Die Pläne für ein neues Besucherzentrum am Schloss Charlottenburg geraten zunehmend unter Druck. Während sich der Baubeginn wegen neuer Planungsfragen weiter verzögert, sorgt vor allem die geplante Fällung von 34 Bäumen für Kritik aus Bezirk und Umweltverbänden.

Mit dem geplanten Besucherzentrum westlich des Ehrenhofs möchte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten die bislang dezentralen Serviceangebote zusammenführen und den Zugang zum Schloss Charlottenburg neu strukturieren. / © Visualisierung: bez+kock architekten bda
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Das geplante Besucherzentrum am Schloss Charlottenburg sorgt erneut für Diskussionen. Nachdem bereits die Verzögerungen beim Neubau für Unruhe gesorgt hatten, steht nun vor allem der Umgang mit dem Baumbestand im Mittelpunkt der Kritik. Für die Umsetzung des Projekts sollen 34 Bäume gefällt werden – ein Vorhaben, das der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf scharf kritisiert.
Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) spricht von einem problematischen Vorgehen öffentlicher Institutionen. „Es ist ein politischer Skandal, dass sich ausgerechnet öffentliche Institutionen jedes Schlupfloch suchen, um die Rechtslage zur Klimaanpassung und zum Baumschutz auszuhebeln“, erklärte er. Es sei bereits der zweite Fall innerhalb weniger Wochen, bei dem eine landes- oder bundeseigene Institution größere Baumfällungen plane, ohne dass der Bezirk ausreichend Einfluss nehmen könne.

Erst vor wenigen Wochen gab es Streit um geplante Fällungen von Rosskastanien am Spreebord auf der Mierendorffinsel. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Charlottenburg-Wilmersdorf: Bezirk fordert mehr Beteiligung bei Baumfällungen
Schruoffeneger fordert deshalb eine gesetzliche Änderung. Künftig sollen Bezirke verbindlich beteiligt werden, wenn Landes- oder Bundesinstitutionen eigene Bauvorhaben umsetzen und dabei Eingriffe in den Baumbestand notwendig werden. Hintergrund ist auch der Konflikt um Baumfällungen am Heizkraftwerk Charlottenburg, wo der Bezirk Anfang Juli gegen Arbeiten auf der Baustellenfläche vorging.
Der Bezirksstadtrat verweist zudem auf Vorgaben des Berliner Klimaanpassungsgesetzes und die EU-Wiederherstellungsverordnung. Demnach soll sich die durch Baumkronen erzeugte Überschirmung von Flächen gegenüber dem Stand von 2025 nicht verringern. Aus Sicht des Bezirks stehen solche Vorgaben im Spannungsverhältnis zu Bauprojekten, bei denen Bäume weichen müssen.
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) begründet die Eingriffe mit den notwendigen Bauarbeiten am neuen Besucherzentrum. Nach Angaben der Stiftung ist mehr als die Hälfte der betroffenen Bäume bereits geschwächt. Als Ausgleich sollen 20 neue Bäume am Besucherzentrum, auf dem Schlossplatz und im westlichen Bereich des Schlosses gepflanzt werden.

