180 Meter Stahl bewegen sich in Berlin-Mitte derzeit Zentimeter für Zentimeter über die Spree: die neue, 1.500 Tonnen schwere Südbrücke des Bundeskanzleramtes ist ein technisches Großprojekt. Sie schafft nicht nur eine interne Verbindung, sondern soll künftig auch öffentlich für Fußgänger und Radfahrer nutzbar sein. Der Einbau der neuen Brücke allerdings ist hochkomplex.

Bundeskanzleramt, Spree, Brücke, Berlin

So soll die neue Brückenverbindung des Bundeskanzleramtes in Berlin-Mitte einmal aussehen, wenn die Bauarbeiten vollständig abgeschlossen wurden. Entworfen wurde die Kanzleramtserweiterung vom Büro Schultes Frank Architekten. / © Visualisierung: Schultes Frank Architekten

© Fotos: Merlin
© Visualisierungen: Schultes Frank Architekten

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Die raumgreifende Erweiterung des Bundeskanzleramtes im Berliner Spreebogen ist inzwischen deutlich im Stadtbild ablesbar. Auf der Großbaustelle westlich des bestehenden Kanzleramtsgebäudes hat der Neubau seine endgültige Gebäudehöhe erreicht.

Damit wird erstmals die räumliche Dimension des künftigen Regierungscampus sichtbar. Auch die Ausdehnung des gesamten Komplexes zwischen Spree, Kanzlerpark und bestehendem Kanzleramt lässt sich nun klar erkennen.

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Während noch im Vorjahr letzte Erdarbeiten und der Rohbau dominierten, prägt nun der zumindest strukturell fertige Baukörper das Bild. Die Silhouette des Erweiterungsbaus ordnet sich in das Ensemble des Regierungsviertels ein und ergänzt das bestehende Kanzleramt um einen zweiten, westlich gelegenen Gebäudeteil. Mit dem Erreichen der Endhöhe ist ein zentraler Meilenstein des Projekts abgeschlossen.

Erweiterung des Bundeskanzleramtes: Neue Südbrücke wird über die Spree geführt

Mit dem Erweiterungsbau reagiert der Bund nach eigener Aussage auf den stark gestiegenen Raumbedarf des Bundeskanzleramtes. Das ursprüngliche Gebäude war bei seiner Fertigstellung Anfang der 2000er-Jahre für deutlich weniger Beschäftigte ausgelegt. Inzwischen sind die Aufgabenbereiche gewachsen, ebenso die Zahl der Mitarbeitenden.

Derzeit wird eines der spektakulärsten Elemente des Erweiterungsbaus baulich umgesetzt; die neue Südbrücke über die Spree. Sie ist Teil der umfassenden Erweiterung und soll künftig den Neubau im Kanzlerpark mit dem bestehenden Regierungsgebäude verbinden. Aktuell befindet sich das Bauwerk in einer besonders sichtbaren Phase, denn der aufwendige Einschub der Brücke in ihre finale Position läuft.

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Die neue Kanzleramtsbrücke wurde aus 13 Einzelteilen zusammengesetzt und in den vergangenen Monaten am Spreeufer vormontiert. Nun wird das Bauwerk mittels einer Spezialkonstruktion über die Spree geschoben. / © Foto: Merlin

Neue Kanzleramtsbrücke in Berlin-Moabit: 180 Meter lang, 1.500 Tonnen schwer

Das rund 180 Meter lange Bauwerk aus etwa 1.500 Tonnen Stahl wurde zuvor auf dem Baufeld vormontiert und wird nun mithilfe einer Spezialkonstruktion mit einer Geschwindigkeit von rund drei Metern pro Stunde über die Spree geschoben.

Dieses technisch anspruchsvolle Verfahren zählt zu den zentralen baulichen Highlights des Projekts und verdeutlicht die Komplexität der Gesamtmaßnahme. Mit der Fertigstellung der Südbrücke entsteht eine direkte Verbindung zwischen Alt- und Neubau des Kanzleramts.

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Regierungsviertel: Neue Brücke zwischen Moabit und Tiergarten ist doppelgeschossig angelegt

Für die Mitarbeitenden bedeutet dies künftig kurze Wege und eine interne Erschließung, die den hohen Sicherheitsanforderungen des Regierungsstandorts gerecht wird. Gleichzeitig folgt die Brücke dem architektonischen Prinzip ihrer nördlichen „Schwester“ und ist ebenfalls doppelgeschossig angelegt.

Über mehrere Monate hinweg wurden die insgesamt 13 Brückensegmente vor Ort montiert und zu einem Gesamtbauwerk zusammengefügt. Mit der geplanten Eröffnung des Erweiterungsbaus im Jahr 2028 soll auch die Brücke in Betrieb gehen.

Bundeskanzleramt, Spree, Brücke, Berlin

© Foto: Merlin

Die untere Etage der neuen Spreebrücke soll für Radfahrer und Fußgänger öffentlich nutzbar sein

Während die obere Ebene ausschließlich Mitarbeitenden und Gästen des Bundeskanzleramts vorbehalten bleibt, wird auf der unteren Ebene eine öffentlich zugängliche Verbindung zwischen dem Bettina-von-Arnim-Ufer und dem Magnus-Hirschfeld-Ufer geschaffen.

Parallel dazu beginnen in den kommenden Monaten die Arbeiten an den umliegenden Freianlagen. Das derzeit gesperrte Bettina-von-Arnim-Ufer soll bereits im April wieder geöffnet werden, während die Fertigstellung des Magnus-Hirschfeld-Ufers voraussichtlich bis Herbst 2026 andauern wird.

Berlin-Mitte: Erweiterung des Bundeskanzleramtes als Teil des „Band des Bundes“

Städtebaulich fügt sich das Bauwerk in das übergeordnete Konzept des „Bandes des Bundes“ ein, das die wichtigsten Regierungsgebäude entlang der Spree miteinander verknüpft. Dieses Leitbild geht auf die Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank zurück, die bereits in den 1990er-Jahren den städtebaulichen Entwurf für das Regierungsviertel prägten und auch in die Erweiterungsplanungen eingebunden sind.

Durch die öffentliche Nutzbarkeit der neuen Brücke soll das Bauwerk zugleich einen Beitrag zur besseren Vernetzung der Stadträume beidseits der Spree leisten. In rund zwei Jahren wird es soweit sein.

Bundeskanzleramt, Spree, Brücke, Berlin

© Visualisierung: Schultes Frank Architekten

Quellen: Bezirksamt Mitte, Deutsches Architektur Forum, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Die Bundesregierung, Nordkurier, Schultes Frank Architekten, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

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2 Kommentare

  1. Gumbert Salonek 23. März 2026 at 20:23 - Reply

    Die 1./obere Visualisierung zeigt fälschlicherweise die vorhandene Nordbrücke – nicht die neue Südbrücke.

  2. Beata Gontarczyk-Krampe 24. März 2026 at 09:35 - Reply

    Es ist eine einmalige Gelegenheit, sich ein Brückenbuprozess von A bis Z im Stadtzentrum anzuschauen. Und eine echte Erleicheterung für alle, die über die Spree an der Stelle schon längst eine Brücke gehabt hätten.

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