Rund um Berlin entstehen immer mehr große Rechenzentren. Brandenburg bietet viel Fläche und erneuerbaren Strom, doch gerade diese Anlagen stellen hohe Anforderungen an die Infrastruktur. Besonders eine knappe Ressource rückt dabei zunehmend in den Mittelpunkt.
AWS European Sovereign Cloud – Rechenzentrum Baruth/Mark
AWS European Sovereign Cloud – Rechenzentrum Massen
BER02
BER2
Berlin 3
Berlin-Ragow
Frankfurt Oder Data FFO AI
Freyenstein
Jupiter
Lübbenau – Home of STACKIT
Rechenzentrum Heidemühle
Rechenzentrum Neuenhagen
SDC Berlin 01
Vogelsdorf
Wustermark Campus
© Titelbild: depositphotos.com
Brandenburg entwickelt sich zu einem der wichtigsten neuen Standorte für Rechenzentren in Deutschland. Während Berlin bereits über zahlreiche Anlagen verfügt, entstehen jenseits der Stadtgrenze neue Campus-Projekte mit deutlich größeren Flächen und Anschlussleistungen. Der KI-Boom verändert damit nicht nur Gewerbegebiete, sondern wirft auch Fragen zu Stromnetzen, Abwärme und Wasser auf.
- Region: Brandenburg und Berliner Umland
- Zahl der erfassten Vorhaben in Brandenburg: 15
- Status: Sieben in Planung, fünf im Aufbau, drei derzeit pausiert
- Treiber: Cloud-Dienste, Künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur
Zu den größten bekannten Projekten gehört das Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Lübbenau. Auf dem Gelände eines früheren Kraftwerks entsteht ein Datacenter mit einer vorgesehenen Anschlussleistung von rund 200 Megawatt. Die Schwarz-Gruppe beziffert ihre Investition auf rund elf Milliarden Euro. Ein Teil der entstehenden Abwärme soll künftig in das örtliche Fernwärmenetz gelangen. Das Projekt zeigt damit zugleich, warum ehemalige Industrie- und Kraftwerksstandorte für die Branche interessant sind.

Beim Spatenstich 2025 für das Datacenter in Lübbenau präsentierte Schwarz Digits die Pläne für den neuen Rechenzentrumsstandort in Brandenburg. Im Hintergrund ist eine Visualisierung des geplanten Campus zu sehen. / © Foto: Schwarz Digits / Eric Wetzel
Rechenzentren in Brandenburg brauchen vor allem eines: sehr viel Strom
Auch westlich von Berlin wächst die Branche. In Nauen haben im März 2026 die vorbereitenden Arbeiten für den BER02-Campus von maincubes begonnen. Zunächst entstehen ein Umspannwerk und die Stromtrasse nach Wustermark. Der Campus soll sechs Rechenzentrumsgebäude umfassen. Auch in Brieselang und Wustermark sind große Anlagen vorgesehen.
Damit verschieben sich die Dimensionen deutlich. Brandenburg verfügt bislang über vergleichsweise wenige Rechenzentren. Nach einer Bitkom-Prognose könnte die angeschlossene Rechenleistung des Landes aber von weniger als 50 auf fast 900 Megawatt steigen. Schon 2025 zeigte sich allerdings, dass nicht alle Anschlusswünsche kurzfristig bedient werden können: Das regionale Stromnetz stößt angesichts der zahlreichen Anfragen an Grenzen.
Wasser wird zum Standortfaktor für neue Rechenzentren
Neben dem Strom rückt das Wasser stärker in den Fokus. Rechenzentren müssen ihre Server dauerhaft kühlen. Welche Wassermengen dafür nötig sind, hängt allerdings stark vom Kühlsystem und vom Standort ab. Pauschale Verbrauchswerte für einzelne Brandenburger Projekte lassen sich deshalb nicht seriös ansetzen.
Gerade in Brandenburg ist die Frage dennoch relevant. Niedrige Grundwasserstände und trockene Sommer beschäftigen das Land bereits unabhängig vom Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Initiatoren der Karte „Heiße Luft“ weisen deshalb zusätzlich aus, in welchen Regionen Grundwasserstress besteht. Der rbb berichtet, dass viele Brandenburger Landkreise dort als Gebiete mit strukturellem oder akutem Grundwasserstress erscheinen.
Von Nauen bis Lübbenau: Abwärme soll nicht ungenutzt bleiben
Dazu kommt die enorme Wärmemenge der Server. In Lübbenau soll sie in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Auch Potsdam und Wustermark haben im März 2026 eine Absichtserklärung unterzeichnet, um zu prüfen, wie die Abwärme des geplanten Rechenzentrums in Wustermark für die Wärmeversorgung beider Kommunen genutzt werden kann.
Dass solche Konzepte auch in Berlin an Bedeutung gewinnen, zeigt der Modell-Campus ringberlin in Mariendorf. Dort soll die Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums zur Versorgung eines Gewerbequartiers beitragen. Damit werden Rechenzentren zunehmend Teil der kommunalen Wärmeplanung – vorausgesetzt, Wärmenetze und geeignete Abnehmer befinden sich in erreichbarer Nähe.

Auf dem Modell-Campus ringberlin entsteht Europas größter geplanter Makerspace. Die Wärme dafür soll künftig aus einem benachbarten Rechenzentrum kommen. / © Foto: ringberlin/Berlin-eventfotograf.de
Brandenburg will Rechenzentren – doch die Kommunen müssen genau rechnen
Das Land Brandenburg sieht in den Ansiedlungen der Rechenzentren wirtschaftliche Chancen. Gleichzeitig räumt die Landesregierung ein, dass große Rechenzentren viel Fläche und Strom benötigen, während im laufenden Betrieb vergleichsweise wenige Arbeitsplätze entstehen können. Auch die Gewerbesteuer kommt bislang nicht zwangsläufig in dem Umfang am Standort an, den Kommunen bei Milliardeninvestitionen erwarten könnten. Eine geplante bundesweite Neuregelung soll die Verteilung stärker an der elektrischen Anschlussleistung beziehungsweise dem tatsächlichen Stromverbrauch orientieren.
Der Rechenzentrumsboom ist damit längst ein Thema der Stadt- und Regionalentwicklung. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wie viele Anlagen Brandenburg aufnehmen kann. Es geht zunehmend darum, wo sie entstehen, wie Strom und Wasser bereitgestellt werden und ob Abwärme, Gewerbesteuer und neue Infrastruktur tatsächlich einen Nutzen für die jeweilige Kommune bringen.
Quellen: rbb24, Heiße Luft, AlgorithmWatch, Landesregierung Brandenburg, Landesamt für Umwelt Brandenburg
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