In Berlin sind derzeit 58 Hochhäuser in Planung, mit deutlichen Schwerpunkten in Mitte, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Geplant sind vor allem Mischnutzungen aus Wohnen, Gewerbe und öffentlich zugänglichen Flächen. Dabei sollen jedoch nur die wenigsten Projekte über 100 Meter hoch werden.

Visualisierung Außenbereich des Central Towers

Berlin steht vor einer Phase vertikaler Stadtentwicklung: Zahlreiche Hochhausprojekte befinden sich in Planung und könnten das Stadtbild der kommenden Jahre prägen. Eines der geplanten Vorhaben ist der 27-geschossige „Central Tower“ an der Jannowitzbrücke in Berlin-Mitte. / © Visualisierung: Dorte Mandrup architects

© Visualisierung Titelbild: LANGHOF GmbH

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Für die einen sind sie Ausdruck einer wachsenden Metropole, für die anderen ein Eingriff ins vertraute Stadtbild: Hochhäuser. Wie schon beim „Amazon-Tower“ werden auch aktuelle Neubauprojekte wie der Estrel-Tower oder der Covivio-Tower am Alexanderplatz von Öffentlichkeit und Fachkreisen – teils zustimmend, teils kritisch – genau beobachtet. Kaum ein anderes Bauthema bewegt Berlin so regelmäßig wie die Frage, wie viel Vertikale die Stadt verträgt.

Nun liegen konkrete Zahlen vor: 58 Hochhausvorhaben befinden sich derzeit im Planungsprozess, die in den Anwendungsbereich des Hochhausleitbilds fallen. Weiterhin befinden sich 37 Hochhäuser in der Planung, die nicht bzw. bisher nicht in den Anwendungsbereich des Leitbildes fallen.

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Die meisten Hochhäuser sind in Berlin-Mitte geplant

Ausgangspunkt für die aktuelle Bestandsaufnahme ist eine Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Julian Schwarze (GRÜNE). Darin wurde eine Tabelle veröffentlicht, die sämtliche Hochhausvorhaben auflistet. Aus dieser Übersicht geht nicht nur die Gesamtzahl hervor, sondern auch deren räumliche Verteilung im Stadtgebiet. Demnach konzentrieren sich die meisten Hochhausprojekte auf die Bezirke Mitte und Lichtenberg.

Hinsichtlich der geplanten Nutzung zeigt sich ein differenziertes Bild. Insgesamt berücksichtigen viele Projekte Wohnnutzung, allerdings nicht immer vollständig; oft handelt es sich um Mischnutzungen, in denen Wohnen, Gewerbe oder öffentlich zugängliche Bereiche kombiniert werden. Auch gewerbliche Nutzungen treten zahlreich auf, wobei auch hier die Anteile stark variieren – von überwiegend gewerblich bis zu gemischt genutzten Hochhäusern. Gelegentlich sind auch Nutzungen für Universitäten, Freizeit oder Gesundheit vorgesehen, allerdings in überschaubarem Umfang.

Für manche Anwohnerinnen und Anwohner mag dies Hoffnung auf lebendige Stadtquartiere wecken, für andere entstehen Fragen zu Verkehr, Infrastruktur oder Schattenwurf.

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Das Hochhausleitbild als Rahmen: Höhe allein darf kein Selbstzweck sein

Um solche Bedenken frühzeitig einzubeziehen, bildet das Berliner Hochhausleitbild den Rahmen für alle größeren Projekte. Es legt Kriterien für Standortwahl, städtebauliche Integration, architektonische Qualität und Beteiligungsverfahren fest. Hochhäuser sollen demnach nicht isoliert stehen, sondern in ein städtebauliches Gesamtkonzept eingebunden sein und öffentliche Mehrwerte schaffen.

