Seit dem Mauerfall ist die Zahl der Berliner Hotelbetten von rund 31.000 auf etwa 145.000 gestiegen. Die Übernachtungszahlen bleiben zwar auf hohem Niveau, doch noch immer unter dem Rekordniveau von 2019. Neue Impulse werden für den größten deutschen Städtereisemarkt also immer wichtiger.

Das legendäre InterContinental Berlin ist eines der großen und bekannten Häuser der Hauptstadt und zeigt die enorme Vielfalt des Berliner Hotelmarktes. / © Foto: Depositphotos.com
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Berlin ist heute der größte Hotelstandort Deutschlands. Doch diese Position ist vergleichsweise jung. Nach dem Mauerfall fehlten in der Stadt zunächst sogar Unterkünfte. Danach setzte ein Ausbau ein, der das Angebot innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert hat. Inzwischen stellt sich eine neue Frage: Wie gut passen Berlins große Hotelkapazitäten noch zur Entwicklung der Gästezahlen?
- Standort: Berlin
- Hotelmarkt: Größter deutscher Städtereisemarkt nach Übernachtungen
- Bettenangebot im Juli 2025: 145.013 Schlafgelegenheiten
- Übernachtungen 2025: 29,44 Millionen
Berlin hatte nach dem Mauerfall zunächst ein Problem, das aus heutiger Sicht fast überraschend wirkt: Es fehlten Hotelbetten. Im Oktober 1990 berichtete der Tagesspiegel unter Berufung auf das damalige Verkehrsamt von lediglich rund 33.000 bis 35.000 Hotelbetten. Das Amt ging damals davon aus, dass bis zu 30.000 weitere Betten fehlten.
Berlin: Von rund 31.000 auf etwa 145.000 Hotelbetten
Danach begann ein Ausbau, der das Berliner Hotelangebot dauerhaft veränderte. Bis 2014 war die Zahl der Beherbergungsbetriebe nach Angaben von visitBerlin von 398 auf 801 gestiegen. Die Zahl der Hotelbetten wuchs im selben Zeitraum von rund 31.000 auf etwa 135.000. Damit hatte sich das Angebot innerhalb von rund 25 Jahren mehr als vervierfacht.
2022 stieg die Zahl der Hotelbetten in Berlin laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg auf 141.915 und 2023 auf 145.146. Im Juli 2024 erreichte das Angebot mit 148.162 Betten einen neuen Höchststand.
Inzwischen hat sich die Lage jedoch verändert: Das Bettenangebot ist groß, während die Gäste- und Übernachtungszahlen noch unter dem Rekordniveau von 2019 liegen. Die durchschnittliche Bettenauslastung lag im Gesamtjahr 2025 bei 55,5 Prozent. Berlins Hotelmarkt verändert sich inzwischen deutlich.
Deutschlands größter Hotelmarkt: Berlin liegt deutlich vor München
Trotzdem bleibt Berlin nach dem Übernachtungsvolumen der mit Abstand größte deutsche Städtereisemarkt. Im deutschen Städtevergleich zeigt sich die Größenordnung besonders deutlich. Berlin kam 2025 auf 29,44 Millionen Übernachtungen. München registrierte im selben Jahr rund 19,68 Millionen Übernachtungen, das sind fast 10 Millionen weniger, trotz des international enorm populären Oktoberfestes.
Beim Bettenangebot stehen den rund 145.000 Berliner Schlafgelegenheiten knapp 100.000 in München und gut 80.000 in Hamburg gegenüber. Hamburg kam 2025 auf rund 16,46 Millionen Übernachtungen.

