Mit den Riverside Labs entsteht am Berliner Nordhafen eines der bedeutendsten Life-Science-Projekte Deutschlands. Bereits heute sind große Teile der Flächen an renommierte Akteure wie Bayer und die Charité vergeben. Die Grundsteinlegung zeigt, wie Berlin seine Position als internationaler Forschungs- und Gesundheitsstandort weiter ausbauen will.

Mit der symbolischen Grundsteinlegung wurde der Baustart für die Riverside Labs offiziell gefeiert. Das Gebäude soll Anfang 2028 fertiggestellt werden. / © Foto: Lars Hübner
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Trotz anhaltenden Regens hatten sich am Mittwochmorgen zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft am Berliner Nordhafen versammelt. Unter einem großzügigen Zeltdach wurde die Grundsteinlegung für die Riverside Labs gefeiert; ein Projekt, das weit über einen gewöhnlichen Neubau hinausgeht.
Direkt am Ufer des Nordhafens in Berlin-Wedding entsteht in den kommenden Jahren eine der bedeutendsten Forschungs- und Laborimmobilien Deutschlands. Der Name „Riverside Labs“ verweist dabei nicht nur auf die Lage am Wasser, sondern auch auf den Anspruch, einen neuen Anziehungspunkt für Wissenschaft, Innovation und Gesundheitswirtschaft im Herzen Berlins zu schaffen. Das wurde während der prominent besetzten Veranstaltung mehr als deutlich.
Berliner Nordhafen soll zum Zentrum für Life Sciences und Gesundheitswirtschaft werden
Mit der heutigen Grundsteinlegung erreicht das Projekt einen wichtigen Meilenstein. Entwickelt wird das Vorhaben von iQ spaces gemeinsam mit UBS Asset Management. Auf rund 20.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entsteht ein zehngeschossiges Gebäude, das Forschung, Entwicklung und Produktion unter einem Dach vereinen soll.
Bereits heute sind rund 80 Prozent der Flächen langfristig vermietet. Zu den künftigen Nutzern gehören unter anderem das Bayer Co.Lab sowie das Berlin Center for Gene and Cell Therapies, eine gemeinsame Initiative von Bayer, der Charité und dem Berlin Institute of Health (BIH).
Kai Wegner: Berlin soll zum europäischen Biotech-Hub werden
Geplant ist zudem eine GMP-zertifizierte Produktionsstätte für moderne Gen- und Zelltherapien. Die Fertigstellung des rund 200 Millionen Euro teuren Projekts ist für Anfang 2028 vorgesehen.
Für Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner steht das Projekt exemplarisch für die wirtschaftliche Zukunft der Hauptstadt. Bei der Grundsteinlegung betonte er, dass Berlin bereits hervorragend aufgestellt sei, sich im internationalen Wettbewerb jedoch weiterentwickeln müsse.
„Boston an der Spree“: Biotechnologie als wichtiger Wirtschaftsfaktor für Berlin
Wegner verwies dabei auf die Konkurrenz großer Innovationsstandorte in den USA und China. Sein Ziel sei es, Berlin zu einem führenden Biotechnologie-Standort Europas auszubauen. Dabei sprach er von seiner Vision eines „Boston an der Spree“, in Anlehnung an die amerikanische Metropole, die weltweit als eines der wichtigsten Zentren für Biotechnologie und medizinische Forschung gilt.
Besonders hob Wegner hervor, dass sich mit Bayer und der Charité zwei international renommierte Akteure langfristig zum Standort bekannt hätten. Dies sei ein starkes Signal für die Zukunft des Berliner Forschungs- und Gesundheitssektors.
Franziska Giffey: Health Innovation Quarter stärkt Berlins Zukunftsbranchen
Auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey unterstrich die strategische Bedeutung des Projekts. Berlin müsse attraktive Bedingungen für hochqualifizierte Fachkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie innovative Unternehmen schaffen.
