In Charlottenburg liegt eine Machbarkeitsstudie für einen Deckel über der A100 vor. Sie zeigt, wie die 470-Millionen-Euro-Idee technisch aussehen könnte und welche Fragen offenbleiben. Ein Berliner Architekt hatte dazu bereits vor Jahren einen ganz konkreten Entwurf erstellt.

Rund um die A100-Anschlussstelle Kaiserdamm kommt es im Zuge der Brückenbauarbeiten (Ersatzneubau Ringbahnbrücke) zu Einschränkungen. Die Ein- und Ausfahrt Kaiserdamm ist für den Verkehr weiterhin gesperrt. / © Wikimedia Commons, LarsMueller, CC0
© Titelbild / Visualisierung: Lindner Planungsbüro
Zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke könnte die A100 in Charlottenburg eines Tages unter einem Deckel verschwinden. Die technische Prüfung liegt vor, eine politische Entscheidung steht weiter aus. Aber eine konkrete Idee gibt es schon.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Lage: A 100 zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke
- Länge: rund 300 Meter
- Breite: rund 100 Meter
- Kostenschätzung: bis zu 470 Millionen Euro Gesamtkosten
Die 470-Millionen-Euro-Idee für den Deckel über der A100 in Charlottenburg zielt auf einen Abschnitt, der die Stadt deutlich trennt. Die DEGES prüfte dafür im Auftrag Berlins den Bereich zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke. Dort liegen die Fahrbahnen der Autobahn seitlich der Bahntrassen in einer Tallage. Genau diese Lage macht den Abschnitt aus Sicht des Senats als Pilotprojekt geeignet.
So könnte der Deckel über der A100 in Charlottenburg aussehen
Die bevorzugte Lösung sieht ein vierfeldriges Rahmenbauwerk vor. Die A100 Richtung Süden, die Fernbahn, die S-Bahn und die A100 Richtung Norden würden jeweils eigene Tunnelröhren bekommen. In großen Teilen käme Stahlbeton zum Einsatz. An der Anschlussstelle Kaiserdamm bräuchte das Bauwerk zusätzlich Spannbetonfelder, weil dort größere Stützweiten nötig wären.
Trotzdem zeigt die Untersuchung, was oberirdisch möglich wäre. Der Deckel könnte neue Flächen für Erholung, Sport, Grün und bessere Wege schaffen. Auch ein Radschnellweg entlang der Autobahn gehörte zu den Prüfaufgaben.
Deckel über der A100: Vom technischen Bauwerk zum möglichen Stadtraum
Ein älterer Entwurf des Lindner Planungsbüros geht noch weiter: Anders als die aktuelle Machbarkeitsstudie, die vor allem die technische Umsetzbarkeit einer Überbauung untersucht, versteht sich der Entwurf als umfassendes Konzept zur Stadtreparatur. Im Mittelpunkt steht ein Abschnitt der A100 zwischen dem S-Bahnhof Halensee und dem Hohenzollerndamm. Dort soll die Stadtautobahn vollständig überbaut werden, um auf der neu entstehenden Fläche ein autofreies Wohnquartier zu errichten.
Vorgesehen sind in dem Entwurf rund 3.000 Wohnungen sowie zusätzliche Grünflächen, Fahrradwege und soziale Infrastruktur. Außerdem sollen bislang voneinander getrennte Straßen und Quartiere wieder miteinander verbunden werden. Nach Vorstellung der Planer würde die Autobahn ihre trennende Wirkung verlieren und der neu gewonnene Stadtraum den umliegenden Kiezen zugutekommen.

