In Berlin-Johannisthal entsteht ein Schulneubau im Großformat: Auf 30.000 Quadratmetern wird derzeit eine moderne Gemeinschaftsschule für über 1.300 Schülerinnen und Schüler errichtet. Das pädagogische Konzept wurde dabei von Beginn an gemeinsam mit künftigen Nutzern entwickelt. Direkt angrenzend soll bis 2030 das „Segelflieger-Quartier“ mit 1.800 neuen Wohnungen entstehen – der Bedarf ist also gegeben.

Derzeit noch eine Baustelle: Der Schulbau in Johannisthal verbindet moderne Architektur mit einem zukunftsorientierten Bildungsverständnis. Zwei Sporthallen, ein Schulgarten und grüne Höfe sollen den Campus zu einem attraktiven Lernort machen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierungen: HOWOGE / AFF Architekten Berlin / Gruppe Planwerk / nhst Architekten
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Eines der auffälligsten Großprojekte in Sachen Schulbau wird derzeit in Berlin-Johannisthal umgesetzt. Treptow-Köpenicks Schulstadtrat Marco Brauchmann (CDU) und Jens Wadle von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE hatten bereits im Mai 2022 den Projektvertrag für die Gemeinschaftsschule direkt an der Grenze zum Ortsteil Adlershof unterzeichnet.
Im März 2024 wurde dann die offizielle Grundsteinlegung für das Projekt gefeiert. Die Schule wird auf einem Grundstück am Eisenhutweg, Ecke Hermann-Dorner-Allee, realisiert. Bis 2026 soll der Neubau fertiggestellt werden. Wer die Baustelle besucht, kann sehen, dass das Projekt mit großen Schritten voranschreitet.
Johannisthal: Schul-Neubau für 1.332 Schülerinnen und Schüler entsteht am Eisenhutweg
Die Schule entsteht nach einem Entwurf der Büros AFF Architekten Berlin, Gruppe Planwerk und nhst Architekten. Gebaut wird die Schule vom Unternehmen ZECH Hochbau AG. Die Schule wird eine dreizügige Primarstufe, eine sechszügige Sekundarstufe I und eine vierzügige Sekundarstufe II beherbergen.
Die HOWOGE baut oder saniert im Auftrag des Berliner Senats bereits weitere Schulen. Somit ist es für das landeseigene Unternehmen eines von mehreren Schulbauprojekten.
Treptow-Köpenick: Das architektonische Konzept bindet die Topografie des Geländes mit ein
Ausreichende Projekterfahrung ist also vorhanden. Dennoch sticht der Neubau im Südosten Berlins heraus, denn die neue Schule glänzte schon vor Erbauung mit einigen Besonderheiten. So wurde laut Martina Schulz-Brüssel, Leiterin der pädagogischen Projektgruppe GAD, zum ersten Mal ein Teil der künftigen Nutzerinnen und Nutzer in die Entwicklung des Gebäudekonzepts mit eingebunden.
So konnte das Grundgerüst des geplanten, pädagogischen Konzepts auf die Ausgestaltung der Architektur einwirken. Das Gewinnermodell zeigt ein modernes Gebäude, welches die Geländetopografie optimal nutzen will: Vor dem Haupteingangsbereich soll eine weitläufige Piazza entstehen, welche die Senke des Grundstückes überbrücken soll.
Neue Schule in Johannisthal: Zwei neue Sporthallen und ein Schulgarten sollen entstehen
Durch mehrere Löcher in der Brücke sollen Bäume ungehindert weiterwachsen können. Passend zum ehemaligen Flugplatz Johannisthal nennen die Planer den offenen Eingangsbereich „Gate“.
Geplant sind zudem zwei Sporthallen mit jeweils drei Feldern sowie ein Schulgarten auf dem Gelände einer ehemaligen Kleingartenanlage, die sich in der besagten Senke befindet und bis zu drei Meter unter dem Straßenniveau liegt.