Das Besucherzentrum soll im Inneren moderne Empfangs- und Servicebereiche bündeln und den Gästen künftig eine zentrale Anlaufstelle für Information, Ticketing und Orientierung auf dem weitläufigen Schlossgelände bieten. / © Visualisierung: bez+kock architekten bda
Schloss Charlottenburg: Besucherzentrum verzögert sich erneut
Unabhängig vom Streit um die Bäume bleibt auch der Zeitplan des Projekts offen. Ursprünglich war eine Fertigstellung deutlich früher vorgesehen, zuletzt galt das erste Quartal 2029 als Ziel. Ob dieser Termin gehalten werden kann, ist inzwischen fraglich.
Grund dafür sind neue Fragen zur Konstruktion des geplanten Gebäudes. Der Bauantrag wurde bereits im Dezember eingereicht, im Rahmen der Prüfung seien jedoch weitere Abstimmungen notwendig geworden. Möglicherweise müssen Teile der Planung angepasst werden.
BUND fordert Stopp des Projekts: Kleine Orangerie könnte stärker genutzt werden
Auch der Umweltverband BUND Berlin kritisiert das Vorhaben. Angesichts steigender Kosten, knapper öffentlicher Haushalte und der geplanten Baumfällungen fordert der Verband einen vollständigen Stopp des Neubaus. Nach Ansicht des BUND könnten bestehende Gebäude wie die Kleine Orangerie stärker genutzt werden.
Während die Entscheidung über den weiteren Zeitplan des Neubaus noch aussteht, laufen die Arbeiten im Umfeld des Schlosses bereits weiter. Wege, Gartenbereiche und technische Anlagen werden derzeit saniert. Ob das Besucherzentrum tatsächlich bis 2029 fertiggestellt werden kann, bleibt jedoch offen.
Schloss Charlottenburg
Quellen: BUND, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG); Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage, Drucksache 19 / 26 146, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
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7 Kommentare
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Die verantwortlichen Entscheiderinnen und Entscheider haben offenbar nichts verstanden…
Ich stimme BUND zu 100% zu! STOPP !! Und Nutzung der kl. Orangerie .
Es stellt sich zudem die Frage wozu das Besucherzentum gut sein soll.
Betrachter man das Besucherzentrum in Potsdam am Neuen Palais, dient dies ausschließlich der Ticketabfertigung, dem verkauf des üblichen Schlossramsch, was kein Mensch braucht, der Toilette und ein Selbstbedienungscafe! Aus meiner Sicht völlig überbewertet! Gute Toiletten gibt es bereits auf dem Charlottenburger Schlossgelände. Auch ein Selbstbedienungscafe, welches man durchaus in bessere Bewirtschaftung geben könnte. Ticket &Co könnte man in die kl Orangerie verlegen, was auch weitaus mehr Charakter hätte.
Dieses geplante besucherzentrum wird die reizvolle und unvergleichlich schöne Frontansicht so oder so zerstören!
Ich frage mich WER sowas plant und beabsichtigt muss irre sein. Das hat nichts mit Erhalt von Kulturgut zu tun!
Stopp !!
Bund ist klug: Kleine Orangerie umfassender nutzen, dieses umfänglich checken. Neubau stoppen!
Wie kann man in der heutigen Zeit,siehe Klimawandel es überhaupt in Erwägung ziehen Bäume zu fällen ?!
Ich begreife schon nicht, weshalb es überhaupt eines Besucherzentrums bedarf, jahrzehntelang ist man ohne ausgekommen, und weshalb es dann auch noch in derartiger Größe entstehen soll. Jeder Bau, der dort hinkommt, stört das Ensemble des Schlosses Charlottenburg, insbesondere aber dieses geplante „Aquarium“!
In Berlin muss wirklich jedes schöne historische Ensemble durch einen respektlosen Anbau/ Ergänzungsbau oder ein dusseliges Besucherzentrum verunstaltet werden. Eine schlimme und ärgerliche Unsitte, die beendet gehört.
Das Schloss spricht für sich selbst, es braucht kein dusseliges Anleitungs- und Verständnisprimborium drumherum. Für ein kleines Besucherzentrum mit kleinem Souvenirshop und Büchern zur Historie des Schlosses sollte in den vorhandenen Bauten genügend Platz sein. Auch für ein schönes kleines Cafe war früher mal Platz (vielleicht gibt es das noch, keine Ahnung).
Berlin schmeißt wieder mal Geld zum Fenster hinaus, und ohne Not wird ein historisches Ensemble dadurch verunstaltet.
Und natürlich macht es auch fassunglos, dass für diesen Schwachsinn 34 alte Bäume beseitigt werden und nur 20 neue Bäume gepflanzt werden sollen.
Schafft einfach den Länderfinanzausgleich ab. Dann hört diese idiotische Geldverschwenderei vielleicht mal auf.
Herrn oder Frau Böhme kann ich mich nur anschließen. Es ist ja schließlich nicht so, dass täglich mehrere hundert Besucher in das Schloss strömen würden und man des Ansturms nicht mehr Herr würde. Die allgemeine Meinung der Anwohner war ohnehin immer gegen ein derartiges Besucherzentrum. Und jetzt dafür auch noch den Baumbestand dafür zu opfern ist schon dreist. Schade, dass man den Bauherrn nicht verpflichten kann, einen entsprechenden Ausgleich durch z. B. Begrünung des „Aquariums“ zu leisten.