Mit einem Investitionsvolumen von rund 67 Millionen Euro entsteht im Olympiapark ein neues Sportmuseum. Der Umbau der historischen Maifeldtribüne verbindet Denkmalschutz, Kultur und moderne Veranstaltungsnutzung. Das Vorhaben ist für die Projektverantwortlichen mit einigen Herausforderungen verbunden.

Olympiapark Berlin: Die Außenbereiche des künftigen Sportmuseums nehmen bereits Gestalt an. Die Eröffnung ist für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung der Vorgängerinstitution „Verein Museum für Leibesübungen“ am 20. Juli 1925 hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zu einer Baustellenbegehung am Glockenturm im Berliner Westend eingeladen.
- Was? Umbau der Maifeldtribüne zum neuen Sportmuseum Berlin mit Sportfunktionsflächen
- Wo? Maifeldtribüne am Glockenturm im Olympiapark Berlin (Charlottenburg-Wilmersdorf)
- Kosten: Rund 67 Millionen Euro
- Bauherr: Land Berlin (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen / Senatsverwaltung für Inneres)
- Fertigstellung: Hochbau bis Ende 2026, Eröffnung des Museums in der ersten Jahreshälfte 2027
Das Sportmuseum Berlin verfügt über die größte und vielfältigste Sportsammlung Deutschlands. Künftig soll diese erstmals im Rahmen einer Dauerausstellung dauerhaft der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Sportmuseum im Glockenturm: Abgeordnetenhaus beschloss das Projekt bereits im Jahr 2010
Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, sowie Franziska Becker, Staatssekretärin für Sport, hoben zu Beginn der Baustellenbegehung die Bedeutung des bereits 2010 angestoßenen Projekts hervor.
Neben einer stärkeren Einbindung des Maifelds für sportliche Veranstaltungen liegt der Schwerpunkt auf einem neuen Museumskomplex mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten im Olympiapark. Dafür wird der bislang ungenutzte Nordflügel des Tribünengebäudes der denkmalgeschützten Maifeldtribüne umfassend umgebaut.
Mehr Kultur- und Sportveranstaltungen sollen am und auf dem Maifeld stattfinden
Auf einer Fläche von insgesamt rund 2.000 Quadratmetern entstehen Ausstellungs- und Interaktionsbereiche, Räume für Veranstaltungen und Museumspädagogik, ein Servicebereich, ein Museumscafé sowie interne Technik-, Arbeits- und Lagerflächen. Im Außenbereich unterhalb der nördlichen Portaltreppe ist zudem ein kleiner Museumsgarten vorgesehen.
Bislang konnten die Museumsbestände der Öffentlichkeit ausschließlich im Rahmen von Sonder- und Wanderausstellungen präsentiert werden. Mit der Übertragung der Trägerschaft auf die Senatsverwaltung für Inneres wurde das Tribünengebäude der Maifeldtribüne am Glockenturm im Olympiapark als dauerhafter Standort des Sportmuseums festgelegt.
Neues Sportmuseum soll das Angebot im Olympiapark erweitern
Die Finanzierung des Projekts erfolgt über die Senatskanzlei aus verschiedenen Förderprogrammen, darunter auch Mittel der Europäischen Union. Mit dem neuen Museumsstandort wird das bestehende Informations- und Serviceangebot des Olympiaparks erweitert.
Entstehen soll ein zentrales Ausstellungszentrum des Berliner Sports, das in das gemeinsame Besucherkonzept von Olympiastadion und Olympiapark integriert wird und sich zu einem touristischen Anziehungspunkt im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf entwickeln soll.

Sportstaatssekretärin Franziska Becker und Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler informierten sich bei einer Baustellenbegehung über den Stand der Arbeiten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Neue Sportfunktionsflächen ergänzen das Sportmuseum
Neben den Räumlichkeiten für das Sportmuseum umfasst die Baumaßnahme auch Sportfunktionsflächen mit Umkleide- und Sanitärbereichen, die die Durchführung von Sportveranstaltungen auf dem Maifeld ermöglichen sollen.
Räumlich sind diese Bereiche zwar vom Sportmuseum getrennt, sie nutzen jedoch gemeinsam die haustechnischen Anlagen.
Planung und Ausstellungsbau wurden schrittweise vergeben
Nach der erneuten Durchführung eines Vergabeverfahrens im Mai 2015 wurde das Büro Thomas Müller Ivan Reimann Architekten mit der Ausführungsplanung sowie der Bauüberwachung beauftragt.
Für die Realisierung der Dauerausstellung erhielt die Schiel Projektgesellschaft mbH im November 2023 den Auftrag für die Ausführungsplanung und den Ausstellungsbau auf Grundlage des Ausstellungskonzepts von Andreas Pinkow (Focus + Echo).
Schäden an der Maifeldtribüne machten zusätzliche Maßnahmen erforderlich
Im Zuge der Arbeiten am Sportmuseum zeigte sich das erhebliche Ausmaß der Schäden an der Maifeldtribüne. Für die notwendige Abdichtung des Bauwerks mussten daher eigenständige Planungsunterlagen erstellt werden.
Die umfassende Erneuerung der mangelhaften Abdichtung hatte Vorrang vor dem Ausbau des Sportmuseums. Um deutlich zu machen, dass diese Arbeiten nicht unmittelbar mit dem Museumsbau zusammenhängen, sondern ausschließlich der Sicherung und Erhaltung der denkmalgeschützten Anlage dienen, wurden beide Maßnahmen voneinander getrennt.
Schäden am Tragwerk führten zu erheblichen Bauverzögerungen
Zum einen umfasst das Projekt die Errichtung der Dauerausstellungsfläche für das Sportmuseum Berlin, zum anderen die Abdichtung der nördlichen, westlichen und südlichen Gebäudeteile der Maifeldtribüne.
Trotz umfangreicher Voruntersuchungen wurden im weiteren Bauverlauf erhebliche Schäden am Stahl- und Stahlbetontragwerk festgestellt. Zudem mussten die unteren Betontribünen aufgrund akuter Einsturzgefahr zurückgebaut werden. Die Sanierung und Sicherung des Stahltragwerks sowie der Wiederaufbau der Südtribüne führten zu erheblichen Verzögerungen im Projektablauf.