Zahlreiche Wohnprojekte entstehen im direkten Umfeld der Schule
Zusätzlich werden Außensport- und Freiflächen zur Verfügung stehen, die auch von Sportvereinen genutzt werden können, darunter ein Mehrzweckspielfeld und eine 100-Meter-Laufbahn. Der Neubau wird eine wichtige Verbindung zwischen dem Wohngebiet im Westen, dem Landschaftspark Johannisthal und dem Technologiepark Adlershof schaffen, die bisher fehlte.
Die Errichtung der neuen Schule ist dringend erforderlich, da in den letzten Jahren viele Wohnungen in Adlershof und Johannisthal gebaut wurden oder noch im Bau sind. So entstanden direkt angrenzend 532 neue Wohnungen am Eisenhutweg, die von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO errichtet wurden. Auch die HOWOGE hat vor wenigen Jahren in unmittelbarer Nähe ein neues Wohnquartier mit über 600 Wohnungen fertiggestellt.
Zudem soll mit dem geplanten „Segelflieger-Quartier“ in den kommenden Jahren ein weiteres, großflächiges Wohnquartier hinzukommen, welches vom Land Berlin und der Bauwert AG verantwortet wird. Bis 2030 sollen im Zuge des Vorhabens noch einmal 1.800 neue Wohnungen entstehen.
Grüne Innenhöfe sollen für hohe Aufenthaltsqualität sorgen
Der Bedarf für den Schulbau ist also definitiv gegeben. Trotz der großen Schülerzahl soll auf dem neuen Schulcampus ausreichend Platz zur Verfügung stehen. Durch grüne Innenhöfe unterbrochen, werden sich mehrere Schulhäuser aneinander reihen.
In drei oberirdischen Geschossen sollen die 30.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche untergebracht werden. Das Erdgeschoss wird alle Gemeinschaftsfunktionen beherbergen: Mensa, Aula, Verwaltung, Bibliothek, Werk- und Kunsträume.
Auch beim Schul-Neubau in Johannisthal kommt das „Compartment-Konzept“ zum Einsatz
Insgesamt verbinden fünf Treppenhäuser die Geschosse miteinander. Aufgrund der hohen Lärmbelästigung der stark frequentierten Straßen direkt am Grundstück soll die Fassade als Schallschutz dienen. Die Räumlichkeiten sollen daher vorrangig über die Innenhöfe belichtet und belüftet werden.
Das auch hier angewandte Schulkonzept ändert die Bauart und Optik der Schulen von Grund auf. So sollen Lernende und Lehrende zu den Klassen- und Fachräumen nicht mehr über lange Flure gelangen. Das so genannte “Compartment-Konzept” sieht vor, dass sich die Unterrichtsräume rund um dezentrale Foren gruppieren. Diese werden einem bestimmten Schwerpunkt oder Jahrgängen zugeordnet. Für jedes Forum soll es zudem flexibel nutzbare Bereiche und Räume geben.
Fertigstellung bis 2026, Kosten von rund 106 Mio. Euro
Da die neue Gemeinschaftsschule als ganztägiger Aufenthaltsort angedacht ist, sollen sich die Schülerinnen und Schüler hier zukünftig natürlich wohlfühlen. Die Schulräume sollen daher offen und hell gestaltet werden. Das Gebäude soll dazu einladen, dass die Kinder ihre Freizeit hier gern verbringen – sei es im Schulgarten, in der Bibliothek, bei Proben auf der Theaterbühne oder auf einem der Sportplätze.
Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) äußerte sich im vergangenen Jahr wie folgt zum Projekt: „Die Integration von Grundschule, Mittelstufe und Oberstufe unter einem Dach, verbunden mit einem modernen pädagogischen Konzept, wird einen Lernort schaffen, der den Schülerinnen und Schülern optimale Entwicklungsbedingungen bietet.“
Zum Schuljahr 2026/27 soll die neue Schule dann ihren Betrieb aufnehmen. Die Kosten für das Projekt belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 106 Millionen Euro.
Quellen: HOWOGE, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Berliner Morgenpost, AFF Architekten Berlin, Gruppe Planwerk, nhst Architekten, ZECH Hochbau AG
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