An der Warschauer Straße nimmt eines der ambitioniertesten Wohnbauprojekte Berlins erneut Fahrt auf. Mit der Neueinleitung des Bebauungsplanverfahrens rückt ein bis zu 167 Meter hohes Wohnhochhaus mit bis zu 1.000 Wohnungen in Friedrichshain wieder in den Fokus, samt Beteiligung der Öffentlichkeit und offener Debatten über Maßstab, Dichte und soziale Mischung.

Auf dem Baugrundstück selbst ist bislang nicht viel zu sehen. Das Bebauungsplanverfahren befindet sich noch in der laufenden Abstimmung. Perspektivisch soll auf dem Areal zwischen Rudolfstraße, Tamara-Danz-Straße und Ehrenbergstraße ein rund 167 Meter hoher Wohnturm entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
In unmittelbarer Nähe des S- und U-Bahnhofs Warschauer Straße sollen künftig etwa 800 bis 1.000 neue Wohnungen entstehen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat dafür im Januar 2026 das Bebauungsplanverfahren neu eingeleitet. Geplant ist auf den Grundstücken Rudolfstraße 17–18 ein rund 167 Meter hoher Wohnturm mit ergänzendem Sockelbau. Etwa 30 Prozent der Wohnungen sollen sozial gefördert werden, entsprechend dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung.
Mit dem Verfahren schafft das Land Berlin die planungsrechtliche Grundlage für eines der größten Wohnungsbauvorhaben im Umfeld der Warschauer Brücke. Neben klassischen Mietwohnungen sind auch spezielle Wohnformen vorgesehen, darunter Angebote für Studierende und Seniorinnen und Senioren. Ergänzend sollen gewerbliche, kulturelle und soziale Nutzungen entstehen, um das Umfeld des stark frequentierten Verkehrsknotens städtebaulich aufzuwerten.
Zwischen Rudolfkiez und Mediaspree: Neues Hochhausquartier an der Warschauer Straße
Das Planungsgebiet liegt zwischen Rudolfstraße, Tamara-Danz-Straße und Ehrenbergstraße. Historisch war das Areal Teil eines innerstädtischen Industrieensembles, das sich trotz seiner Größe in die Blockrandstruktur der umliegenden Mietshausquartiere einfügte. Mit dem industriellen Strukturwandel verlor der Standort im 20. Jahrhundert seine ursprüngliche Funktion. Heute gilt die Fläche als eine der zentralen Entwicklungsareale zwischen Rudolfkiez, Warschauer Brücke und Mediaspree.
Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung im Umfeld verfolgt der Senat das Ziel, hier eine langfristig tragfähige Perspektive zu schaffen. Aufgrund des hohen Wohnraumbedarfs und der verkehrlich hervorragenden Lage wurde das Bebauungsplanverfahren vom Bezirk auf die Senatsverwaltung übertragen. Damit soll eine zügige Umsetzung ermöglicht werden.
Bereits zuvor hatte der Berliner Senat dem Bezirk die Planungshoheit entzogen und das Bebauungsplanverfahren an sich gezogen, nachdem sich beide Seiten nicht auf die künftige Nutzung des Areals einigen konnten.
Hochhaus an der Warschauer Straße: Entwurf von Henning Larsen setzt sich durch
Bereits Ende August 2025 startete ein zweistufiges städtebauliches Werkstattverfahren. Vier Architekturbüros entwickelten zunächst unterschiedliche Konzepte. Das Preisgericht wählte einstimmig den Entwurf des Büros Henning Larsen als Grundlage für die weitere Bearbeitung aus. In einer zweiten Phase wurde das Konzept gemeinsam mit Müller-Reimann Architekten hochbaulich konkretisiert.
Das Projekt wurde im Juli 2025 im Baukollegium des Landes Berlin vorgestellt und als Hochhausstandort eingeordnet. Damit greift das Berliner Hochhausleitbild, das hohe Anforderungen an architektonische Qualität, Nutzungsdurchmischung und Freiraumgestaltung stellt.
Beteiligungsverfahren zum Hochhaus an der Rudolfstraße 17-18 läuft
Parallel zur Neueinleitung des Verfahrens läuft die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung. Bis zum 6. Februar 2026 können sich Interessierte online über die Plattform meinBerlin informieren und Stellungnahmen abgeben. Alternativ ist eine Einsichtnahme vor Ort nach Terminvereinbarung möglich. Die eingehenden Hinweise sollen in die weitere Planung einfließen.
