An der Köpenicker Straße 36–38 in Berlin-Mitte sollen seit mehr als zwei Jahrzehnten Wohnungen entstehen. Mehrfach wechselten Planungen und Eigentümer, doch gebaut wurde bislang nicht. Nun gibt es ein neues Lebenszeichen für das große Grundstück an der Spree.

Das frühere Gebäude an der Köpenicker Straße 36 in Berlin-Mitte stand lange auf dem Grundstück, auf dem seit Jahren ein großes Wohnprojekt geplant wird. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2017. / © Foto: Wikimedia Commons, Ysangkok, CC0 1.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Singlespeedfahrer, CC0 1.0
Zwischen der ehemaligen Eisfabrik und dem früheren ver.di-Gebäude liegt eines der auffälligsten unbebauten Grundstücke an der Spree. Schon vor Jahren entstanden Entwürfe für rund 300 Wohnungen. Das Vorhaben wechselte mehrfach den Eigentümer und verschwand weitgehend aus der Öffentlichkeit. Doch ganz erledigt ist das Projekt offenbar nicht.
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Köpenicker Straße 36–38, 10179 Berlin
- Wohnungen: nach bisheriger Planung etwa 300
- Weitere Nutzungen: Büros, Einzelhandel, Kita und öffentlich nutzbarer Spielplatz vorgesehen
Das Grundstück gehört zu einer Reihe großer Entwicklungsflächen entlang der Köpenicker Straße. Während unmittelbar nebenan das historische Eiswerk inzwischen umgebaut und durch Neubauten ergänzt wurde und weiter westlich auf dem ehemaligen Postfuhramt ein neues Quartier geplant ist, blieb die Köpenicker Straße 36–38 weitgehend unbebaut. Dabei reicht die Vorgeschichte des Wohnungsbaus hier bis ins Jahr 2002 zurück. Damals verpflichteten sich die Eigentümer im Zusammenhang mit dem Projekt „Spreeport“, auf dem Gelände einen Wohnanteil zu schaffen.
Auch die späteren Planungen kamen nicht zum Ziel. Skyland führt das Grundstück bis heute als Referenzprojekt „Spreeblick“. Das Unternehmen gibt an, das rund 10.000 Quadratmeter große Areal im Mai 2013 erworben und im April 2014 mit genehmigter Planung verkauft zu haben. Vorgesehen waren rund 300 Wohnungen in zwei größeren Baukörpern. Als Wohnfläche nennt Skyland 36.163 Quadratmeter.
Köpenicker Straße 36–38: Aus „Spreeblick“ wurde „Spreewelle“
Danach änderte sich die Planung. Unter dem Namen „Spreewelle“ entwickelte das Architekturbüro delusearchitects ein Konzept mit etwa 190 Mietwohnungen an der Köpenicker Straße sowie rund 110 Eigentumswohnungen näher an der Spree. Ergänzend waren eine Kita, Büros, Einzelhandel und ein Café an der Uferpromenade vorgesehen. Als Bauherr nennt die Projektseite die Skala Capital City Invest GmbH.
2017 wechselte das Areal erneut den Besitzer. Die F&B-Gruppe verkaufte das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück samt Baurecht für 300 Wohnungen für 38 Millionen Euro an einen nicht genannten privaten Investor. Nach damaligen Angaben war das Konzept gemeinsam mit Pantera und Züblin entwickelt worden. Der Käufer wollte zunächst daran festhalten.
Neuer Vertrag für Köpenicker Straße – doch der Wohnungsbau blieb aus
Parallel wurde die städtebauliche Grundlage neu geordnet. Im Oktober 2015 schloss der Bezirk einen neuen städtebaulichen Vertrag. Nach einem weiteren Eigentümerwechsel im Juli 2020 wurden Teile der Vereinbarung angepasst. Nach dem zuletzt öffentlich beschriebenen Konzept sollten drei größere Baukörper mit etwa 300 Wohnungen entstehen. Hinzu kommen Büros, ein Lebensmittelmarkt mit knapp 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, eine Kita und ein auch für die Nachbarschaft nutzbarer Spielplatz.
Die Planung war bereits weit fortgeschritten. Im Dezember 2019 ging beim Bezirksamt ein Bauantrag für „KOE36 – Bauteil 2“ mit neuen Wohn- und Geschäftshäusern ein. Im Februar 2020 folgte für Bauteil 1 ein Antrag zur Tiefenenttrümmerung sowie zur Errichtung von Spundwänden und einer Dichtsohle. Trotzdem begann der eigentliche Hochbau nicht.

Das wäre schonmal fertig: Entlang des Uferwegs zwischen Schillingbrücke und Paula-Thiede-Ufer wurden zusätzliche Bäume gepflanzt, die den Grünzug entlang der Spree ergänzen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Streit um Erschließung an der Köpenicker Straße bremste Projekt an der Spree
Ein Problem lag nach Angaben der Betroffenenvertretung Nördliche Luisenstadt bei den Wege- und Leitungsrechten. Für die Umsetzung war demnach die Zustimmung der Eigentümer des benachbarten ersten „Spreeport“-Bauabschnitts erforderlich. Hinzu kamen mehrere Eigentümerwechsel. Später wurden laut Betroffenenvertretung auch Anteile an der Grundstücksgesellschaft übertragen.
Die Fläche ist zugleich Teil einer größeren Veränderung entlang des Flusses. Nur wenige Meter entfernt hat der Bezirk inzwischen einen weiteren Abschnitt des Spreeuferwegs in der Nördlichen Luisenstadt fertiggestellt. Auch am Paula-Thiede-Ufer entstand ein neuer öffentlich zugänglicher Bereich an der Spree. Das Grundstück Köpenicker Straße 36–38 spielt für die weitere Verbindung des Uferwegs ebenfalls eine Rolle.
Neues Verfahren für Wohn- und Geschäftshaus an der Köpenicker Straße
Der jüngste Hinweis auf eine Fortsetzung der Planung stammt vom 11. Juni 2026. In den öffentlichen Informationen zu Umweltverträglichkeitsprüfungen erscheint eine Grundwasserentnahme für den „Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Grundstück Köpenicker Straße 36–38“.
Das Verfahren belegt, dass für die Adresse weiterhin ein konkretes Bauvorhaben bearbeitet wird. Einen Baustart oder die Umsetzung der älteren Planung mit exakt 300 Wohnungen bestätigt die Veröffentlichung jedoch nicht.
Ob und wann an der Köpenicker Straße 36–38 endliche Wohnungen entstehen und zu welchen Konditionen, bleibt daher weiter abzuwarten. Fest steht: Vom Tisch ist das Bauvorhaben auch nach mehr als 20 Jahren offenbar nicht.

Entsteht in dieser Baulücke am Spreeufer in den kommenden Jahren ein Wohnprojekt, oder bleibt das Areal eine Brache? Seit zwei Jahrzehnten hat sich hier kaum etwas getan. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wohnprojekt Köpenicker Straße 36–38
Quellen: Bezirksamt Mitte, Betroffenenvertretung Nördliche Luisenstadt, Skyland Holding, delusearchitects
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