Blick in den künftigen Museumsbereich der Maifeldtribüne. Im Inneren laufen derzeit umfangreiche Arbeiten an Tragwerk, Haustechnik und den späteren Ausstellungsflächen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Baubetrieb muss mit Veranstaltungen im Olympiapark abgestimmt werden
Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang, dass die Baumaßnahmen während des laufenden Betriebs und der saisonalen Nutzung des Maifelds, des Olympiaparks, der Waldbühne und des Olympiastadions durchgeführt wurden, eine rein logistische Herausforderung.
Der Baubetrieb muss daher kontinuierlich auf die Veranstaltungen im Olympiapark abgestimmt werden. Während einzelner Veranstaltungen mussten die Bauarbeiten zeitweise eingestellt, die Baustellenlogistik umgeleitet sowie zusätzliche Sicherheitsabsperrungen und Fluchtwege eingerichtet werden.
Maifeld-Tribünen im Olympiapark: Investitionsvolumen von rund 67 Millionen Euro
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich gemäß der III. Ergänzungsunterlage vom 10. Juli 2024 auf rund 67 Millionen Euro, wie der Berliner Senat mitteilte.
Mit der Fertigstellung des Hochbaus wird derzeit bis Ende 2026 gerechnet. Die Eröffnung des Sportmuseums einschließlich der Sportfunktionsflächen ist für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen.
Maifeld und Tribünen sind Teil des historischen Olympiageländes
Die Maifeldtribüne entstand zwischen 1934 und 1936 als Teil des damaligen Reichssportfeldes nach Plänen des Architekten Werner March. Gemeinsam mit dem Olympiastadion, dem Glockenturm und dem Maifeld bildete sie das architektonische Zentrum der Olympischen Sommerspiele 1936.
Das rund 112.000 Quadratmeter große Maifeld diente damals nicht nur sportlichen Wettbewerben, sondern war zugleich als monumentales Aufmarschgelände für politische Massenveranstaltungen des NS-Regimes konzipiert.

Von der Maifeldtribüne bietet sich ein Blick über das Maifeld, das künftig stärker für Sport-, Kultur- und Großveranstaltungen genutzt werden soll. Aktuell werden noch die Überreste des Lollapalooza-Festivals abgebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Vom historischen Veranstaltungsort zum modernen Sportstandort
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die britischen Streitkräfte das Gelände über mehrere Jahrzehnte. Erst nach ihrem Abzug Mitte der 1990er Jahre wurde das Maifeld schrittweise wieder für den Sport- und Veranstaltungsbetrieb geöffnet.
Heute finden dort unter anderem Football- und Poloturniere sowie weitere Sport- und Kulturveranstaltungen statt. Darüber hinaus dient die Fläche regelmäßig als Erweiterungs- und Logistikbereich für Veranstaltungen im benachbarten Olympiastadion.
Denkmalschutz stellt hohe Anforderungen an die Sanierung
Die Maifeldtribüne und das gesamte Olympiagelände stehen heute unter Denkmalschutz und zählen zu den bedeutendsten Sportstätten des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Sämtliche Baumaßnahmen müssen deshalb den historischen Bestand bewahren und gleichzeitig den heutigen Anforderungen an Sicherheit, Barrierefreiheit und eine zeitgemäße Nutzung gerecht werden.
Diese Verbindung aus denkmalgerechter Sanierung und moderner Infrastruktur macht den Umbau besonders anspruchsvoll. Dennoch ist das Potenzial des Geländes in den vergangenen Jahren nicht ausgenutzt worden. Durch die nun laufende bauliche Modernisierung und eine Anpassung des Nutzungskonzepts soll sich das künftig ändern.

Aus dem Innern der Maifeldtribüne eröffnet sich der Blick auf das Olympiastadion und das Maifeld – zentrale Bestandteile des historischen Olympiaparks. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Im bislang ungenutzten Nordflügel der denkmalgeschützten Maifeldtribüne entsteht das neue Sportmuseum Berlin. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Thomas Müller Ivan Reimann Architekten, Schiel Projektgesellschaft mbH
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