Berlin hat sich seit dem Mauerfall zu Deutschlands größtem Städtereiseziel entwickelt. Rund 145.000 Schlafgelegenheiten stehen heute in der Hauptstadt zur Verfügung. / © Foto: Depositphotos.com
Fast die Hälfte der Berliner Übernachtungen entfällt auf Mitte
Auch innerhalb Berlins verteilen sich die Kapazitäten sehr ungleich. Besonders deutlich zeigt sich das in Berlin-Mitte. Dort standen 2025 nach Angaben des Amts für Statistik 208 Unterkünfte mit insgesamt 63.248 Betten zur Verfügung. Auf den Bezirk entfielen 46 Prozent aller Übernachtungen der Stadt.
Das erklärt, warum neue Hotelprojekte weiterhin häufig in zentralen Lagen entstehen. Am Alexanderplatz wird beispielsweise an der Mollstraße ein neues Voco-Hotel mit 440 Zimmern geplant.
Neue Hotels entstehen jedoch längst nicht mehr ausschließlich in der Innenstadt. Projekte gibt es unter anderem in Neukölln, Reinickendorf, Treptow-Köpenick und Spandau. Besonders groß ist das bekannteste Hotelprojekt in Berlin-Neukölln: Mit dem Estrel Tower entsteht derzeit Deutschlands künftig höchstes Hotelgebäude. Auch in Treptow-Köpenick sind neue Kapazitäten vorgesehen. An der Mahlsdorfer Straße soll neben 297 Wohnungen ein Hotel mit 203 Zimmern entstehen.
Internationaler Vergleich: Berlin gehört zu Europas großen Städtezielen
Im internationalen Vergleich misst sich Berlin vor allem an der Zahl der Übernachtungen mit der Konkurrenz. Eine Statistik von Eurostat zeigt: Innerhalb der Europäischen Union lag Berlin 2024 bei den Übernachtungen auf Rang drei hinter Paris mit rund 74 Millionen Übernachtungen und Rom mit rund 42 Millionen Übernachtungen. Berlin kam auf rund 30,6 Millionen Übernachtungen. Allerdings fehlen in diesem Vergleich tourismusstarke Städte wie London oder Istanbul.
Vor der Corona-Pandemie war Berlin im europäischen Vergleich allerdings noch stärker positioniert. 2019 registrierte die Stadt 13,96 Millionen Gäste und 34,12 Millionen Übernachtungen. Nach Angaben von visitBerlin lag Berlin damals bei europäischen Städtereisen auf Rang drei hinter London und Paris.
Berlin verliert 2025 wieder Hotel-Übernachtungen
Die jüngste Entwicklung zeigt also, dass die Rückkehr auf das Niveau von 2019 noch nicht gelungen ist. 2025 sank die Zahl der Übernachtungen in Berlin sogar auf 29,4 Millionen. Damit lag die Hauptstadt bei den Übernachtungen rund 14 Prozent unter dem Rekordjahr 2019. Dennoch zählt visitBerlin die Stadt weiterhin zu den führenden Städtedestinationen Europas.
Die weitere Entwicklung des Berliner Hotelmarktes hängt künftig weniger von zusätzlichen Betten als von einer wachsenden Nachfrage ab. Ein wichtiger Baustein wären deshalb mehr internationale Flugverbindungen, die Berlin besser mit globalen Herkunftsmärkten verbinden.
Mehr Tourismus für Berlin: BER, Großevents und kulturelle Highlights als Schlüssel zum Erfolg?
Darüber hinaus könnte sich die Hauptstadt gezielt um Großevents wie eine EXPO, Olympische Spiele oder andere internationale Sport- und Kulturveranstaltungen bewerben. Die für den kommenden Sommer angekündigten Konzerte von Harry Styles und Ed Sheeran auf dem Tempelhofer Feld verdeutlichen, wie stark einzelne Ereignisse den Städtetourismus beleben können. Berlin erwartet allein aufgrund dieser Konzert-Events im kommenden Sommer hunderttausende zusätzliche Gäste in der Hauptstadt.
Neue Museen, viel beachtete Sonderausstellungen und außergewöhnliche Vorhaben wie etwa das Grenzhafen-Projekt auf der Spree oder das im Bau befindliche „Ocean Berlin“ am Ostkreuz könnten zugleich langfristige Impulse setzen. Berlin verfügt damit weiterhin über großes Wachstumspotenzial, muss seine internationale Sichtbarkeit und touristische Anziehungskraft jedoch konsequent weiterentwickeln.

Neben der Zahl der Hotelbetten verändern sich auch die Ansprüche an Architektur, Gestaltung und Aufenthaltsqualität. Im Hotel Radisson in Berlin-Mitte ist nach dem Platzen des einstigen Auqariums ein sogenannter „Living Tree“ entstanden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, visitBerlin, Eurostat, Tourism statistics, Statistisches Amt München, Statistikamt Nord
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