Vor dem Hintergrund globaler Veränderungen eröffne sich für die Hauptstadt die Chance, zusätzliche Talente und Forschungseinrichtungen anzuziehen. Das Vorhaben passe dabei unmittelbar zur Berliner Deep-Tech-Agenda und stärke die Innovationskraft der Stadt nachhaltig.
Giffey bezeichnete Berlin als einen bereits heute „einzigartigen Health-Tech-Standort in Europa“. Die Hauptstadt spiele längst mit den großen internationalen Akteuren mit und könne dabei durchaus selbstbewusster auftreten.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von der Vision eines „Boston an der Spree“ und betonte die Bedeutung der Biotechnologie für die Zukunft der Hauptstadt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Forschungsdichte als entscheidender Standortvorteil für Berlin
Wissenschaftssenatorin Dr. Ina Czyborra verwies auf die außergewöhnliche Forschungslandschaft Berlins. Die Hauptstadt verfüge über eine Forschungsdichte, die europaweit ihresgleichen suche.
Hinzu komme die besondere Lage des Projekts. Anders als viele Technologieparks entstehe das Riverside Labs nicht „auf der grünen Wiese“, sondern mitten im urbanen Gefüge der Stadt, eingebettet zwischen Charité, Bayer-Campus und weiteren Forschungseinrichtungen.
Berlin-Mitte: Riverside Labs soll internationales Leuchtturmprojekt werden
Das Gebäude ist im Übrigen Teil des Health Innovation Quarter Berlin-Mitte, das erst im März 2026 offiziell als zwölfter Berliner Zukunftsort ausgezeichnet wurde. Mehr als 25.000 Menschen arbeiten dort bereits heute in Wissenschaft, Forschung und Gesundheitswirtschaft.
Auch die Projektentwickler sehen im Vorhaben einen wichtigen Baustein für die weitere Entwicklung des Standorts. HENN-Architekt Marcus Fißan erklärte, Ziel sei es gewesen, „eine hochflexible Life-Science-Immobilie zu entwickeln, die Forschung, Produktion und Zusammenarbeit räumlich intelligent verbindet und zugleich einen identitätsstiftenden Ort im Berliner Wissenschaftscluster schafft“.
Neubau am Berliner Nordhafen: Hohe Nachfrage nach spezialisierten Forschungsflächen
Vincent Wege, Managing Director von iQ spaces, verwies auf die hohe Nachfrage nach spezialisierten Forschungsflächen. Die Vorvermietungsquote zeige deutlich, dass entsprechende Angebote in etablierten Life-Science-Clustern dringend benötigt würden. Man sei stolz darauf, „mit diesem Projekt neue Maßstäbe für Life-Science-Immobilien in Kontinentaleuropa zu setzen“.
Mit der symbolischen Einbringung einer Zeitkapsel in den Grundstein endete die Veranstaltung am Nordhafen. Für Berlin markiert das Projekt jedoch erst den Anfang: Riverside Labs steht auch für den Anspruch der Hauptstadt, sich künftig stärker als internationaler Standort für Gesundheitswirtschaft, Biotechnologie und Spitzenforschung zu positionieren.
In einer Zeit globaler Konkurrenz um Talente, Innovationen und Investitionen könnte laut Franziska Giffey genau darin eine der wichtigsten Zukunftschancen Berlins liegen.

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und Wissenschaftssenatorin Dr. Ina Czyborra hoben die internationale Strahlkraft des Berliner Forschungs- und Gesundheitsstandorts hervor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Berlin Institute of Healt, Bayer AG, Charité, HENN, iQ spaces, UBS Asset Management, Bayer Co.Lab, Berlin Center for Gene and Cell Therapies
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4 Kommentare
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Wieso muss Berlin wie Boston werden? Geht da so viel US-amerikanisches Geld an den Nordhafen? Wäre nicht ein europäisch fixiertes Projekt angesichts der politischen US-amerikanischen Verirrungen besser?
