Das Bezirksamt Lichtenberg lehnt die Verlängerung der Baugenehmigungen für neun geplante Häuser im Ilsekiez ab. Das umstrittene Projekt der HOWOGE muss damit weitgehend neu bewertet werden.

Visualisierung: Karte der Innenhöfe im Ilsekiez mit geplanten Bauten

Die begrünten Innenhöfe im Ilsekiez in Berlin-Karlshorst sollten mit elf neuen Gebäuden nachverdichtet werden. Das Bezirksamt Lichtenberg lehnt die Verlängerung der Genehmigungen für neun Häuser nun ab. / © Visualisierung: HOWOGE

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Im Streit um die Nachverdichtung im Ilsekiez zeichnet sich eine grundlegende Wende ab. Das Bezirksamt Lichtenberg will den Großteil der geplanten Neubauten nicht länger genehmigen. Vollständig beendet ist das seit Jahren umkämpfte Projekt in Karlshorst damit allerdings noch nicht.

  • Bezirk: Lichtenberg
  • Lage: Ilsestraße, Marksburgstraße, Lisztstraße
  • Ursprüngliche Planung: elf Gebäude mit knapp 250 Wohnungen
  • Projektstatus: 9 Genehmigungsverlängerungen abgelehnt

Die Innenhöfe zwischen Ilse-, Marksburg- und Lisztstraße gehören seit Jahren zu den umstrittensten Flächen für Nachverdichtung in Lichtenberg. Die landeseigene HOWOGE wollte die aufgelockerte Wohnanlage aus den 1950er Jahren um mehrere Neubauten ergänzen. Anfang 2023 reichte das Unternehmen fünf Bauanträge für insgesamt elf Gebäude und 237 Wohnungen ein. Der damalige Baustadtrat Kevin Hönicke hatte die Anträge genehmigt.

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Nachverdichtung im Ilsekiez: Neun Häuser erhalten keine Verlängerung

Zehn Häuser sollten vier bis fünf Geschosse erhalten, ein weiteres Gebäude mit Gewerbeeinheit sechs Geschosse. Außerdem führt das Unternehmen unter anderem 478 Fahrradstellplätze, begrünte Dächer, Photovoltaikanlagen, Regenwasserversickerung und barrierefreie Wohnungen auf.

Doch nun die Wende: Die zuständige Bezirksstadträtin Camilla Schuler teilte laut Tagesspiegel in der Bezirksverordnetenversammlung mit, dass das Bezirksamt die Verlängerung der Genehmigungen für die Häuser 1 bis 9 abgelehnt habe. Lediglich die als Randbebauung vorgesehenen Häuser 10 und 11 könnten grundsätzlich noch für eine Verlängerung infrage kommen. Eine endgültige Zusage für diese beiden Gebäude liegt damit jedoch ebenfalls nicht vor.

Mehrere Neubauten im Umfeld des Ilskiez

Das Bezirksamt stützt die Neubewertung vor allem auf das sogenannte Einfügungsgebot nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs. Bauvorhaben in bereits bebauten Gebieten müssen sich demnach nach Art und Umfang in ihre Umgebung einfügen. Bei den neun Gebäuden innerhalb der begrünten Höfe sieht das Bezirksamt diese Voraussetzung derzeit nicht als erfüllt an. Zudem soll geprüft werden, ob die Nachverdichtung für die Nachbarschaft unzumutbare Folgen hätte.

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Dabei geht es unter anderem um zusätzlichen Verkehr auf schmalen Straßen, die ÖPNV-Anbindung und die Versorgung des Quartiers. Seit der ursprünglichen Genehmigung im Jahr 2023 hat sich auch das Umfeld verändert. An der nahe gelegenen Walkürenstraße entstehen rund 230 weitere Wohnungen. Und auch in der Tannhäuserstraße wird groß gebaut. Das Bezirksamt verlangt deshalb eine neue Verkehrsuntersuchung.

Die Seitenansicht der Neubauten in der Walkürenstraße in Karlshorst zeigt montierte Fenster und laufende Fassadenarbeiten.

Die Seitenansicht der Neubauten in der Walkürenstraße in Karlshorst zeigt montierte Fenster und laufende Fassadenarbeiten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Bebauungsplan 11-125 für den Ilsekiez soll weitergeführt werden

Parallel zur Entscheidung über die Genehmigungen will Lichtenberg das Bebauungsplanverfahren 11-125 wieder aufnehmen. Der Plan sollte die Nachverdichtung und den Schutz der bestehenden Wohnanlage verbindlich steuern. Die Senatsverwaltung hatte dem Bezirk jedoch im Oktober 2022 mitgeteilt, dass der damalige Entwurf rechtliche Mängel aufweise. Das Verfahren kam anschließend nicht zum Abschluss.

