Hamburgs U5 ist eines der größten Verkehrsprojekte der Stadt. Eine neue Studie stellt nun die Kosten infrage und schlägt ein deutlich günstigeres Straßenbahnnetz als Alternative vor.

Der nördliche Bahnsteig der U-Bahn-Station Sengelmannstraße ist bereits seit Anfang 2025 wieder in Betrieb. Derzeit laufen die abschließenden Arbeiten am südlichen Bahnsteig, dessen Umbau kurz vor dem Abschluss steht. / © Foto: Wikimedia Commons, Flor!an, CC BY 4.0
© Titelbild / Visualisierung: Sweco / Pro Eleven
Hamburg baut mit der U5 eines der größten Verkehrsprojekte seiner Geschichte. Doch eine neue Studie stellt die bisherige Strategie erneut zur Diskussion. Zwei Verkehrsexperten rechnen vor, wie ein Straßenbahnnetz große Teile der geplanten U5-Verbindungen übernehmen könnte – mit deutlich mehr Haltestellen und nach ihrer Berechnung wesentlich geringeren Kosten.
- Ort: Hamburg
- U5-Strecke: rund 29 Kilometer von Bramfeld bis Osdorf
- U5-Projektstatus: im Bau und in Planung
- Fertigstellung Gesamtstrecke: bis 2040 geplant
- Kosten U5: bislang 14 bis 16,5 Milliarden Euro, ohne die spätere Verlängerung nach Osdorf
Hamburg hat seine Straßenbahn 1978 abgeschafft. Fast fünf Jahrzehnte später taucht das Verkehrsmittel wieder in einer Debatte auf, die inzwischen Milliardenbeträge betrifft. Im Mittelpunkt steht die neue U5. Sie soll Bramfeld im Bezirk Wandsbek über Steilshoop, die City Nord, die Innenstadt, das Universitätsviertel und den Volkspark mit Lurup und Osdorf verbinden. Die HOCHBAHN rechnet nach Fertigstellung inzwischen mit rund 345.000 Fahrgästen täglich.
15 Milliarden Euro mehr für die U-Bahn
Die neue Untersuchung von Dieter Doege und Jens Ode im Auftrag der Partei Die Linke setzt genau hier an. Die beiden Autoren hatten bereits 2022 eine Studie zur U5 und einer möglichen Straßenbahn vorgelegt. Die nun aktualisierte Fassung umfasst rund 60 Seiten. Vorgeschlagen werden vier Straßenbahnlinien mit zusammen knapp 44 Kilometern Strecke und 91 Haltestellen. Dafür veranschlagen die Autoren rund 1,5 Milliarden Euro.
Zum Vergleich: Die offizielle langfristige Kostenschätzung für die U5 liegt bei 14 bis 16,5 Milliarden Euro. Die Verlängerung von den Arenen nach Lurup und Osdorf ist darin noch nicht enthalten.

Die Visualisierung zeigt eine neue Haltestelle auf der Linie U5 in Hamburg. / © Visualisierung: HOCHBAHN
Straßenbahn in Hamburg: Studie setzt auf mehr Haltestellen
Ein Kernpunkt der Untersuchung ist die Erreichbarkeit. Eine U-Bahn fährt auf der Strecke schneller, ihre Stationen liegen jedoch weiter auseinander und die Bahnsteige teilweise tief unter der Erde. Die Autoren betrachten deshalb nicht allein die Fahrzeit im Fahrzeug, sondern den gesamten Weg von Start bis Ziel.
Nach ihrer Berechnung könne die Straßenbahn dadurch bei vielen Verbindungen trotz geringerer Höchstgeschwindigkeit eine kürzere Gesamtreisezeit erreichen. Bereits die Vorgängerstudie kam zu diesem Ergebnis.
Das vorgeschlagene Netz soll zudem deutlich mehr direkte Zugangspunkte zum Schienenverkehr schaffen. Gerade in dicht bebauten Stadtteilen wie Winterhude im Bezirk Hamburg-Nord sehen die Autoren darin einen Vorteil. Zugleich argumentieren sie, dass oberirdische Gleise wesentlich schneller gebaut werden könnten als Tunnel, unterirdische Stationen und Notausgänge. Die Studie bewertet die Straßenbahn deshalb nicht als Ersatz für das bestehende U-Bahn-Netz, sondern als Alternative für Teile des geplanten weiteren Ausbaus.
U5 in Hamburg: HOCHBAHN hält U-Bahn für leistungsfähiger
Die HOCHBAHN kommt zu einer anderen Bewertung. Sie verweist vor allem auf die benötigte Kapazität. Auf stark belasteten Abschnitten könne eine Straßenbahn die erwarteten Fahrgastmengen nicht ausreichend aufnehmen. Außerdem fährt die U5 vollständig unabhängig vom Straßenverkehr und soll vollautomatisch in einem Takt von bis zu 90 Sekunden verkehren. Die gesamte Linie soll nach aktuellem Stand bis 2040 fertiggestellt werden.
Gleichzeitig ist die U5 längst kein reines Planungsprojekt mehr. Im Osten Hamburgs laufen die Bauarbeiten. Zwischen Sengelmannstraße und City Nord soll 2029 der erste Abschnitt mit Fahrgästen in Betrieb gehen. Bis Borgweg ist die Eröffnung für 2033 vorgesehen, Jarrestraße soll 2035 folgen. Auch die Planungen für den Hamburger Westen schreiten voran.
Straßenbahn oder U-Bahn: Entscheidung in Hamburg längst teilweise gefallen
Die neue Studie verändert daher zunächst nicht die laufenden Bauarbeiten. Sie liefert vielmehr neue Argumente für die politische Debatte über die noch nicht gebauten Abschnitte. Die Autoren schlagen unter anderem vor, die U5 nach dem Ausbau bis Borgweg nicht wie geplant vollständig weiterzuführen. Stattdessen sollen vorhandene Strecken der U2 und U3 stärker genutzt und weitere Verbindungen mit Straßenbahnen geschaffen werden.
Damit treffen zwei grundsätzlich verschiedene Konzepte aufeinander. Hamburg und die HOCHBAHN setzen auf eine leistungsfähige, vom Straßenverkehr getrennte U-Bahn. Die Studienautoren wollen dagegen mit deutlich weniger Geld ein größeres oberirdisches Schienennetz schaffen. Ob diese Straßenbahn-Alternative politisch noch Einfluss auf die U5-Planung bekommt, ist offen. Fest steht bislang nur: Der Bau der U5 läuft aktuell weiter.
Quellen: Studie „U5 in Hamburg / Alternative Straßenbahn“, Hamburger Hochbahn AG, WELT
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2 Kommentare
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Verfluchte Axt, wieder ist gegen Vernunft und Bürgerwunsch zu Gunsten der Scheissautos entschieden worden! Strassenbahnen sind nicht ohne Grund weltweit populär. Soviel Zeit und soviel Geld für minder effizienten ÖPNV einzusetzen ist schon fast kriminell.
U5 von Bramfeld bis Borgweg sinnvoll. Danach Irrsinn! U5 versiegelt ab Borgweg die Stadt, Barmbeker Straßenbrücke wird komplett verschoben, Kleingärten müssen weichen für Baustelleneinrichtungsflächen und danach dort Luxuswohnungsbau. Irre.