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An der Jannowitzbrücke in Berlin-Mitte soll in den kommenden Jahren das Hochhaus „Central Tower“ entstehen. Das Bezirksamt hat nach langem Hin und Her das Bebauungsplanverfahren gestartet, Entwickler HB Reavis setzt dabei auf eine gemischte Nutzung und nachhaltige Standards. Erste Details zeigen, dass das Projekt nicht nur architektonisch, sondern auch städtebaulich ein wichtiger Baustein für das Quartier werden könnte.
Visualisierung Außenbereich des Central Towers

Ein brachliegendes Grundstück neben den S-Bahn-Gleisen an der Jannowitzbrücke soll aufgewertet werden. HB Reavis plant, dort bis 2032 ein neues nachhaltiges und gemischt genutztes Hochhaus zu errichten. / © Visualisierung: Dorte Mandrup architects

© Visualisierungen: Dorte Mandrup architects

 

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Nach langem Hin und Her hat das Bezirksamt Mitte am 1. Juli den sogenannten Aufstellungsbeschluss für das viel diskutierte Hochhausprojekt an der Jannowitzbrücke gefasst. Damit beginnt das förmliche Bebauungsplanverfahren, bei dem neben der Verwaltung auch Öffentlichkeit, Fachbehörden und Träger öffentlicher Belange eingebunden werden. Auf Grundlage dieser Prüfungen soll die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) schließlich über den neuen Bebauungsplan entscheiden.

Das Vorhaben wird von der internationalen Immobiliengruppe HB Reavis entwickelt. Der Entwurf für den „Central Tower“ stammt vom dänischen Büro Dorte Mandrup, das sich in einem zweistufigen Wettbewerb gegen elf weitere Teilnehmer durchgesetzt hatte. Vorgesehen ist ein 27-geschossiges Hochhaus mit 105 Metern Höhe (statt den ursprünglich geplanten 115 Metern) und einer Bruttogrundfläche von rund 39.000 Quadratmetern.

Städtebauliche Zielsetzungen: So soll das neue Hochhaus an der Jannowitzbrücke gestaltet werden

Das Gebäude soll am bislang brachliegenden Grundstück an der Stralauer Straße und Alexanderstraße entstehen, direkt neben den Gleisen der Stadtbahn. Nach Angaben der Projektverantwortlichen erfüllt das Projekt die Vorgaben des Berliner Hochhausleitbildes, das Nachhaltigkeit, öffentliche Zugänglichkeit und städtebauliche Verträglichkeit in den Mittelpunkt stellt.

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Das geplante Hochhaus gliedert sich in drei Bereiche: einen Sockel mit Gastronomie, Cafés, Einzelhandel, Wohnraum sowie medizinischen und sozialen Angeboten, den Hauptturm mit Büroflächen und eine Krone mit weiteren Büros und begrünten Außenbereichen. Ziel der Projektverantwortlichen ist es, den bislang stark verkehrsbelasteten und zergliederten Ort aufzuwerten und neue urbane Qualitäten zu schaffen.

Neue Grünbereiche und Entsiegelung in Berlin-Mitte: Nachhaltigkeit im Fokus des Hochhausprojekts

HB Reavis plant das Gebäude nach internationalen Standards. Angestrebt wird eine LEED-Platin-Zertifizierung, die höchste Kategorie für Nachhaltigkeit im Gebäudesektor. Das Gebäude soll vollständig CO2-neutral betrieben werden und im Bau einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Auch die Umgebung soll profitieren: Geplant ist die Entsiegelung von Flächen, die Schaffung neuer Grünbereiche und Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung. Ziel ist es, den öffentlichen Raum zu beleben und die Aufenthaltsqualität rund um die Jannowitzbrücke zu verbessern.

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Verkehrskonzept ohne Autos? Projektverantwortliche setzen vorwiegend auf ÖPNV in Berlin-Mitte

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist dabei die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Auf eine Tiefgarage wird bewusst verzichtet, auch da Bauarbeiten im Untergrund in unmittelbarer Nähe zum U-Bahn-Tunnel als problematisch gelten.

Geplant sind stattdessen zahlreiche Fahrradstellplätze sowie eine starke Ausrichtung auf die vorhandenen Anbindungen an U- und S-Bahn. Zugleich soll die Umgebung begrünt und für Fußgänger besser erlebbar werden.

Aufgrund hoher Lärmbelastungen an der Jannowitzbrücke: Wohnen auf Zeit statt regulärer Wohnungen

Eine weitere Besonderheit betrifft das Wohnkonzept: Ursprünglich war auch klassischer Wohnraum vorgesehen, doch aufgrund der hohen Lärmbelastung wurde dies nicht genehmigt. Stattdessen sind nun temporäre Wohnungen für Nutzungszeiten von bis zu sechs Monaten vorgesehen. Damit wolle man wenigstens verhindern, dass Kurzzeitaufenthalte regulären Wohnraum blockieren.