In seiner überarbeiteten Fassung dient das Leitbild weiterhin als Orientierung. Es soll Verfahren strukturieren und Konflikte frühzeitig sichtbar machen. Dabei wird klar betont, dass Hochhäuser nur dort sinnvoll sind, wo sie das Stadtbild ergänzen und funktional begründet werden. Die Höhe allein darf kein Selbstzweck sein.

Zwischen Verdichtung und Akzeptanz: Nur vereinzelt wird die 100-Meter-Marke überschritten

Mit 58 geplanten Hochhäusern steht Berlin nun vor einer Phase, in der sich zeigen wird, wie selbstverständlich die Vertikale künftig zum Stadtbild gehört. Die Projekte markieren den Versuch, Wachstum künftig räumlich zu bündeln, statt weiter in die Fläche zu expandieren. Zugleich zeigt die Übersicht, dass die Entwicklung bislang sehr behutsam verläuft: Nur wenige Vorhaben überschreiten die 100-Meter-Marke, der Großteil bewegt sich zwischen 50 und 100 Metern. Von richtigen Skyscrapern ist Berlin damit noch weit entfernt.

Welche Projekte umgesetzt werden und welche möglicherweise im Verfahren steckenbleiben, hängt nicht zuletzt von politischen Prioritäten, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Akzeptanz in den Kiezen ab. Sicher ist nur: Die Debatte um Hochhäuser wird Berlin weiterhin begleiten, als Ausdruck einer Stadt, die wächst und sich zugleich um ihr Gesicht bemüht.

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 24 926, Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berliner Mieterverein

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10 Kommentare

  1. Guido 13. Februar 2026 at 13:31 - Reply

    Könnt ihr dazu auch eine Karte erstellen?
    Wäre doch schön zu sehen, welche Bauprojekte in der Umgebung anstehen. Die Karte könnte ja auch regelmäßig aktualisiert werden, dann wärt ihr eine tolle Anlaufstelle.

    • Marcel S. 13. Februar 2026 at 15:54 - Reply

      Vor ein paar Jahren gab es hier mal eine Karte mit allen Projekten. Keine Ahnung warum sie abgeschafft wurde.

  2. a.t. 13. Februar 2026 at 22:47 - Reply

    Das Eingangsrendering von Langhoff ist schon echt ein Trigger. Unvergleichlicher Wiedererkennungswert! Würde das gebaut in den Medien später kurz aufblitzen, würde man keine Sekunde brauchen, um zu erkennen, dass das Berlin ist. Das Tempelhofer Feld davor. Das ist schon heftig…. So etwas gäbe es kein zweites Mal. Hat leicht den Centralpark-Touch, aber doch gänzlich anders.

    • Böhme 13. Februar 2026 at 23:40 - Reply

      Sehe ich ganz anders, ich finde diese das Tempelhofer Feld „umsäumenden“ Wolkenkratzer nur albern. Und mit dem Central Park hat das überhaupt nichts zu tun.

      • Philipp 14. Februar 2026 at 11:06 - Reply

        Wieso denn albern? Die deutsche Hauptstadt wirkt im internationalen Vergleich völlig verstaubt, da würden ein paar Hochhäuser nicht nur Raum schaffen sondern auch etwas abstauben. Aber wir haben hier leider immer noch irgendwelche Uwes und Norberts die mit Hochhäusern nicht klar kommen und auch ansonsten lieber keine Veränderung im Leben haben möchten. Wir leben wahrlich in einer Gerontokratie.

        • Böhme 16. Februar 2026 at 17:13 - Reply

          „… da würden ein paar Hochhäuser nicht nur Raum schaffen sondern auch etwas abstauben.“

          Aber nicht als Perlenkette um das Flughafengebäude herum aufgereiht … das sieht lächerlich aus! Ich bin übrigens absoluter Anhänger nicht nur von Hochhäusern, sondern Wolkenkratzern gerade auch in Berlin. Aber nicht so!

