Am Kottbusser Tor sollen 84 Gewerbeeinheiten saniert werden. Kündigungen sorgen für Fragen. Die Gewobag erklärt nun, wie es mit den Läden weitergeht.

Das Zentrum Kreuzberg prägt mit seinen Geschäften und gastronomischen Angeboten das Umfeld des Kottbusser Tors. Die geplante Sanierung betrifft zahlreiche Gewerbeeinheiten des Komplexes. / © Foto: Wikimedia Commons, Leonhard Lenz, CC0
© Titelbild: depositphotos.com
Am Kottbusser Tor steht eine größere Sanierung bevor. Betroffen ist ausgerechnet das Gewerbe im Neuen Kreuzberger Zentrum, das den Kotti seit Jahrzehnten prägt. Kündigungen und geplante Auszüge sorgen deshalb für Unsicherheit. Eine aktuelle Antwort des Berliner Senats zeigt nun genauer, wie die Gewobag mit den bestehenden Betrieben umgehen will.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Adalbertstraße, Skalitzer Straße und Reichenberger Straße, 10999 Berlin
- Projektstatus: Sanierung der Gewerbeflächen in Vorbereitung
- Betroffene Gewerbeeinheiten: 84
- Fertigstellung: bis Ende 2029 vorgesehen
Das Neue Kreuzberger Zentrum gehört seit 2017 zur landeseigenen Gewobag. Zum Bestand gehören 295 Wohnungen und 84 Gewerbeeinheiten. Nun steht eine umfassende Erneuerung der Gewerbeflächen an. Nach Angaben der Gewobag machen der Zustand und das Alter des Komplexes Arbeiten an Leitungen, Fassaden, Dächern, Fenstern und Schaufenstern notwendig. Hinzu kommen Maßnahmen beim Brand- und Wärmeschutz.
Kottbusser Tor: Sanierung ist bei laufendem Betrieb nicht möglich
Für die Gewerbetreibenden hat das direkte Folgen. Die Gewobag will abschnittsweise bauen, doch in den jeweils betroffenen Bereichen müssen die Flächen vollständig geräumt werden. Ein durchgehender Geschäftsbetrieb ist nach aktuellem Planungsstand nicht möglich. Allerdings sollen nicht alle 84 Einheiten gleichzeitig leergezogen werden. Die Zeiträume unterscheiden sich je nach Bauabschnitt und Geschäft.
Besonders konkret wird die Antwort bei der sogenannten Gewerbeinsel. In der parlamentarischen Anfrage ist von rund 20 Gewerbemietern die Rede, die ihre Geschäfte bereits im Oktober 2026 räumen sollen. Die Gewobag erklärt, dass frühere Informationen wegen noch laufender Planungen, interner Entscheidungen sowie gesetzlicher und vertraglicher Fristen nicht möglich gewesen seien. Über den tatsächlichen Zeitpunkt des Auszugs sollen nun individuelle Vereinbarungen getroffen werden.

Das Kotticafé gehört zu den zahlreichen Gewerbebetrieben am Kottbusser Tor. Insgesamt sollen 84 Gewerbeeinheiten des Neuen Kreuzberger Zentrums saniert werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Babewyn, CC BY-SA 4.0
Kündigung am Kotti bedeutet nicht das endgültige Aus
Entscheidend ist dabei: Eine Kündigung soll nach Darstellung von Senat und Gewobag nicht automatisch das Ende eines Betriebs am Kottbusser Tor bedeuten. Die Gewobag will möglichst viele der bestehenden Unternehmen halten und nach den Arbeiten neue Mietverträge abschließen. Eine Garantie für die Rückkehr jedes einzelnen Betriebs gibt es allerdings nicht. Auch die künftigen Mietkonditionen stehen noch nicht fest.
Für notwendige Umzüge stellt die Gewobag individuelle Ausgleichsregelungen und organisatorische Hilfe in Aussicht. Umfang und Form hängen jedoch vom jeweiligen Vertrag und von den Folgen der Bauarbeiten ab. Selbst bei langfristig laufenden Verträgen hält die Gewobag eine unveränderte Fortsetzung während der Arbeiten nicht für möglich. Aufhebungsverträge können deshalb auch dazu dienen, Ausgleich, Umzug und eine spätere Rückkehr individuell zu regeln.
Neue Mietverträge am Kottbusser Tor: Konditionen noch offen
Offen bleibt damit eine für die Betriebe zentrale Frage: Was kostet die Rückkehr? Zu möglichen neuen Mieten macht die Gewobag derzeit keine Angaben. Die Anpassungen sollen sich an den gesetzlichen Vorgaben und an der bestehenden Kooperationsvereinbarung orientieren. Eine gemeinsame Versammlung aller Gewerbemieter plant das Unternehmen nicht. Stattdessen führt die Gewobag Einzelgespräche.
Dass die Veränderungen am Kotti größer ausfallen, zeigt auch ein aktuelles Gewerbeangebot der Gewobag. Für den Kuppelbau an der Skalitzer Straße 134 bietet das Unternehmen bereits eine rund 905 Quadratmeter große Fläche an. Als Baubeginn nennt die Gewobag dort das Frühjahr 2027, verfügbar sein soll die Fläche ab Januar 2028.
Parallel laufen rund um das Kottbusser Tor weitere Planungen zur energetischen Entwicklung des Quartiers. Damit beginnt am Neuen Kreuzberger Zentrum eine längere Umbauphase, deren Folgen für viele der heutigen Gewerbetreibenden sehr unmittelbar sind.
Sanierung der Gewerbeeinheiten am Kottbusser Tor
Quellen: Abgeordnetenhaus von Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26734, Gewobag, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


