Für das geplante Hochhausduo an der Gallusanlage 8 steht die nächste politische Entscheidung. Frankfurt will das bestehende Planungsrecht für das Grundstück ändern. Hinter dem formalen Beschluss steckt ein umfangreiches Projekt mit Büro-, Wohn-, Hotel- und Kulturflächen.

Zur Neckarstraße ist der kleinere Wohnturm des Hochhausprojekts „GA8“ geplant. Im Entwurf bildet seine braune Rasterfassade einen deutlichen Kontrast zum höheren Büroturm. / © Visualisierung: Ferdinand Heide Architekten, Nightnurse Images
© Titelbild / Visualisierung: Ferdinand Heide Architekten, Nightnurse Images
Zwei neue Türme sollen künftig den Übergang zwischen Frankfurter Banken- und Bahnhofsviertel prägen. Nun ist das Projekt „GA8“ einen Schritt weiter: Der Planungsausschuss hat dem Aufstellungsbeschluss für die notwendige Änderung des Bebauungsplans zugestimmt. Eine Baugenehmigung ist damit allerdings noch nicht verbunden.
- Stadtteil: Bahnhofsviertel
- Adresse: Gallusanlage 8, 60329 Frankfurt am Main
- Projektstatus: Bebauungsplanverfahren läuft
- Büroturm: maximal 170 Meter
- Wohnturm: im aktuellen Wettbewerbsentwurf rund 67 Meter
Das geplante Hochhausensemble „GA8“ an der Gallusanlage kommt im politischen Verfahren voran. Der Planungsausschuss des Frankfurter Stadtparlaments stimmte dem Aufstellungsbeschluss für die erste Änderung des Bebauungsplans Nr. 529 „Neckarstraße“ mit breiter Mehrheit zu. Die Linke voritere dagegen. Eine ausführliche politische Debatte über das Hochhausprojekt gab es dabei nicht.
Beschlossen wurde allerdings nicht die Baugenehmigung für die beiden Türme. Vielmehr soll das bestehende Planungsrecht so geändert werden, dass die geplante Neubebauung überhaupt planungsrechtlich vorbereitet werden kann. Der derzeit gültige Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 2000 und bildet im Wesentlichen den heutigen Gebäudebestand ab.

Im Sockel des Hochhausensembles „GA8“ sind öffentlich zugängliche Bereiche vorgesehen. Die Visualisierung zeigt den offenen Innenraum mit Aufenthaltsflächen, Begrünung und mehreren Ebenen. / © Visualisierung: Ferdinand Heide Architekten, Nightnurse Images
Bestehendes Bürogebäude soll zwei Hochhäusern weichen
Das rund 1,3 Hektar große Plangebiet umfasst neben der Gallusanlage 8 auch den denkmalgeschützten Silberturm. Das heutige, sieben Geschosse hohe ehemalige Vorstandsgebäude der Dresdner Bank soll für die Neubebauung verschwinden. Auch das Verbindungsbauwerk zwischen diesem Gebäude und dem Silberturm soll zurückgebaut werden. Der Silberturm selbst bleibt erhalten.
Grundlage der Planung ist der Ende 2025 entschiedene Architekturwettbewerb. Ferdinand Heide Architekten setzte sich dabei gegen elf weitere Büros durch. Der Entwurf sieht an der Gallusanlage einen bis zu 170 Meter hohen Büroturm vor. Zur Neckarstraße entsteht ein deutlich niedrigerer Wohnturm. Die aktuelle Bebauungsplanvorlage für den Wettbewerbsentwurf nennt rund 67 Meter.
Hochhaus „GA8“ in Frankfurt: Rund 93.500 Quadratmeter Bruttogrundfläche
Auch bei der Gesamtfläche hat sich die Planung konkretisiert. Der Siegerentwurf kommt nach Angaben der Stadt auf rund 93.500 Quadratmeter. Vorgesehen ist ein Nutzungsmix mit Büroflächen als größtem Baustein sowie Hotel, Wohnungen, Kultur, Gastronomie und Einzelhandel.
Beim Wohnanteil enthält die städtische Vorlage inzwischen konkretere Vorgaben. Mindestens 30 Prozent der für Wohnen vorgesehenen Bruttogrundfläche sollen auf geförderte Mietwohnungen entfallen. Weitere 15 Prozent sind für innovative Wohnformen vorgesehen, etwa für Studierende, Auszubildende, Senioren oder Kunstschaffende. Bis zu 55 Prozent sollen freifinanzierte Mietwohnungen werden.

