Wie viel Wirtschaftskraft hängt am Flughafen BER? Fast sechs Jahre nach seiner Eröffnung liegt eine Bilanz zur wirtschaftlichen Bedeutung des BER vor. Sie zeigt wie groß die Auswirkungen für die gesamte Region sin, aber auch das Nachholbedarf bei Flugangebot und Anbindung besteht.

Der BER zählte 2025 rund 26,1 Millionen Passagiere. In der Unternehmensbefragung zeigten sich jedoch nur sieben Prozent der international tätigen Betriebe mit dem Langstreckenangebot zufrieden. / © Foto: Flughafen Berlin Brandenburg
© Titelbild: BER / Günter Wicker
Rund 35.200 Vollzeitarbeitsplätze in Berlin und Brandenburg hängen nach Berechnungen einer neuen Studie direkt oder indirekt vom Flughafen BER ab. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald hat die Studie in Auftrag gegeben und gemeinsam mit der Flughafengesellschaft am 30. September vorgestellt.
Das Leipziger Beratungsunternehmen CONOSCOPE wertete für die Studie interne Betreiberdaten aus, befragte 1.004 Unternehmen und führte 19 Interviews mit Expertinnen und Experten. Ziel war es, die wirtschaftliche Wirkung des Flughafens auf die Hauptstadtregion erstmals umfassend seit der Eröffnung zu beziffern.
Arbeitsplätze in Berlin und Brandenburg: Jede Stelle am Flughafen zieht weitere nach sich
Am Flughafen arbeiten rund 20.000 Menschen auf knapp 15.900 Vollzeitstellen. Über Aufträge an Zulieferer und den Konsum der Beschäftigten kommen laut Studie rund 19.300 weitere Stellen hinzu. Damit verbunden sind eine Wertschöpfung von 3,7 Milliarden Euro und Steuereinnahmen von 233,5 Millionen Euro.
Besonders wichtig ist der BER für den Landkreis Dahme-Spreewald. Dort hängt fast jeder achte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz am Flughafen. Allerdings handelt es sich um eine Modellrechnung. Sie prüft nicht, welche Stellen auch ohne den BER bestünden, etwa weil sie zuvor in Tegel oder Schönefeld lagen.
Tourismus und Luftfracht in der Region: Effekte über den Flughafenbetrieb hinaus

Während Ryanair sein Angebot am BER zuletzt reduzierte, baut Eurowings Verbindungen am Flughafen aus. / © Foto: DepositPhotos / huettenhoelscher
Die Studie liefert auch Informationen über Reisende, die über den BER anreisen. Rund 120.000 von ihnen hielten sich 2025 in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Oder-Spree auf. Ihre Ausgaben in Hotels, Gastronomie und Handel stehen dort mit rund 1.200 Vollzeitstellen in Verbindung.
Außerdem exportierten Unternehmen über den Flughafen Waren im Wert von 4,3 Milliarden Euro. Daran knüpft die Studie rund 22.900 Stellen in der Region. Diese Werte lassen sich jedoch nicht zu den übrigen Zahlen addieren, da sie eigene Wirkungskanäle beschreiben.
Unternehmensbefragung in der Hauptstadtregion: Anbindung wichtig, Zufriedenheit gering
Unter Unternehmen mit Auslandsgeschäft zählen 44 Prozent den BER zu den fünf wichtigsten Standortfaktoren. Bei Betrieben ohne internationale Ausrichtung sind es 17 Prozent. Über alle Befragten hinweg belegt der Flughafen dagegen nur Rang neun von 13 Faktoren.
Mehr als die Hälfte der international tätigen Betriebe hält Langstreckenverbindungen für wichtig, doch nur sieben Prozent sind mit dem Angebot am Flughafen zufrieden. Mit der Anbindung über Straße und Schiene sind ebenfalls lediglich 26 Prozent zufrieden.
Handlungsbedarf am BER und im Umland: Forderungen an Politik und Wirtschaft

Der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) soll künftig täglich von Emirates angeflogen werden. / © Foto: DepositPhotos
CONOSCOPE leitet aus den Ergebnissen fünf Handlungsfelder ab. Das Unternehmen empfiehlt mehr Direktflüge nach Nordamerika, Asien und in die Golfregion sowie einen Ausbau der Schiene, etwa durch die Verlängerung der U7. Zudem sollen rund um den Flughafen neue Gewerbequartiere für Luftfahrt, Forschung und Dienstleistungen entstehen. Ein gemeinsames Destinationsmanagement könnte Gäste länger in der Region halten und den Tourismus über das Flughafenumfeld hinaus stärken.
Mit den neuen Zahlen werden auch politische Forderungen lauter. Die Flughafengesellschaft sieht etwa die Luftverkehrsteuer als Nachteil im Wettbewerb um Airlines. Die IHK Berlin warnte zudem vor einer Ausweitung des Nachtflugverbots, das die Studie selbst nicht untersucht hat. Lärm und Klimafolgen sind ebenfalls nicht Teil der Analyse, die im Auftrag der Wirtschaftsförderung und in Kooperation mit dem Flughafenbetreiber entstand.
Quellen: Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald mbH / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH / CONOSCOPE GmbH: Studie „Wirtschaftsmotor BER“ (September 2026)
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