Der Berliner Fernsehturm wurde zwischen 1965 und 1969 zum stolzen Wahrzeichen der DDR und zum Symbol für Fortschritt und Ingenieurskunst. Heute prägt er die Skyline der Hauptstadt wie kein anderes Bauwerk. Unter politischem Druck und mit hohem technischem Aufwand entstand damit am Alexanderplatz das höchste Bauwerk Deutschlands.

Der Fernsehturm am Alexanderplatz ist mehr als ein technisches Bauwerk; er ist Zeitzeuge, Symbol und Attraktion zugleich. Sein Bau war geprägt von ehrgeizigen Plänen und historischen Umbrüchen. / © Foto: Wikimedia Commons / Bundesarchiv
© Fotos: Wikimedia Commons / Bundesarchiv
Kaum ein anderes Bauwerk verkörpert Berlin so eindrucksvoll wie der Fernsehturm am Alexanderplatz. Als architektonisches Aushängeschild der DDR sollte er einst die Modernität und Fortschrittsfähigkeit des Ostens demonstrieren. Heute steht er gleichermaßen für die geteilte Geschichte wie für die wiedervereinte Metropole.
Mit seiner klaren Formensprache und imposanten Höhe prägt er das Berliner Stadtbild bis in die entferntesten Kieze. Gleichzeitig ist er ein Ort der Begegnung, an dem Gastronomie, Kultur und Tourismus miteinander verschmelzen.
Berliner Fernsehturm: Idee für den Bau entstand in den 1950er Jahren
Die Idee für den Bau des Berliner Fernsehturms entstand in den 1950er Jahren, als die DDR eine moderne und flächendeckende Fernsehversorgung aufbauen wollte. Gleichzeitig sollte ein Bauwerk entstehen, das die Leistungsfähigkeit des sozialistischen Staates architektonisch verkörperte.
Der Turm sollte nicht nur technische Funktion erfüllen, sondern auch politisches Symbol werden. Deshalb wurde der Standort im Zentrum der Hauptstadt gewählt, wo er bis heute weithin sichtbar ist.
Bau des Fernsehturms: Erste Schritte und Abrissarbeiten im Stadtzentrum
Im Februar 1965 fiel die Entscheidung für den Bau, wenige Wochen später begannen die vorbereitenden Arbeiten. Auf dem Gelände am Alexanderplatz, dem ehemaligen Marienviertel, wurden zahlreiche Gebäude abgerissen, teils sogar durch Sprengungen.
Diese Maßnahmen verursachten deutlich höhere Kosten als ursprünglich geplant und ließen den Bau von Beginn an unter Zeit- und Kostendruck geraten. Dennoch galt das Projekt als Priorität des SED-Regimes, sodass es rasch vorangetrieben wurde.
Im Sommer 1965 startete der Bau des Fundaments, das trotz seiner vergleichsweise flachen Anlage enorme Stabilität gewährleisten musste. Im Frühjahr 1966 begann schließlich die Errichtung des Turmschafts aus Beton, der in zügigem Tempo wuchs. Bereits im Oktober desselben Jahres war die Marke von 100 Metern Höhe erreicht. Bis zum Sommer 1967 wurde der Schaft schließlich in voller Höhe fertiggestellt.
8.000 Kubikmeter Beton und mehrere tausend Tonnen Stahl wurden verbaut
Beim Bau kamen riesige Mengen an Baustoffen zum Einsatz, darunter fast 8.000 Kubikmeter Beton und mehrere tausend Tonnen Stahl. Diese Dimensionen verdeutlichen die technische Herausforderung, die hinter der Errichtung des Fernsehturms stand.
Trotz knapper Ressourcen und logistischen Engpässen schritt der ambitionierte Bau erstaunlich schnell voran. Dies war nicht zuletzt dem Schichtbetrieb und dem hohen politischen Druck geschuldet, den Termin einzuhalten.
Berlins Fernsehturm: Die Kugel als architektonisches Highlight
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Konstruktion der Kugel, die das markante Erscheinungsbild des Turms prägt. Sie wurde aus einzelnen Segmenten gefertigt und am Boden vormontiert, bevor sie in luftiger Höhe zusammengesetzt wurde.
Die Montage stellte die Bauarbeiter vor enorme technische Herausforderungen, war aber für den architektonischen Gesamteindruck unverzichtbar. Die Kugel wurde bis Ende 1967 vollständig montiert und bildet seitdem das Herzstück des mittlerweile ikonischen Bauwerks.
Berlin-Mitte: In Segmenten montierte Antenne und Fertigstellung der Fernsehturm-Spitze
Nach der Montage der Kugel wurde der obere Teil des Turms mit der Antenne ergänzt, die in Segmenten montiert wurde. Damit erreichte der Fernsehturm schließlich seine volle Höhe. Zeitweise galt er als das zweithöchste Bauwerk der Welt und setzte damit ein unübersehbares Zeichen. Auch im internationalen Vergleich konnte der Turm mit seiner modernen Architektur und seiner technischen Raffinesse bestehen.
Der Bau des Fernsehturms war mit erheblichen Kostensteigerungen verbunden. Statt der ursprünglich kalkulierten Summen verschlangen Abrissarbeiten, Material und technischer Aufwand ein Vielfaches der geplanten Mittel. Politisch wurde jedoch großer Wert auf die Fertigstellung gelegt, da das Bauwerk als Aushängeschild für die DDR gelten sollte. Die Inbetriebnahme war daher ein Prestigeprojekt, das die Hauptstadt international ins rechte Licht rücken sollte.
Einweihung und Eröffnung des Fernsehturms am 3. Oktober 1969
Am 3. Oktober 1969 konnte der Fernsehturm offiziell eröffnet werden. Wenige Tage später startete von dort aus die Übertragung des zweiten DDR-Fernsehprogramms, was den Turm sofort zu einem zentralen Bestandteil der medialen Infrastruktur machte.
Schon zu diesem Zeitpunkt war er das höchste Bauwerk Deutschlands und zugleich ein bedeutendes Symbol sozialistischer Architektur. Seither prägt der 368 Meter hohe Turm die Silhouette Berlins und ist bis heute ein unverzichtbares Wahrzeichen.
Der Bau des Berliner Fernsehturms zwischen 1965 und 1969 war eine Meisterleistung aus Architektur, Technik und politischem Willen. Die Errichtung des Turms steht exemplarisch für die Ambitionen der DDR, ein modernes und repräsentatives Stadtzentrum zu schaffen. Bis heute verbindet der Turm seine ursprüngliche Funktion mit einer neuen Rolle als Touristenmagnet, architektonisches Symbol und ikonisches Bauwerk. Er ist nicht nur ein Stück Technikgeschichte, sondern auch ein lebendiger Teil der Berliner Identität.
Quellen: RBB, Berliner Fernsehturm, Wikipedia, Deutsches Architektur Forum
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