Zugleich bleibe die Nutzung flexibel und könne sich an den tatsächlichen Bedarf in den kommenden Jahren anpassen. Zusätzlich ist eine Etage für preisreduzierte Mieten vorgesehen, die beispielsweise Beschäftigten im Gesundheitswesen zur Verfügung stehen soll. Auf diese Weise soll das Gebäude auch einen sozialen Beitrag leisten.

70 Prozent Büros, 30 Prozent Wohnen, Einzelhandel, Gastronomie: Mischnutzung und städtebauliche Einbindung

Neben Wohnen auf Zeit und Büroflächen sollen Arztpraxen entstehen. Damit wolle man vor allem auch älteren Menschen in der Umgebung weite Wege ersparen, hieß es von den Verantwortlichen. Eine öffentlich zugängliche Terrasse ist ebenfalls vorgesehen. Das Projekt soll sich damit stärker an Berlinerinnen und Berliner richten und weniger touristische Nutzung im Fokus haben.

Architektonisch ist das Design noch nicht endgültig entschieden, wie die Investoren betonen. Visualisierungen zeigen bislang lediglich eine Kombination verschiedener Wettbewerbsentwürfe. Klar ist bisher jedoch, dass die Gestaltung nicht allein auf Glas setzen wird, sondern sich an der heterogenen Umgebung orientieren soll.

Zeitschiene bis 2032: So geht die Planung für den „Central Tower“ in Berlin-Mitte weiter

Der Zeitplan für das Vorhaben ist ambitioniert: Bis 2027 sollen die planungsrechtlichen Grundlagen abgeschlossen sein, sodass 2028 die Baugenehmigung erteilt werden könnte. Die Fertigstellung ist aktuell für 2032 vorgesehen. Ursprünglich war zwar ein höheres Bauvolumen vorgesehen, doch nach den Anpassungen im Verfahren zeigten sich die Entwickler mit der nun festgelegten Höhe von 105 Metern zufrieden.

Auch in der Nachbarschaft stoße das Projekt auf Zustimmung, betont HB Reavis. Viele Anwohnerinnen und Anwohner würden die Einschätzung teilen, dass an diesem seit Jahren vernachlässigten Standort dringend etwas geschehen müsse. Die Sorge, der Ort könne sich andernfalls weiter zu einem Problemfeld entwickeln, habe dazu beigetragen, dass die Pläne überwiegend positiv aufgenommen werden, so die Projektverantwortlichen im Gespräch mit ENTWICKLUNGSSTADT.

Visualisierung der öffentlich zugänglichen, begrünten Terrassen, die den Blick auf die Umgebung ermöglichen

Öffentlich zugängliche, begrünte Terrassen sollen künftig den Blick auf die Umgebung ermöglichen. / © Visualisierung: Dorte Mandrup architects

Außenansicht des geplanten Central Towers in Berlin - HB Reavis plant ein neues nachhaltiges und gemischt genutztes Hochhaus auf einem brachliegenden Grundstück neben des S-Bahn-Gleisen an der Jannowitzbrücke

© Visualisierung: Dorte Mandrup architects

Visualisierung, Sockel des Central Towers in Berlin Mitte. Geplant ist eine Mischung aus Gastronomie, Café, Einzelhandel, Wohnraum, medizinischen und sozialen Angeboten sowie öffentlich nutzbaren Terrassen.

Im Sockel ist eine lebendige Mischung aus Gastronomie, Café, Einzelhandel, Wohnraum, medizinischen und sozialen Angeboten sowie öffentlich nutzbaren Terrassen vorgesehen. / © Visualisierung: Dorte Mandrup architects

Quellen: HB Reavis, Bezirksamt Mitte, BVV Berlin-Mitte, Dorte Mandrup A/S, Ausschuss für Stadtentwicklung und Facility Management Bezirk Berlin-Mitte

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13 Kommentare

  1. Marcel S. 19. August 2025 at 10:16 - Reply

    Absurd ist es dass 3 Jahre lang wegen 10m Gebäudehöhe rumdiskutiert wurde. Unfassbar und traurig zugleich finde ich außerdem, dass man einen Zeitplan von 7 Jahren für so ein relativ unspektakuläres Gebäude als ambitioniert betrachtet.
    Das davon allein 3 Jahre für B-Plan und Genehmigungen vorgesehen sind, macht mich regelrecht wütend.
    Es zeigt wieder wie wenig unsere Beamten, Behörden und Regierenden verstanden haben dass sich in diesem Land grundlegende Dinge verändern müssen. Stattdessen macht man einfach weiter wie bisher.

