Eine der markantesten Nachkriegskirchen Frankfurts erhält eine neue Aufgabe. Im Nordend verbindet St. Michael künftig Trauerseelsorge, Architektur und Urnenbestattungen unter einem Dach. Dabei verändert sich der denkmalgeschützte Kirchenraum deutlich – und bleibt sich zugleich erstaunlich treu.

Geschwungene Urnenwände mit mehreren übereinanderliegenden Fächern stehen im Innenraum der Begräbniskirche St. Michael in Frankfurt.

Die neuen Urnenwände prägen den umgebauten Innenraum von St. Michael. Insgesamt soll die Begräbniskirche Platz für rund 2.500 Urnen bieten. / © Foto: Wikimedia Commons, Urmelbeauftragter, CC BY-SA 4.0

© Titelbild: Wikimedia Commons, Karsten11, CC0 1.0

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Aus der früheren katholischen Kirche St. Michael im Frankfurter Nordend wird ein ungewöhnlicher Bestattungsort. Nach dem Umbau durch das Frankfurter Büro Meixner Schlüter Wendt eröffnet das Bistum Limburg am 30. September 2026 Hessens erste Begräbniskirche. Die neue Nutzung greift dabei bewusst die Architektur des 1954 eingeweihten Gotteshauses auf.

  • Stadtteil: Frankfurt-Nordend
  • Ortsbezirk: Frankfurt Mitte-Nord
  • Adresse: Gellertstraße 37, 60389 Frankfurt am Main
  • Projekt: Begräbniskirche St. Michael
  • Projektstatus: Umbau abgeschlossen, offizielle Eröffnung am 30. September 2026

Die Kirche St. Michael ist bereits seit Jahrzehnten eng mit dem Thema Trauer verbunden. Seit 2007 befindet sich hier das Fachzentrum Trauerseelsorge des Bistums Limburg. Nun erhält auch das Kirchengebäude selbst dauerhaft eine entsprechende Funktion.

Die Begräbniskirche St. Michael soll künftig Urnen aufnehmen und zugleich ein Ort für Trauerfeiern, Gottesdienste, stille Besuche und Begegnungen bleiben. Erste Beisetzungen fanden bereits seit Mitte Juli statt.

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Frankfurt Nordend: 2.500 Urnen in zwölf neuen Einheiten in St. Michael

Die neue Nutzung ist unabhängig von einer Kirchenmitgliedschaft. Nach Angaben des Betreibers können Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Konfession hier beigesetzt werden, sofern sie die Regeln des Hauses akzeptieren. Anonyme Bestattungen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Jede Grabstätte erhält eine Plakette mit dem Namen der verstorbenen Person; auch ein Segensgebet gehört zum Konzept.

Architektonisch bestand die Aufgabe darin, einen Bestattungsort in einen denkmalgeschützten Raum einzubauen, ohne dessen Charakter zu verdrängen. Das Büro Meixner Schlüter Wendt entwickelte dafür zwölf geschwungene Einheiten. Sie bestehen aus Beton, Holz und Glas und bieten zusammen Platz für rund 2.500 Urnen. Die einzelnen, unterschiedlich großen Zylinderfragmente sind 2,50 Meter hoch und entlang der von Taufstein und Altar bestimmten Längsachse angeordnet.

Rudolf Schwarz entwarf St. Michael als Weg aus der Enge ins Licht

Die Form ist keine freie Ergänzung. Meixner Schlüter Wendt griff mit dem offenen Ring ein Motiv von Rudolf Schwarz auf. Die gekrümmten Wände schaffen kleinere Bereiche innerhalb des hohen Kirchenschiffs, ohne den Raum vollständig zu teilen. Blickbeziehungen zum Kirchenraum und zum einfallenden Licht bleiben erhalten. Auch Vorplatz und Garten bezog das Büro in das Gesamtkonzept ein.

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St. Michael wurde 1954 eingeweiht und zählt zu den bedeutenden Frankfurter Bauten des Architekten Rudolf Schwarz. Dieser hatte zuvor bereits am Wiederaufbau der Frankfurter Paulskirche mitgewirkt. Für St. Michael entwickelte Schwarz gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Alfons Kirchgässner einen Kirchenraum, der die Gemeinde stärker um den frei stehenden Altar versammelte.

Umbau für rund 3,5 Millionen Euro – Vorplatz ebenfalls erneuert

Der Architekturwettbewerb für die Begräbniskirche wurde 2023 entschieden. Meixner Schlüter Wendt setzte sich mit einem Konzept durch, das die vorhandene Architektur weitgehend respektiert und durch neue kreisförmige Elemente ergänzt. Nach Angaben des Bistums kosteten Umbau und Sanierung rund 3,5 Millionen Euro. Auch der Vorplatz wurde erneuert und soll stärker als Aufenthalts- und Begegnungsort dienen.

Für eine Einzelgrabstätte werden derzeit 2.900 Euro berechnet. Darin enthalten sind die Nutzung der Kirche für die Trauerfeier, die Urnenbeisetzung, die Verschlussplatte und ein Nutzungsrecht von 15 Jahren. Dieses kann anschließend um fünf Jahre verlängert werden. Wer bereits zu Lebzeiten einen Platz reservieren möchte, kann eine Anwartschaft erwerben. Dafür nennt die Begräbniskirche derzeit 195 Euro pro Jahr.

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Begräbniskirche St. Michael
Die denkmalgeschützte Kirche St. Michael im Frankfurter Nordend wurde zur ersten Begräbniskirche Hessens umgebaut und bietet Platz für bis zu 2.500 Urnen.

Quellen: Bistum Limburg, Meixner Schlüter Wendt, Frankfurter Rundschau

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