So könnte eine Überbauung der A100 in Berlin-Charlottenburg aussehen. Nach Plänen des Architekten Mario Lindner könnten auf diese Weise mehrere tausend neue Wohnungen entstehen. Zudem würde die Autobahn die angrenzenden Kieze nicht mehr durchtrennen. / © Visualisierung: Lindner Planungsbüro
A100-Deckel: Versiegelte Verkehrsflächen mehrfach nutzen
Die Architekten sehen das Projekt ausdrücklich nicht nur als Wohnungsbauvorhaben, sondern als Möglichkeit, versiegelte Verkehrsflächen mehrfach zu nutzen. Während der Verkehr unter dem Bauwerk weiterfließen würde, könnten darüber Wohnungen, Grünanlagen und neue Wegeverbindungen entstehen.
Die Wohnungen könnten in Kooperation mit landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften entwickelt werden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Vorbild A7 in Hamburg? Flächen über der Stadtautobahn könnten nutzbar gemacht werden
Als Beispiel für die grundsätzliche Machbarkeit verwiesen die Initiatoren auf die bereits realisierte Überdeckelung der Autobahn A7 in Hamburg. Der Entwurf von Mario Lindner für die Deckelung der A100 in Berlin blieb (bislang) jedoch nur ein Konzept und wurde nie weiterverfolgt.
Für den Deckel in Charlottenburg bleibt der nächste Schritt offen. Die Machbarkeitsstudie ist abgeschlossen und könnte im Abgeordnetenhaus beraten werden. Erst danach können Fachgremien und Politik entscheiden, ob aus der geprüften Idee ein konkretes Bauprojekt wird.

Vorbild Hamburg? In Stellingen gibt es bereits seit mehreren Jahren einen begrünten „Deckel“ für die A7. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Knobelsdorffbrücke
Kaiserdammbrücke
Quellen: Lindner Planungsbüro, DEGES, Senatskanzlei Berlin, Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/18498, Hamburg.de, Autobahn GmbH, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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5 Kommentare
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Mir erschließt sich diese Stelle nicht:
„Als Beispiel für die grundsätzliche Machbarkeit verwiesen die Initiatoren auf die bereits realisierte Überdeckelung der Autobahn A7 in Hamburg. Der Entwurf von Mario Lindner blieb jedoch ein Konzept und wurde nie weiterverfolgt.“
Wurde es nun realisiert oder nicht?
Beste Grüße
Er hat es 2019 schon vorgeschlagen, aber natürlich bisher nicht realisiert, und zukünftig auch nicht, da kein Geld.
https://www.morgenpost.de/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/article217125127/A100-Berlin-Wie-die-ueberbaute-Stadtautobahn-in-Berlin-aussehen-koennte.html
Grundsätzlich eine gute Idee. Weitergeführt fragt man sich, ob dies nicht ein Konzept für den Rest der A100 sein könnte und auch für die A103, da dort in ziemlich guten Stadtlagen wertvoller Raum verschwendet wird. Vorteile liegen auf der Hand: Lärm- und Hitzeschutz, Verbesserung der Luftqualität (man könnte die Abluft zum Beispiel filtern, bevor sie abgelassen wird), zusätzlicher Wohnraum, Grünflächen, Aufenthaltsqualität. Auch konnte man überlegen, ob man nicht einfach eine Stadtstraße draus macht, 50 km/h, nur eine Seite als Fahrbahn. Damit würde man auch den Durchgangsverkehr reduzieren und erhält gleichzeitig die lokale Verkehrsverbindung. Möglichkeiten gibts viele nur so wie es ist sollte es nicht bleiben.
Fürchterlich dieses Geheule und den Lärm in der Stadt.
Alle wollen in der Großstadt wohnen und es soll alles in der Nähe sein.
Also Flughafen, Zentralbahnhof, Kindergärten, Einkaufcenter, Schulen, Kinos, Theater, Freizeiteinrichtungen, Parkplätze, große Straßen usw. usw.
Aber bitte keinen Lärm und keinen Dreck.
Sollen diese ewigen Meckerer doch auf irgendein Kaff in Mecklenburg-Vorpommern ziehen, da haben sie ihre Totenstille
Als ob das realisiert wird. Seit 10 Jahren immer mal wieder kommt es auf.
Berlin hat doch kein Geld und die Einschränkungen durch den Bau. Ich weiß ja nicht aber glaube da gibt es erstmal bessere Sachen die mehr bringen.