    • a.tirpitz 19. August 2025 at 11:10 - Reply

      Zu 100% ganz bei Ihnen…und man kann sich auch überhaupt nicht mehr vorstellen, wer oder was dieses Land und diese Stadt überhaupt nochmal zum Normalzustand reformieren sollte oder könnte.

    • Phil 19. August 2025 at 12:35 - Reply

      Sie sprechen mir (und vielen anderen) aus der Seele.

  2. a.tirpitz 19. August 2025 at 11:06 - Reply

    Hochhäuser ohne Tiefgaragen werden dem einen oder anderen Projekt später auf die Füße fallen… 100pro.

  3. Kevin 19. August 2025 at 15:21 - Reply

    Schade, dass die interessantere Gestaltung der Spitze jetzt nicht mehr verwirklicht wird. Das wäre mal spannend gewesen, so wird es dann doch eher gewöhnlich!

  4. Cardiac 19. August 2025 at 18:01 - Reply

    War klar. Ewig diskutiert, Höhe gestutzt, interessanten Teil der Architektur über Bord geworfen, Hauptsache möglichst viele Buzzwords sind in der Projektbeschreibung abgedeckt. Und dann auch noch ein Zeithorizont von 7 Jahren ab jetzt (zusätzlich zu den bereits vergangenen Jahren) für ein 105m Gebäude. Deutschland hat wirklich fertig, sorry.

  5. Arne 20. August 2025 at 00:14 - Reply

    Gekürzt wurde das einzige nicht-kommerzielle Element: die Spitze. Dem Haus wurde dadurch das einzige luftige Element genommen. Jetzt sieht das Haus nur noch „okay“aus – aber wie möglichst viel Baumasse auf wenig Raum. Wie kann man in der Berliner Verwaltung mit so einem Höhen-Fetish arbeiten, selbst wann man durch die Spitze schauen kann? Der Architektur wird wortwörtlich die Luft zum Atmen durch die Berliner Verwaltung genommen. Es ist höchste Zeit, dass dort die Ü60-Leute mit DDR-Fetisch möglichst schnell in den Ruhestand versetzt werden.

  6. Böhme 20. August 2025 at 15:35 - Reply

    Von der Berliner Politik wie auch Beamtenschaft wird die Berliner Piefigkeit und Spießigkeit mit einer Leidenschaft betrieben, die, wäre es nicht so traurig, bewunderungswürdig wäre. Das Gebäude ist ab der 6. Etage ein monolithischer Block in der in Berlin favorisierten Schuhkartonbauweise mit eingebauten Schlitzen als Fenster. Das, was das Gebäude allenfalls interessant machte, waren die letzten zehn Meter, die darüber hinaus ja der Öffentlichkeit „gewidmet“ sein sollten.

    Absurd auch, dass Wohnen nur als Kurzzeitwohnen zugelassen sein soll. Erst zwingt man Bauherren dazu, Gebäude nicht für den bevorzugten Nutzungszweck zu errichten, sondern auch immer einen Anteil an Wohnungen einzuplanen, um dann wieder die Wohnungen faktisch zu kassieren. Kurzzeitwohnen in möblierten Appartements ist extrem teuer, es wird sich zeigen, wie erfolgreich vermietet werden kann. Werden die Kurzzeitwohnungen nicht durchgehend vermietet, verteuert das das Immobilienobjekt erheblich.

    Die gesamte Immobilienpolitik dieser Stadt bleibt erratisch – und eins steht fest: Bezahlbarer Wohnraum für die breite Masse der Berliner Bevölkerung wird so jedenfalls nicht geschaffen!

  7. Kuhny 20. August 2025 at 19:15 - Reply

    Ich finde es möglich, dass die haeuser die in Berlin gebaut werden , alle sehen gleich aus. Es traut sich keiner mal was anderes zu bauen.

  8. Tobias Baumann 21. August 2025 at 00:22 - Reply

    Alle Kommentare hier sind absolut zutreffend. Es ist schon erstaunlich, dass angesichts solcher gruseligen Ansätze der Berliner Verwaltung und sinnentstellter Baukollegien, die offenbar außer Verhinderungen, Verschlimmbesserungen und Verzögerungen sonst nichts zustande bringen, überhaupt noch ein Investor gehalten werden kann.

  9. Eduard 21. August 2025 at 14:50 - Reply

    Sieht schrecklich aus 😡

  10. M.Hillen 22. August 2025 at 22:12 - Reply

    Im Baukollegium scheinen nur Idioten zu sitzen..

  11. H.eybro 17. November 2025 at 06:55 - Reply

    It’s surprising that they argued for three years over just 10 meters in height. It could be seen as prudence, but it may also be a textbook example of bureaucracy.
    And the fact that the project was planned without any parking facilities is even more astonishing.
    Even if the current rationale seems to justify it, this will become the biggest risk in the future.
    This, too, can be seen as a failure—or incompetence—of the authorities who approved the permit.

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