlastungseffekte tatsächlich einstellen. Doch dieser Neubau wird noch mindestens drei Jahre Bauzeit beanspruchen, wenn keine weiteren Verzögerungen auftreten.

Wie sich die neue Verkehrssituation auf den Straßenraum rund um den nordwestlichen Teil des Treptower Parks auswirken wird, werden die ersten Wochen nach der Eröffnung des 16. Teilabschnitts zeigen. Vor allem nach dem Ende der Ferien in der zweiten Septemberwoche wird wohl der erste große Stresstest auf die neue Anschlussstelle zukommen.

Quellen: Aktionsbündnis A100 stoppen, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Autobahn GmbH des Bundes, RBB, Berliner Morgenpost

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5 Kommentare

  1. Böhme 22. August 2025 at 03:46 - Reply

    Gut, das Ganze hat jetzt – skandalöserweise – so lange gedauert, dass man nun auch noch bis Anfang 2026 hätte warten können, bis die Elsenbrücke fertig gestellt ist. Jetzt ist das absolute Verkehrschaos vorgezeichnet. Irgendwie ist es fast schon bewunderungswürdig, wie die Verantwortlichen dieser Stadt von zwei möglichen Entscheidungen immer die falsche wählen! Und ich bin weder SPD- noch Grünen-Anhänger – aber wo sie recht haben, haben sie recht!

  2. Paul Schmidt 22. August 2025 at 14:32 - Reply

    Es ist mehr als bemerkenswert, dass die Berichterstattung grundsätzlich nur negativ stattfindet. Ich würde gern mal ein Jahr abwarten, um dann zu sehen, wie sich der Verkehr tatsächlich gestaltet. Ich bin gespannt, ob dann immer noch so eine intensive Berichterstattung stattfindet.

  3. Dipl. Ing. Verkehrswesen 25. August 2025 at 12:07 - Reply

    Die Berichterstattung ist negativ, weil die Verlängerung einer Autobahn im Jahr 2025 in einer Innenstadt einfach absoluter Quatsch ist. Verkehr ist keine konstante Größe, er folgt Angebot und Nachfrage und ist variabel. Die Verlängerung wird dazu führen dass in einigen wenigen Straßen weniger Verkehr sein wird, ganzheitlich gesehen aber dazu führen dass mehr Fahrten mit dem Auto zurückgelegt werden. Dies führt dann wieder dazu dass in irgendeinem anderen Punkt des Verkehrsnetzes eine Sättigung erreicht wird, es gibt mehr Stau. Und was man auch nicht vergessen darf: Autoverkehr erzeugt Feinstaub, Abgase, Lärm und Autos sorgen schlussendlich dafür dass Menschen im Verkehr verletzt oder getötet werden. Das Märchen, Das meerstraßen zu weniger Verkehr führen, wurde oft genug widerlegt. Das einzig Sinnvolle Verkehrsmittel für dicht besiedelte große Städte ist der ÖPNV. Und: Je mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen desto weniger Menschen fahren mit dem Auto und die die wirklich mit dem Auto fahren müssen können dies auch weiterhin tun.

  4. Böhme 25. August 2025 at 18:44 - Reply

    Was auch immer „meerstraßen „sind, es hat nach meiner Kenntnis keiner behauptet, dass mehr Straßen zu weniger Verkehr führen. Aber die umgekehrte Behauptung, dass mehr Straßen zu mehr Verkehr führen, wäre ebenso bedingungsloser Quark! Die Verlängerung einer Autobahn in einer Stadt muss, egal in welchem Jahr, überhaupt kein Quatsch sein. Es kommt auf die Planung an. Entscheidend ist, dass wir immer einen „Grundverkehr“ haben. Das ist schon mal der Verkehr, der allein wirtschaftlich betrieben wird wie z. B. Anfahrten von Discountern, Super-, Drogerie- sonstigen -märkten, die mit LKW angefahren werden. Die fuhren bisher durch innerstädtische Straßen und könnten bei konsequentem Ausbau einer Stadtautobahn eben aus weiten Teilen des innerstädtischen Netzes „vertrieben“ werden. Und es gibt nun mal auch mit PKW Durchgangsverkehr. Auch der kann umgeleitet werden. All das ist Frage einer sinnvollen Planung. Und: Jeder Bürger verantwortet die Entscheidung zu mehr oder weniger Straßen, gleich welcher Kategorie. In Deutschland ist auch letztes Jahr die Zahl der Kraftfahrzeuge kräftig gestiegen. Richtig ist, dass in Berlin die Zahl – geringfügig – rückläufig war, aber immer noch groß genug, um jeweils zur Rush-Hour viele, viele Straßen staumäßig „platt“ zu machen! Keine Politik, keine Partei hat das Recht, aus der Arroganz des „wir machen das einzig Richtige“ heraus den Willen eines ganz erheblichen Teils der Bevölkerung zu missachten!

  5. Phobos 27. August 2025 at 10:56 - Reply

    Ich bezweifle den prophezeiten Verkehrskollaps an der Elsen-Behelfsbrücke. Die Verkehrsströme ändern sich an dieser Stelle nur insofern, dass sie nicht mehr durch die Kieze, sondern direkt über die Autobahn fahren. Das wird Staus zu Stoßzeiten produzieren, weil die Blechmengen schneller und geradliniger durchkommen, aber im gesamten bleiben es die gleichen Fahrzeuge die dort die Spree überqueren müssen.
    Hier von einem neuen Problem zu reden geht nur unter der Maßgabe, dass der „induced demand“ vom ersten Tag an seine volle Wirkung entfalten würde. Das ist natürlich nicht zu erwarten.
    Leute die dieses induced-demand-Argument vorschieben und dann zum Ausgangspunkt ihrer Argumentationskette machen, trauen sich einfach nur selten ihre tatsächlich restriktiven Fantasien offen auszusprechen, weil sie genau wissen wie das dann von der Allgemeinheit aufgenommen wird.

    Am Ende muss halt doch noch einer oder zwei zur Arbeit kommen, damit das System nicht kollabiert und eine 3mio Stadt muss jeden Tag mit sehr viel Essen beliefert werden, sonst wird es sehr schnell ungemütlich. Die Rolle der Infrastruktur zu unterschätzen tut nur in Kommentarspalten keinen Schaden an. In der Realität muss man damit arbeiten was man hat und realistisch ist der Autobahn Abschnitt 16 und 17 das effizienteste Mittel.

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