In Charlottenburg-Wilmersdorf wurden 48 neue Fahrradboxen aufgebaut, die sicheren Abstellraum im öffentlichen Straßenland bieten sollen. Die Finanzierung des Projekts bleibt jedoch nicht unumstritten.

Nach mehrjähriger Bauzeit wurde 2025 die sogenannte „Opernroute Nord“ in Charlottenburg-Wilmersdorf fertiggestellt. Um Radfahrenden auch Abstellmöglichkeiten für ihre Fahrräder zu bieten, wurden im Bezirk zusätzlich Fahrradboxen errichtet. / © Foto: GB infraVelo GmbH
© Foto Titelbild: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
Mit der Aufstellung der letzten Fahrradboxen im Dezember 2025 ist ein viel diskutiertes Projekt in Charlottenburg-Wilmersdorf formal abgeschlossen. An 48 Standorten im Bezirk stehen nun jeweils sechs abschließbare Stellplätze zur Verfügung. Sie sollen Fahrräder vor Diebstahl, Vandalismus und Witterung schützen und besonders in dicht bebauten Quartieren eine sichere Abstellmöglichkeit bieten.
Die Boxen werden langfristig vermietet. Ein Stellplatz kostet elf Euro pro Monat. Laut Bezirksamt decken diese Gebühren die laufenden Betriebskosten wie Kontrolle und Reinigung. Die Vermietung der Boxen beginnt voraussichtlich Anfang 2026.
Kostencheck: So teuer sind Berlins neue abschließbare Fahrradboxen
Die Boxen stehen unter anderem in der Tauroggener Straße, Goebelstraße oder auch in der Wilmersdorfer Straße. Jede Box verfügt über sechs einzeln mietbare Stellplätze. Sie sind vor allem dort vorgesehen, wo sichere Fahrradkeller oder Abstellflächen fehlen.
Finanziert wird das Projekt aus Bundes- und Bezirksmitteln. Die Gesamtkosten betragen rund 691.000 Euro. 75 Prozent übernimmt der Bund aus dem Programm „Stadt und Land“, 25 Prozent kommen aus Bezirksmitteln. Damit kosten die Boxen im Durchschnitt mehr als 14.000 Euro pro Standort. Die Mieteinnahmen decken nach Angaben des Bezirksamts ausschließlich die Betriebskosten, nicht jedoch die Baukosten.
Kritik an Fahrradboxen: Bund der Steuerzahler bemängelt Kosten-Nutzen-Verhältnis
Der Bund der Steuerzahler hatte das Projekt zuvor scharf kritisiert. Bereits 2021 landeten die ersten neun Fahrradboxen im Klausenerplatzkiez im Schwarzbuch. Der Verband bemängelte, dass wenige Nutzer exklusive Flächen erhalten, während die öffentlichen Baukosten vollständig vom Staat getragen werden. Auch die jetzige Ausbauphase mit 288 Stellplätzen bewertete der Verband kritisch.
Zusätzlich standen immer wieder die Kosten pro Stellplatz im Fokus. Rund 2.400 Euro pro Fahrradstellplatz gelten aus Sicht des Verbands als teuer, ebenso die laufenden Betriebsausgaben von rund 66 Euro pro Box. Im Vergleich zu Stellplätzen in Tiefgaragen erscheint dies aus Sicht der Kritiker unverhältnismäßig.
Politische Debatte um Fahrradboxen: Bezirk verweist auf Mobilitätsgesetz
Das Bezirksamt verweist hingegen auf das Berliner Mobilitätsgesetz. Dieses verlangt, sichere Abstellmöglichkeiten im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Der Bezirk bewertet die Boxen daher als Infrastruktur des ruhenden Verkehrs, ähnlich wie Fahrradbügel oder Parkscheinautomaten. Aus dieser Einordnung folgt, dass keine eigene Wirtschaftlichkeitsberechnung erforderlich sei.
Der Bund der Steuerzahler widerspricht dem. Aus seiner Sicht bedeutet „ermöglichen“ im Sinne des Gesetzes vor allem, Flächen bereitzustellen, nicht jedoch, die Infrastruktur vollständig zu finanzieren. Wer einen exklusiven Stellplatz im Straßenland erhält, müsse sich finanziell stärker beteiligen.
Fahrradsicherheit in Charlottenburg-Wilmersdorf: Nachfrage zeigt Bedeutung geschützter Stellplätze
Der Bedarf an sicheren Fahrradabstellplätzen im Bezirk ist nach wie vor hoch. Allein im ersten Halbjahr 2024 wurden mehr als 1.200 Fahrraddiebstähle registriert, zum Jahresende wurden über 2.000 Delikte verzeichnet. Über 400 Standortvorschläge seien aus der Bevölkerung eingegangen, viele davon habe man umgesetzt.
Inwieweit die Boxen nun von den Radfahrenden angenommen werden und ob sie den erhofften Schutz bieten, bleibt vorerst abzuwarten. Doch auch wenn sie nicht alle Probleme lösen, stellen sie zumindest einen kleinen Schritt in Richtung besserer Fahrradsicherheit dar, während parallel weitere Projekte umgesetzt werden könnten.
Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Schwarzbuch, Bund der Steuerzahler, Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Vasili Franco und Werner Graf (GRÜNE) vom 1. April 2025, Tagesspiegel, Berliner Morgenpost
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„Der Bund der Steuerzahler hatte das Projekt zuvor scharf kritisiert. … Der Verband bemängelte, dass wenige Nutzer exklusive Flächen erhalten, während die öffentlichen Baukosten vollständig vom Staat getragen werden.“
Schade, dass der Bund der Steuerzahler diese Kritik nicht auch angesichts sauteuer Parkhäuser oder gar Autobahnabschnitte äußert, die nur von einem kleineren Teil der Stadtbevölkerung genutzt werden. Ob das daran liegt, dass es sich hierbei um eine FDP-nahe Lobbyorganisation handelt?
Wesentlich sinnvoller wäre es Unterstellmöglichkeiten unter preiswerten Solardächern zu schaffen und Ziele zu setzen u den Fahrraddiebstahl einzudämmen. Auch 30€ pro Jahr und ein Kennzeichen am Fahrzeug wäre eine prima Sache. Falls jemand mehrere Fahrräder hat wie ich dann gibt es auch dafür eine Lösung, man muß nur wollen . Dafür müßten aber diese Themen in den Mittelpunkt des Interesses gestellt werden und nicht einzelne Straftaten in Kleinstädten welche den Menschen die Aufmerksamkeit entziehen. Brot-und Spiele…