Die umstrittenen Pyramiden-Hochhäuser an der Eldenaer Straße sind Geschichte. Rund 300 Wohnungen sollen stattdessen am Alten Schlachthof entstehen. Doch amtliche Unterlagen zeigen, dass auch der neue Anlauf keineswegs frei von Hürden ist.

Die Planung sieht zwei Neubauten vor, deren Höhenentwicklung auf die umliegende Bebauung abgestimmt ist.

Nur wenige Schritte vom Blankensteinpark entfernt könnte sich eine bislang wenig attraktive Parkplatzfläche zu einem neuen Wohnstandort mit öffentlichem Stadtplatz und begrünten Höfen wandeln. / © Visualisierung: Klaus Theo Brenner – Stadtarchitektur

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Am Alten Schlachthof in Prenzlauer Berg schien im Juni 2026 Bewegung in eine jahrelange Debatte zu kommen. Der Eigentümer präsentierte für den großen Parkplatz an der Eldenaer Straße 42–44 einen neuen Entwurf mit Wohnungen statt der zuvor geplanten Hochhäusern. Doch ein genauer Blick in die Unterlagen des Bezirksamts zeigt: Auch die neue Planung bewegt sich in einem schwierigen Umfeld.

  • Bezirk: Pankow
  • Adresse: Eldenaer Straße 42–44, 10247 Berlin
  • Wohnungen: rund 300, abhängig vom Wohnungsmix
  • Mietpreisbindung: 30 Prozent nach Berliner Modell

Die jüngste Planung für die Eldenaer Straße sieht zwei gestaffelte Neubauten vor. In allen Obergeschossen sollen Mietwohnungen im mittleren Preissegment entstehen. Das Factsheet nennt außerdem kleinteiligen Einzelhandel, Cafés und eine Kita im Erdgeschoss. Rund 45 Prozent des Grundstücks sollen nach Angaben des Vorhabenträgers als regenintensive Freiflächen gestaltet werden. Hinzu kommen begrünte Höfe, Versickerungsflächen, ein Stadtplatz und eine Tiefgarage.

Historische Hammelställe und eine denkmalgeschützte Verwaltungsvilla werden in das Konzept integriert und bleiben prägende Elemente des Ensembles.

Dort, wo heute Autos parken und die historischen Gebäude des ehemaligen Schlachthofs an einen anderen Stadtteil erinnern, soll künftig ein gemischt genutztes Quartier mit Wohnungen, Gewerbe und öffentlichen Freiräumen entstehen. / © Klaus Theo Brenner – Stadtarchitektur

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Alter Schlachthof: Der Bebauungsplan lässt dort eigentlich kein Baufeld zu

Der entscheidende Konflikt liegt jedoch tiefer. Nach Angaben des Bezirksamts sieht der geltende Bebauungsplan auf der heutigen Parkplatzfläche eine Freihaltefläche beziehungsweise kein Baufeld vor. Schon bei einem Gespräch am 5. Februar 2026 hielt der Bezirk deshalb fest, dass für eine Bebauung neben dem politischen Willen auch die Denkmalbehörden auf Bezirks- und Landesebene eine wichtige Rolle spielen.

Das ist besonders relevant, weil der Denkmalschutz bereits bei den früheren Pyramiden-Hochhäusern an der Eldenaer Straße zu den zentralen Streitpunkten gehörte. Im April 2025 hatten Senatsverwaltung und Bezirk festgehalten, dass die damalige Hochhausplanung unter anderem nicht mit den Denkmalbelangen vereinbar sei. Die Pyramiden sind inzwischen endgültig aufgegeben.

Eine große befestigte Freifläche liegt vor den historischen Backsteingebäuden der ehemaligen Hammelställe am Alten Schlachthof in Berlin.

