Der Neubau der Berliner Elsenbrücke verzögert sich erneut. Grund sind wetterbedingte Einschränkungen, Personalmangel und organisatorische Probleme. Für den Verkehr rund um die Spreequerung bedeutet das weitere Monate mit massiven Staus und provisorischen Lösungen.

Radspur wird gestrichen, Autospur eingerichtet: Die Berliner Verkehrsverwaltung reagiert mit einem umstrittenen Eingriff auf die täglichen Staus rund um die Elsenbrücke. Während sich die Verwaltung von der zusätzlichen Fahrspur eine Entlastung des motorisierten Verkehrs verspricht, kritisieren Opposition und Verbände die Maßnahme scharf. Sie sehen darin einen Rückschritt für den Radverkehr und eine Gefährdung der Ziele des Berliner Mobilitätsgesetzes. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Neubau der Berliner Elsenbrücke schreitet langsamer voran als geplant. Nach jüngsten Informationen wird der westliche Brückenteil nicht wie vorgesehen im Dezember freigegeben, sondern frühestens im Januar – möglicherweise auch später. Für die Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet dies, dass sich die massiven Staus im Umfeld der Brücke noch mehrere Monate fortsetzen werden. Die Behelfsbrücke, über die der Verkehr derzeit abgewickelt wird, bleibt damit ein Nadelöhr für alle Verkehrsteilnehmer.
Hauptursachen der Verzögerung sind das schlechte Wetter der vergangenen Wochen und fehlendes Fachpersonal, wie der Tagesspiegel berichtet. Aufgrund starker Regenfälle konnten notwendige Schweißarbeiten nicht wie vorgesehen durchgeführt werden. Zusätzlich erschwerten Einbrüche in Baucontainer, ein Arbeitsunfall sowie mangelhafte Leistungen von Subunternehmen den Ablauf. Einzelne Auftragnehmer mussten nach Angaben von Projektbeteiligten sogar von der Baustelle verwiesen werden.
Elsenbrücke in Treptow: Verkehrssenatorin Bonde kündigt Fertigstellung im Winter an
Verkehrssenatorin Ute Bonde deutete die Terminverschiebung bereits im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses an. Sie erklärte, der westliche Brückenteil solle „im Winter“ fertiggestellt werden, ohne den ursprünglich kommunizierten Dezember-Termin zu bestätigen. Beobachterinnen und Beobachter werten laut Tagesspiegel dies als stillschweigende Abkehr vom bisherigen Zeitplan. Bonde wiederholte lediglich die allgemeine Aussage, dass eine Verkehrsfreigabe im Winter möglich sei, was den Spielraum deutlich erweitert.
Der Senat betont, die Arbeiten würden eng überwacht und regelmäßig kontrolliert. Auch die Bauaufsicht sei häufig auf der Baustelle, um Fortschritte zu dokumentieren. Doch selbst wenn Mitte Oktober das zentrale Brückenteil eingesetzt wird, reichen die verbleibenden Wochen bis Weihnachten nicht aus, um alle Folgearbeiten abzuschließen. Damit bleibt die Behelfsbrücke weiterhin der zentrale Engpass für den Verkehr.
Neue A100 verschärft Staus und zusätzliche Autospur sorgt für Streit um Mobilitätsgesetz
Seit der Eröffnung des neuen A100-Abschnitts hat sich die Lage an der Elsenbrücke spürbar verschärft. Autofahrerinnen und Autofahrer, Radfahrende und Fußgänger sind gleichermaßen betroffen. Zwischenzeitlich musste die BVG sogar den Betrieb einzelner Buslinien einstellen. Vertreterinnen und Vertreter von SPD, Grünen und Linken forderten daraufhin, den neuen A100-Abschnitt vorübergehend zu schließen, bis der westliche Brückenteil fertiggestellt ist.
Um die Situation zumindest stadteinwärts zu verbessern, hat der Senat kürzlich eine zusätzliche Fahrspur für Autos eingerichtet. Dafür wurde ein Radweg gestrichen und auf einen Zweirichtungsradweg verlagert. Bonde betonte, dass dies die Kapazität für den Autoverkehr erhöhe und zugleich die Sicherheit für Radfahrende verbessere. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin jedoch einen Rückschritt für die Ziele des Berliner Mobilitätsgesetzes.
Zukunft der Elsenbrücke: Verzögerungen beim Westteil werfen Fragen zum Gesamtzeitplan und zum östlichen Neubau auf
Derzeit bleibt abzuwarten, wie sich die Verzögerung beim westlichen Teil auf den Gesamtzeitplan auswirkt. Eigentlich sollte bereits die Ausschreibung für den östlichen Brückenteil erfolgen, doch dies ist bisher nicht geschehen, wie der Tagesspiegel berichtet.
Für Berlin bedeutet dies, dass sich die Phase provisorischer Lösungen weiter verlängert. Die Elsenbrücke bleibt damit auch in den kommenden Jahren ein Sinnbild für die Schwierigkeiten großer Infrastrukturprojekte.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, VIZ – Verkehrsinformationszentrale, BVG, rbb24, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, S-Bahn Berlin, Changing Cities
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CDU Verkehrsverwaltung at its best. Ansonsten freu ich mich schon auf die Schlagzeilen: „Elsenbrücke fertig, trotzdem Dauerstau“. Entweder wir das dann als Begründung für Bauabschnitt 17 genutzt oder man verweigert sich endlich dem Just-one-more-lane-bro Narrativ und sieht ein, dass die Förderung des Autoverkehrs in Städten, in denen Platz notorisch knapp und Menschen zahlreich sind, absoluter Quatsch ist.