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Nun soll der Bezirk die Hinweise der Senatsverwaltung einarbeiten und das Verfahren regulär fortsetzen. Der Fachbereich Stadtplanung soll dafür die notwendigen Arbeitsschritte sowie den Bedarf an Gutachten und externen Dienstleistungen ermitteln. Welche Bebauung der fertige Bebauungsplan ermöglichen wird und wann er beschlossen werden könnte, steht noch nicht fest.

Ist die Nachverdichtung im Ilsekiez endgültig gestoppt?

Die politische Richtung ist allerdings klarer als zuvor. Die Bezirksverordnetenversammlung forderte das Bezirksamt im Mai 2026 ohne Gegenstimme auf, einen Maßnahmenplan zum Schutz der grünen Innenhöfe zu entwickeln. Nur die SPD-Fraktion enthielt sich. Zuvor hatte sich das Bezirksamt bereits zu Gesprächen über eine deutlich behutsamere Nachverdichtung bereit erklärt.

Das Bezirksamt will der HOWOGE nun nahelegen, sich erneut mit dem Umwelt- und Naturschutzamt abzustimmen. Von einem endgültigen Aus für das Projekt kann deshalb noch keine Rede sein. Die HOWOGE kann gegen die Ablehnung Widerspruch bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einlegen. Nach Einschätzung des Bezirksamts wäre eine Bearbeitung nicht vor Ende 2026 zu erwarten. Zudem bleiben zwei Gebäude am Rand des Quartiers grundsätzlich im Gespräch.

Ilsekiez

 

Quellen: Tagesspiegel, HOWOGE, Bezirksamt Lichtenberg, Bürgerinitiative „Rettet den Ilsekiez“, Verwaltungsgericht Berlin

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3 Kommentare

  1. at 21. Juli 2026 at 11:45 - Reply

    Unverständlich, dass man das nicht auf das Niveau wie ein paar Meter weiter östlich verdichten kann. Wenn da nicht, wo denn dann?

  2. Dan 4. August 2026 at 20:32 - Reply

    Die Howoge eskaliert nun Komplett und baut überall Zäune auf.

  3. Manfred Orth 16. August 2026 at 07:40 - Reply

    Es ist absolut unverständlich als auch dumm, dass sich die SPD mit ihren Bausenator Christian Gaebler, gegen Tier und Naturschutz stellt.
    Überall redet man von Klima, Natur und Tierschutz und ignoriert alles was mit dem Ilskiez zu tun hat.
    Die Willkürliche Haltung schreit zum Himmel und man darf sich nicht wundern, wenn die Anwohner bei den kommenden Wahlen aus Wut und Frust, die AfD wählen.

    Man sollte der HOWOGE verpflichten, die unzähligen und gravierenden Mängel in den Wohnungen und Häusern des Altbestandes zu beseitigen.
    Die HOWOGE reagiert nicht auf Schreiben wie E Mail und Beschwerden und zwingt einen, den Weg der Klage zu gehen.

    Jeder Mieter sollte eine Mietminderung einfordern, denn die unzähligen Bauzäune sind ein Dorn im Auge, nehmen uns und den Kindern die Möglichkeit, sich unter den Bäumen zu setzen und Schränken einen ungemein ein.

    Es ist eine außerordentliche Härte, wenn die HOWOGE hier bauen würde.
    Schlafzimmer, Wohn und Kinderzimmer liegen nebst Balkon zu den Höfen raus.
    Von Mo. bis Sa. von 7 bis 17 Uhr Baulärm und viel Staubt und Dreck und wer denkt an die unzähligen Alten und Kranken die zum Teil an COPD erkrankt sind ?

    Wir haben die Berliner Mauer zu Fall gebracht und sollten die lästigen Bauzäune auch zu Fall bringen.
    Abbauen und sicher ablegen um eine Sachbeschädigung zu vermeiden.
    Ich würde es Zivilcourage nennen.

    Die CDU löst sich auf und die SPD muss weg, die Wahlen werden es zeigen.
    Stopp den Irrsinn von Christian Gaebler und seiner bekloppten Crew.

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