      • Marcel S. 14. Februar 2026 at 20:46 - Reply

        Naja wieso albern, was ist albern an einer städtebaulichen Vision, einer Idee für etwas Neues? Es ist ein Kompromiss, die Menschen wollen nicht dass man das Temepelhoferfeld bebaut also baut man am Rand ein paar schicke Wolkenkratzer. Albern ist es, alles zu lassen wie es ist. Und wenn ma so will ist der Fernsehturm auch albern oder die Wiedererichtung des Stadtschlosses war noch alberner, die Rekonstruktion der Bauakademie ist auch total albern, sogar lächerlich. Wenn man so will ist ganze Leben albern. Was wäre denn Ihre Idee?

      • a.t. 16. Februar 2026 at 10:10 - Reply

        1. Ich habe geschrieben, es hat einen „Touch“ und nicht es ist wie der Central-Park.“ Würde man noch die Ränder, bis zum alten Rund- und Serviceweg bebauen, die immer noch eine riesige Innefläche übrig lassen würden, käme es dem noch näher. Machen Sie einen Vorschlag, wie man die Kuh „Tempelhof“ vom Eis bekommt! Es sind ja derer mindestens schon vier gemacht worden und keine davon hat bis jetzt gezündet. (Dabei fand ich die von Brandlhuber noch mit am interessantesten: https://www.entwicklungsstadt.de/kompromiss-mit-aussicht-wohnraum-im-flughafengebaeude-statt-auf-dem-tempelhofer-feld/). Ich war bei einer von den vieren mal vor längerem mit dabei und das war weder Wohnen oder Messe….Also dann mal los! Von „Albern“ und „Alles Mist“ ist noch nie was in dieser Welt geworden. 3. Das Festhalten am alten Berliner Schrunz wird aus Berlin genau das machen, was bereits seinen Anfang genommen hat: Nämlich einen Ort, wo irgendwann keiner mehr hin will. Wenn Sie das so wollen, dann sind Sie genau richtig hier.

  3. Löwe 15. Februar 2026 at 08:02 - Reply

    Wer sich die Luftaufnahmen von Berlin ansieht erkennt sofort eine Masse aus Beton gewachsen mit chaotisch platzierten, vertikal erhöhten Bauten.

    EIn Leitbild sollte daher immer auch
    – die horizontale Stadtperspektive von größeren Entfernungen in betracht ziehen.
    – die vertikale Bauweise an städtischen Knotenpunkten mit vorzug behandeln, also konkret am Alex, Zoo usw.
    – neue vertikale Flächen – vorzugsweise mit Mischnutzung, nutzen um Entlastungspunkte auszubauen, also Entsieglung an anderer Stelle und Parkanlagen ausbauen soweit das möglich ist

    Ein extremes Beispiel für vertikale Bauweise und Grünfläche zum Ausgleich findet sich in New York, Manhatten – vollgestellt mit Hochhäusern und daneben der große Central Park.

    Was hier historisch in einer Art Balance gewachsen ist, hat nachhaltigen Effekt zur Vermeidung von Hitze.

    Zitat: „..zwischen Beton und Asphalt entstehen sogenannte »Hitzeinseln«, in denen die Temperaturen besonders hoch sind. Laut dem aktuellen Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) leben mehr als 12 Millionen Menschen in deutschen Städten ohne ausreichenden Schutz vor Hitze. Die DUH kritisiert, dass viele Kommunen weiterhin keine wirksamen Hitzeaktionspläne haben, obwohl diese längst überfällig sind.“ https://blog.iao.fraunhofer.de/hot-spot-innenstadt-was-staedte-gegen-ueberhitzung-tun-koennen/

  4. Quax 15. Februar 2026 at 09:19 - Reply

    Ein Heuschreck muss nur laut genug zirpen, dann bekommt er seine Wiese bereitet. Berlin könnte mit Mut und Phantasie eine lebenswerte Stadt schaffen, verschachert sich aber in seiner Wurstigkeit an Invasoren – ‚tschuldigung… Investoren.

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