Die weitläufigen Flächen rund um die ehemaligen Hammelställe prägen heute das Areal an der Eldenaer Straße. In direkter Nachbarschaft sind rund 300 Wohnungen geplant. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Landesdenkmalamt äußerte auch zum neuen Wohnungsentwurf Bedenken

Doch damit war der Konflikt nicht beendet. Am 27. Februar 2026 besprachen Bezirk und Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt die Bebaubarkeit der Parkplatzfläche. Laut Bezirksamt hatten die Denkmalbehörden erhebliche Bedenken, weil sie die städtebauliche Prägung des Schlachthofareals beeinträchtigt sahen. Zugleich hielt der Bezirk fest, dass bei erfüllten Voraussetzungen des Bau-Turbos trotz dieser Bedenken eine Zustimmung erwartet werde, weil Wohnungsbau im besonderen öffentlichen Interesse liege.

Noch deutlicher wurde das Landesdenkmalamt am 20. April. Bei einem Termin mit Staatssekretär Alexander Slotty, Senatsbaudirektorin Kahlfeldt, Landeskonservator Christoph Rauhut, Investor und Planern erklärte es laut Bezirksamt, die damals vorgelegte Bebauung sei nicht mit den Denkmalbelangen vereinbar. Kritisch sah das Amt gerade die Orientierung an der wilhelminischen Gründerzeitbebauung. Anschließend erhielt der Investor Hinweise zur Überarbeitung und sollte eine architektonische Gestaltung mit entsprechend hoher Qualität beauftragen.

Die Rückseite eines historischen Backsteinbaus am Alten Schlachthof in Berlin ist hinter einem Zaun und einer bewachsenen Freifläche zu sehen.

Die denkmalgeschützten Backsteinbauten erinnern an die frühere Nutzung des Alten Schlachthofs. Der Umgang mit dem historischen Bestand spielt auch bei den neuen Wohnungsbauplänen eine zentrale Rolle. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Eldenaer Straße: Ob die Juni-Planung den Konflikt löst, bleibt offen

Die im Juni öffentlich vorgestellte Planung stammt von Klaus Theo Brenner – Stadtarchitektur und orientiert sich weiterhin an der Berliner Gründerzeit-Typologie. Die Projektseite erklärt, Architektur und Flächenangaben seien mit dem Stadtentwicklungsamt Pankow abgestimmt. Aus den bislang veröffentlichten Unterlagen geht jedoch nicht eindeutig hervor, ob das Landesdenkmalamt diese überarbeitete Fassung bereits abschließend bewertet hat.

Parallel prüft Pankow den Bau-Turbo. Im Juni gehörte die Eldenaer Straße ausdrücklich zu den Einzelvorhaben, die bezirksintern dazu beraten wurden. Eine Bauvoranfrage hatte der Vorhabenträger bereits im April gestellt. Eine Baugenehmigung könnte nach Angaben des Projektentwicklers frühestens 2027 folgen. Ein konkreter Baubeginn steht bislang nicht fest. Damit ist die Transformation des ehemaligen Schlachthofareals an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen.

Wohnquartier Eldenaer Straße 42–44
Am Alten Schlachthof sind zwei Neubauten mit rund 300 Wohnungen, Gewerbe, Freiräumen und einem neuen Stadtplatz geplant. 30 Prozent der Wohnungen sollen mietpreisgebunden entstehen.

Quellen: Bezirksamt Pankow, Projekt Eldenaer Straße 42–44, ARGO Properties, Tagesspiegel

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2 Kommentare

  1. Franz 30. September 2026 at 11:28 - Reply

    Ein denkmalgeschützter Kfz-Parkplatz? Ich verstehe es nicht. Mit derartigen Entscheidungen diskreditiert sich die Denkmalschutzbehörde selbst und wird weniger Akzeptanz haben, leider.

  2. Thilo 30. September 2026 at 20:48 - Reply

    diesmal ist der Denkmalschutz betroffen.
    Offenbar kommen diese Hallen durch die öden Parkplatzflächen besser zur Geltung.
    Ansonsten sind es ja betroffene Anwohner, sogenannte Traufhöhe, oder….
    Irgendein Grund findet sich immer, um dringend benötigten Wohnraum zu torpedieren.

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