Täglich rollen rund 180.000 Fahrzeuge über die Rudolf-Wissell-Brücke im Berliner Westen – ein Bauwerk, das längst an seine Grenzen gestoßen ist. Während der Verkehr weiter fließt, rückt der Ersatzneubau Schritt für Schritt näher. Doch die Umsetzung bleibt ein komplexes Projekt im laufenden Betrieb.

Das rund 930 Meter lange Spannbetonbauwerk aus den frühen 1960er-Jahren ist für die heutige Verkehrsbelastung nicht mehr ausgelegt und gilt als erneuerungsbedürftig. / © Foto: Wikimedia Commons, Kanakari in der Wikipedia auf Deutsch, CC BY-SA 3.0
© Titelbild: IMAGO
Auf der A 100 im Nordwesten Berlins führt kaum ein Weg an ihr vorbei: der Rudolf-Wissell-Brücke. Der Verkehr bündelt sich hier auf einem Abschnitt, der längst an seine Belastungsgrenze gestoßen ist.
Rund 180.000 Fahrzeuge pro Tag rollen über das rund 930 Meter langen Spannbetonbauwerk – deutlich mehr, als bei seiner Planung in den 1960er-Jahren vorgesehen war. Ein Neubau ist daher nicht mehr eine Frage des „Ob“, sondern des „Wie und Wann“.
Rudolf-Wissell-Brücke: Planfeststellung als entscheidender Schritt
Der Weg zum Entwurf begann bereits 2017 mit einem europaweiten Wettbewerb, aus dem 2018 der Sieger hervorging. In den frühen Planungen war dabei auch ein Baustart um 2025 im Gespräch. Derzeit steht jedoch weiterhin das Planfeststellungsverfahren im Mittelpunkt. Der Erörterungstermin fand im April 2025 statt und markiert einen wichtigen Verfahrensschritt, der allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Erst mit dem Planfeststellungsbeschluss wäre der rechtliche Rahmen für einen Baubeginn gegeben.
Der tatsächliche Beginn der Hauptbauphase hängt nun direkt vom Ausgang des Verfahrens und der anschließenden Ausführungsplanung ab.
Gleichzeitig dürfte der Baustart auch von der Umsetzbarkeit weiterer Großvorhaben im Nordwesten der Stadt beeinflusst werden. In diesem Zusammenhang spielt vermutlich auch der Fortschritt an der U6 eine Rolle. Solange sich dortige Maßnahmen verzögern, erscheint ein zusätzlicher Beginn umfangreicher Eingriffe im Straßennetz schwer realisierbar. Auch der Bau der Siemensbahn in Spandau beeinflusst den Neubau der Autobahnbrücke.
Klassischer Neubau nicht möglich – zwei getrennte Bauwerke geplant
Verantwortlich für den Ersatzneubau ist die DEGES im Auftrag des Bundes. Die Besonderheit: Ein klassischer Abriss ist nicht möglich. Deshalb sieht der Siegerentwurf des Büros Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) vor, zwei getrennte Brückenbauwerke zu errichten, jeweils eines pro Fahrtrichtung. Die Brücke wird nicht einfach ersetzt, sondern in mehreren Etappen neu aufgebaut. Geplant sind zwei getrennte Bauwerke für die jeweilige Fahrtrichtung.
Der Ansatz „Alt hilft Neu und Neu hilft Alt“ bedeutet konkret: Zunächst wird eine neue Brücke neben dem Bestand gebaut, anschließend der Verkehr umgelegt und das alte Bauwerk zurückgebaut. Erst danach folgt der zweite Neubauabschnitt. Trotz der Dimension soll der Verkehr währenddessen weitgehend aufrechterhalten werden, mit mindestens drei Fahrstreifen pro Richtung.

Der Siegerentwurf sieht vor, die bestehende Brücke durch zwei getrennte Bauwerke für jeweils eine Fahrtrichtung zu ersetzen und den Verkehr während der Bauzeit abschnittsweise aufrechtzuerhalten. / © Leonhardt, Andrä und Partner (LAP)
Nächste Schritte im laufenden Verfahren: Baustart an Rudolf-Wissell-Brücke noch offen
Bis zum Baustart bleiben mehrere Punkte entscheidend: der Abschluss des Planfeststellungsverfahrens, die technische Ausführungsplanung sowie die konkrete Bauphasenlogistik im dicht bebauten Umfeld zwischen Siemensstadt, Bahntrassen und Charlottenburger Dreieck.
Parallel dazu werden Fragen zu Verkehrsführung, Lärmschutz und den Eingriffen in die Umgebung weiter konkretisiert. Klar ist: Erst wenn diese Bausteine zusammenfallen, kann aus der Planung ein tatsächlicher Baustart werden – und damit der Übergang in eine mehrjährige Bauphase im laufenden Verkehr.
Rudolf-Wissell-Brücke
Quellen: DEGES, Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG
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