Der bis zu 170 Meter hohe Büroturm soll an der Gallusanlage entstehen. Sein mehrgeschossiger Sockel öffnet sich mit großen Glasflächen zum öffentlichen Raum. / © Visualisierung: Ferdinand Heide Architekten, Nightnurse Images
Öffentlicher „Canyon“ soll Gallusanlage und Neckarstraße verbinden
Eine Besonderheit des Entwurfs liegt im gemeinsamen Sockel der beiden Türme. Dort sind ein öffentliches Forum, Restaurant und Bar sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume vorgesehen. Ein offener, sieben Geschosse hoher Bereich – im Entwurf als „Canyon“ bezeichnet – verbindet diese Nutzungen miteinander. Hinzu kommen ein öffentlich zugänglicher Dachgarten und eine geplante Querung zwischen Neckar- und Taunusstraße.
Auch der Außenraum soll sich verändern. Die Stadt will Teile des Grundstücks entsiegeln und die Gallusanlage durch weitere großkronige Bäume ergänzen. Zugleich soll die Neckarstraße stärker auf Fuß- und Radverkehr ausgerichtet werden. Das passt zu den bereits länger verfolgten Plänen, das Hochhausduo „GA8“ stärker mit dem Bahnhofsviertel und den Wallanlagen zu verbinden.
Baustart für Hochhaus-Projekt „GA8“ weiterhin nicht festgelegt
Bis tatsächlich gebaut werden kann, stehen allerdings weitere Schritte an. Das Wettbewerbsergebnis muss vertieft, das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen und anschließend die Genehmigungsplanung durchgeführt werden.
Damit ist die jüngste politische Zustimmung vor allem eines: ein weiterer formaler Schritt auf dem Weg zu neuem Planungsrecht. Erst danach kann aus dem prämierten Entwurf ein genehmigungsfähiges Bauprojekt werden.
Hochhausprojekt GA8 an der Gallusanlage
Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Stadtplanungsamt, Projektgesellschaft GA8, Versicherungskammer Real Estate, Frankfurt Gestalten, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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4 Kommentare
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Ich war diesen Sommer mal wieder in Frankfurt und mein Gott, ich verstehe nicht, was alle an diesen Hochhäusern so toll finden. Sicher, wenn man mit dem ICE nach Frankfurt einfährt, sieht das beeindruckend aus und wenn man auf der Dachterrasse eines Hochhauses steht, hat man eine tolle Aussicht… aber wenn man durch die Frankfurter Downtown läuft, ist das so ein bedrückendes Gefühl. Die Downtown ist eigentlich komplett leer und tot bis auf ein paar Anzugträger und Bauarbeiter, es ist zugig, die Erdgeschosse wirken kalt und ablehnend, weil logischerweise nicht öffentlich. Ich wollte eigentlich nur schnell wieder raus aus der Downtown, denn es gibt dort nichts zu tun für einen normalen Passanten, es gibt keine Bars, keine Restaurants (abgesehen von ein paar Elite-Lokalen mit Mondpreisen), die Taunusanlage ist in Ordnung, aber im Vergleich mit Berliner Parks sehr steril und langweilig, da sitzt kaum einer auf der Wiese, weil Anzugträger das eben nicht tun. Die Fahren nach Feierabend direkt mit dem Mercedes nach Kronberg oder Königstein in ihre Villa und dann kehrt völlige Totenstille in der Downtown ein.
Das Frankfurter Stadtleben findet woanders statt. Für mich war der neuerliche Besuch in Frankfurt einmal mehr der Beweis, dass Hochhäuser ein dynamisches und vibrierendes Stadtleben eher verhindern und die Stadt kalt und abweisend macht. Vor allem, wenn es so halbherzig umgesetzt wird wie in Frankfurt, wo man sich um Öffentliche Räume einen feuchten Kehricht schert ähnlich wie in einigen Teilen Berlins. Hochhäuser sind nett für Kommerz und für Fotogalerien, aber für Stadtbewohner bedeuten sie weniger Leben. Man kann Hochhausviertel gut umsetzen, wie Beispiele in den Niederlanden zB. zeigen, aber das ist anspruchsvoll und erfordert eine Herangehensweise, die sich ganz explizit mit der Beplanung der Öffentlichen Räume zwischen und rund um die Hochhäuser auseinandersetzt. Frankfurt scheitert daran seit Jahrzehnten. Generell gibt es in Deutschland keine positiven Beispiele für Hochhausviertel, sie sind alle tot und kalt.
Und wenn man nun an den Alexanderplatz oder den Potsdamer Platz denkt, kann einem nur Angst und Bange werden, denn Berlin ist berüchtigt dafür, Öffentliche Räume anspruchslos zu gestalten. Der Potsdamer Platz ist eine reine Durchgangsstation für Arbeitspendler und Touristen, keiner will sich da länger als 2 Minuten aufhalten. Und zum Alex ist eigentlich alles gesagt. Sicherlich ist er prädestiniert als Hochhausstandort durch sein städtebauliches Gefüge, aber der Öffentliche Raum am Alex ist schon heute eine Zumutung aus Autogerechter Stadt, grauer Kälte, völliger Anspruchslosigkeit und oben drauf noch einem großen Unsicherheitsgefühl. Es fehlt dort eigentlich alles, was einen öffentlichen Platz attraktiv macht. Und die Hochhäuser werden das nicht verbessern.
Das kann man getrost den Frankfurtern überlassen, es ist kommunales Bauplanungsrecht.
Dann wird der Gallusstraße noch mehr Sonne genommen
Finde es so cool wie Frankfurt Hochhäuser fördert. Freue mich bald nach Frankfurt zu ziehen.
Ich war schon durch Beruf und bekanntschaften in vielen Hochhäusern unterwegs und das ist einfach eine ganz eigene Dynamik mit der Aussicht zu arbeiten oder mal zu Mittag was zu Essen. Nicht für jeden was aber muss ja auch nicht.