Wie sich das Projekt weiterentwickelt, bleibt offen. Schon frühere Planungen für ein Hochhaus an der Rudolfstraße hatten Proteste aus dem Bezirk und der Nachbarschaft ausgelöst. Die erneute Einleitung des Verfahrens markiert dennoch einen wichtigen Schritt. Ob das Vorhaben die Balance zwischen dringend benötigtem Wohnraum, städtebaulichem Maßstab und Akzeptanz im Kiez findet, wird sich in den kommenden Planungsphasen entscheiden.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
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11 Kommentare
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Vom Alex über Jannowitzbrücke und Ostbahnhof bis runter zur Warschauer wird Berlin in 50 Jahren einen kompletten Hochhausgürtel haben, da wird man sich an all das Kontergequake nicht mehr erinnern. Und wenn die erst einmal stehen, werden auch eines Tages 200er und 300er dort ihren Platz finden.
Schöne Aussichten…
Ich habe mir das Projekt unter Mein Berlin angeschaut und muss sagen, dass ich es sehr gelungen finde.
Gerade in der Innenstadt ist Platz ein kostbares Gut.
Dass nur wenige das Privileg haben, in einer Altbauwohnung in Friedrichshain-Kreuzberg zu wohnen, halte ich zudem für problematisch.
Aus diesem Grund begrüße ich solche Hochhausprojekte sehr, wenn es eine Sozialquote (30%-40%) gibt.
Das gefällt mir…Kleinstadtdenken bringt uns hier nicht voran.
Wohnungen für Studenten und ältere Leute klingt erst mal gut. Interessant wäre, ob es sich hierbei wie bei ähnlichen Bauvorhaben der letzten Zeit letzten Endes um winzige Apartments handelt, die für einen unglaublich hohen Preis verkauft und vermietet werden. Ich vermute, dass die Formulierung Student hier eher verwendet wird, um zu kaschieren, dass er sich um extrem kleine Wohneinheiten handelt. Würden tatsächlich in einem Turm mit etwa 50 Stockwerken 1000 Wohnungen untergebracht, wären das ja alleine 20 pro Etage.
Das Projekt klingt sehr vielversprechend, wollen mal hoffen, das der ganze Planungsprozess nicht wieder jahrelang braucht und man zügig ins Bauen kommt. Ein Bisschen schwarz sehe ich für das Projekt aber, schließlich sind im September wieder Wahlen und ich befürchte, dass das dann wieder eine rot grün rote Sauce wird, die das Ganze wieder ganz anders sehen dürfte.
Tja, wenn RRG 1000 Wohnungen und davon 30% gefördert, die darüberhinaus für Deutschland fast maximal flächeneffizient sind, absägt, dann sollte vllt auch der letzte linke Berliner merken, dass diese Parteien nicht wirklich an einer Lösung des Wohnungsproblems interessiert sind.
Das wurde nicht abgesägt, sondern beanstandet, dass nur wenige Wohnungen für sehr viel Baumasse entstehen. Zudem war damals von 50% geförderten Wohnungen die Rede. Wenn jetzt 700 Luxuswohnungen entstehen ist vollkommen klar, was das für die ortsübliche Vergleichsmiete bedeutet: Das Projekt wird viele Mieter:innen aus der Nachbarschaft verdrängen.
Es ist halt dauerhaft auch nicht haltbar, dass man immer darauf achten muss, dass die Wohnkosten bloß nicht steigen dürfen, damit ein gewisses Klientel zu teilweise irrational niedrigen Preisen in der Hauptstadt in bester Lage wohnen kann und dafür dann lieber ganze Stadtteile absichtlich im heruntergekommenen Zustand bleiben sollen, damit die Gegend bloß nicht attraktiver und damit teuer wird. In anderen Metropolen wie Paris, London oder New York Stadt könnte man auch nicht für kleines Geld in Top-Lage wohnen. Dass man das in Berlin künstlich vermeiden will, damit niemand, der momentan über seine finanziellen Verhältnisse hinaus lebt, verdrängt wird, sabotiert jedwede Stadtentwicklung und ist nicht zukunftsfähig. Und mancherorts, wie etwa am Ku’damm, gehört soziales Wohnen auch einfach nicht hin.
…und kleine Städte wie Fürstenwalde und Eberswalde bekommen eine Chance sich zu entwickeln. Ein Grundprinzip in der Marktwirtschaft ist es ein gewisses Überangebot zu schaffen. Dann pendeln sich auch Preise ein. Die Chance für den Erhalt von viel Kultur im EG und UG wird vertan weil sich widerliche Politiker Sternchen Innen darauf konzentrieren ihre Wahlklientel zu bedienen. Wir brauchen Wachstum und das JETZT !
Gutes Projekt und die notwendige Zukunft für Berlin. Nur zum Verständnis: Wenn 30% der Wohnungen gefördert werden, bedeutet das noch lange nicht, dass 70% Luxuswohnungen entstehen, wie Linke immer polarisieren. Sondern bezahlbarer Wohnraum für Berliner Familien mit mittlerem bis gutem Einkommen. Nicht für Reiche sondern für Normalos, für Bürger der Mitte.