Die aktuelle Regierung verfolgt ja weiter das Ziel mit der Abhängigkeit von ausländischen fossilen Energielieferungen, daher bedarf es wohl einen Regierungswechsel zu einer Regierung welche auf regenerative Energien, bzw. nationale nachhaltige Stärken setzt.
Zitat:“Direkt am Ufer des Nordhafens in Berlin-Wedding entsteht in den kommenden Jahren eine der bedeutendsten Forschungs- und Laborimmobilien Deutschlands.“
Dazu fällt mir das folgendes Beispiel ein..
Zitat:“Biontech wurde 2008 auf der Grundlage langjähriger Forschungsarbeiten von Uğur Şahin, Özlem Türeci und Christoph Huber als Biontech RNA Pharmaceuticals GmbH gegründet. Sahin und Türeci nahmen 2008 an einem Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums im Rahmen der Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio) teil und gewannen. Das Preisgeld war an die Gründung eines neuen forschenden Unternehmens gekoppelt. So entschieden sich die Forschenden, BioNTech zu gründen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Biontech
Allerdings scheint da Jemand nicht mehr viel Wert auf das Land zu geben was den Erfolg erst möglich gemacht hatte.
Zitat:“Das vom Mainzer Biotechunternehmen BioNTech verkündete Aus für seine Corona-Impfstoffproduktion in Deutschland stößt auf Kritik.“ https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/biontech-produktion-impfstoffe-curevac-100.html
Und die ehemaligen Gründer gehen auch ..
Zitat:“Die Impfstoff-Pioniere und Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci werden die Führung des in der Corona-Pandemie weltweit bekannt gewordene Unternehmens abgeben und ein neues gründen. Die Eheleute scheiden spätestens Ende 2026 aus, dann enden ihre aktuellen Dienstverträge, wie Biontech in Mainz mitteilte.“ https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/biontech-gruender-verlassen-unternehmen-gruendung-neues-unternehmen-100.html
Aber was hat das eine mit dem anderen zu tun? Biontech war eben mit seiner Impfstofftechnologie zur rechten Zeit am rechten Ort und hat damit hohe Gewinne eingefahren. Jetzt geht die Nachfrage zurück und das Unternehmen orientiert sich neu. Das steht sicherlich symbolisch für viele Unternehmen in der Pharma- und Biotechnologiebranche, die eben traditionell sehr volatil sein kann, aber ändert ja nichts daran, dass es eine seit Jahrzehnten stark wachsende Zukunftsbranche ist. Es kommt eben sehr darauf an, dass man ein diversifiziertes Ökosystem für Biotech- und Pharmaunternehmen sowie die Forschung und Hochschulbildung dahinter schafft, damit man nicht nur von einzelnen, temporären Erfolgen eines Unternehmens abhängig ist. Genau deshalb wird ja Boston immer wieder als Vorbild angestrengt, weil die Metropolregion Boston eben genau dies über Jahrzehnte aufgebaut hat. Dort sitzen hunderte kleine, mittlere wie große Unternehmen im Bereich Pharma, Biotech, Gesundheit, dazu viele Unis mit weltklasse Forschung in diesem Bereich. Wenn dort mal ein Unternehmen pleite geht, weil sich sein Medikament nicht mehr verkauft oder das biotechnologische Forschungsprojekt doch nicht den erhofften Durchbruch schafft, dann ist das für das gesamtheitliche Ökosystem nichts, was wehtut.
Das sollte auch Berlin langfristig anstreben. Und eigentlich hat Berlin dafür auch alle Voraussetzungen. Berlin hat ein Weltklasse-Krankenhaus mit der Charite, Top-Forschung durch viele hochrenommierte Forschungsinstitute und zieht ordentlich Risikokapital an. Dazu haben sich auch neben Berlin-Wedding rund um Charite, Bayer und den Forschungsinstituten dezentrale Standorte mit eigenem Nukleus und guten Wachstumsstrategien etabliert wie Berlin-Buch oder Hennigsdorf.