Das Kathreiner-Haus an der Potsdamer Straße in Schöneberg steht weiterhin leer. Eine geplante Nutzung als Verwaltungsgericht ist wegen stark gestiegener Umbaukosten vom Tisch. Nun prüft das Land eine Nutzung als Verwaltungsstandort.

Das denkmalgeschützte Kathreiner-Haus an der Potsdamer Straße soll erhalten bleiben. Welche Nutzung künftig in dem seit Jahren leerstehenden Gebäude einzieht, ist noch offen. / © Foto: Wikimedia Commons, Bruno Paul, CC BY-SA 3.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Manfred BrueckelsPermission:PD-self, CC BY-SA 3.0
Das Kathreiner-Haus an der Potsdamer Straße in Schöneberg bleibt vorerst ohne Nutzung. Nach jahrelangem Leerstand ist auch die geplante Umwandlung des denkmalgeschützten Gebäudes in einen Standort für das Verwaltungsgericht vom Tisch. Stattdessen prüft das Land Berlin nun, ob das Hochhaus künftig wieder als Verwaltungsgebäude genutzt werden kann.
Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine Schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Sebastian Walter hervor. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die das Gebäude für das Land verwaltet, hält demnach eine Büronutzung weiterhin für die geeignetste Perspektive. Eine konkrete Entscheidung über das weitere Vorgehen steht allerdings noch aus.
Kathreiner-Haus: Wohnnutzung wurde geprüft – und verworfen
Nach Angaben des Senats wurden verschiedene Nutzungsmöglichkeiten untersucht. Auch eine Umwandlung in Wohnungen war dabei ein Thema. Diese Option wird inzwischen nicht weiterverfolgt. Die Bausubstanz sei für Wohnungsbau wenig geeignet, heißt es in der Antwort. Das Gebäude wurde vor rund 100 Jahren mit einem vergleichsweise einfachen Standard für Büronutzung errichtet. Hinzu kommen heutige bauliche Anforderungen und der Denkmalschutz.
Eine temporäre Nutzung, etwa durch bezirkliche Einrichtungen mit zusätzlichem Raumbedarf, sei ebenfalls nicht wirtschaftlich darstellbar. Die technische Gebäudeausrüstung sei vollständig abgängig. Auch Anforderungen an Verkehrssicherheit, Betreiberpflichten und Arbeitsstätten würden bei einer Zwischennutzung erhebliche Kosten verursachen.

Nach dem Aus für die geplante Nutzung als Verwaltungsgericht prüft das Land Berlin neue Optionen für das Kathreiner-Haus. Eine Nutzung als Verwaltungsstandort gilt derzeit als wahrscheinlichste Perspektive. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Schlechte Bausubstanz: Umbaukosten stiegen auf 140 Millionen Euro
Ursprünglich war vorgesehen, das Kathreiner-Haus für das Verwaltungsgericht umzubauen. Die geschätzten Kosten sind seit einer ersten Machbarkeitsstudie von 2019 jedoch deutlich gestiegen: von rund 40 auf inzwischen 140 Millionen Euro.
Als Gründe nennt der Senat unter anderem die allgemeine Baukosten- und Inflationsentwicklung sowie den schlechter als erwarteten Zustand der Bausubstanz. Bei Untersuchungen wurden zudem statische Probleme festgestellt. Unter anderem müssten Aufzugsschächte erneuert und zusätzliche Lasten durch die Haustechnik abgefangen werden.
Besonders aufwendig ist außerdem die Fassade. Sie gilt inzwischen als vollständig abgängig. Die vorhandenen Travertinplatten können wegen heutiger Anforderungen nicht wiederverwendet werden. Stattdessen wären stärkere Platten erforderlich. Eine Nutzung mit besonders hohen zusätzlichen Flächen- und Raumanforderungen wurde deshalb verworfen.
Potsdamer Straße: Sicherheitsnetz bleibt vorerst am Gebäude
Auch äußerlich ist der Sanierungsbedarf inzwischen deutlich sichtbar. Die Fassade ist mit einem Sicherheitsnetz versehen. Es soll verhindern, dass sich Teile der Fassadenverkleidung lösen und herunterfallen. Eine Sanierung soll nach Möglichkeit mit einer umfassenden Gesamtsanierung verbunden werden.
Wann diese beginnen könnte, ist derzeit offen. Die BIM soll gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Finanzen zeitnah entscheiden, welche Nutzungsoptionen vertieft untersucht werden und wie das weitere Verfahren aussieht. Sollte eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für eine Verwaltungsnutzung gefunden werden, könnte noch im Herbst 2026 mit einer vertieften Prüfung begonnen werden.
Bruno Paul-Gebäude entstand im Stil der Neuen Sachlichkeit
Das Kathreiner-Haus wurde Ende der 1920er-Jahre nach Plänen des Architekten Bruno Paul errichtet und gilt als bedeutendes Bauwerk der Neuen Sachlichkeit. Der Mitteltrakt erreicht rund 46 Meter Höhe. Der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes und die Beseitigung des städtebaulichen Missstands stehen laut Senat weiterhin im Mittelpunkt. Wann das seit Jahren leerstehende Haus wieder genutzt werden kann, bleibt jedoch offen.
Kathreiner-Haus
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 26 975, Schriftliche Anfrage, rbb
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